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Musik

Chartbreaker auf hohem Niveau

Trendy und schick: Klassik hören und sehen ist in. Das sagen zumindest die Zahlen - einen regelrechten Boom erlebten Klassikprodukte in den letzten Jahren. Woran liegt's?

Junge Frauen mit Violinen (Foto: EUBO)

Klassische Musik - wieder im Kommen

"Roll over Beethoven": der fetzige Rock 'n Roll-Song von Chuck Berry, den später auch die Beatles oder auch das Electric Light Orchestra coverten, war zwar nicht direkt eine Kampfansage an die klassische Musik; dennoch kamen Beethoven und zahllose andere Komponisten in gewisser Weise unter die Räder. Nicht nur, dass viele Jugendliche Klassik zunehmend als langweilig, elitär, verstaubt und uncool ansahen: auch die Musikbranche selbst bekam Schwierigkeiten mit einem zunehmend gesättigten Markt.

Trotz Wirtschaftskrise schwarze Zahlen

Anna Netrebko, Rolando Villazon (r.) und Placido Domingo (Foto: AP)

Begeisterten auf der Berliner Waldbühne: Anna Netrebko, Rolando Villazon (r.) und Placido Domingo (l.)

Jahrelang wurde nicht nur branchenintern, sondern auch auf Messen immer wieder das gleiche Klagelied angestimmt: der Klassikmarkt ist in der Krise. Schallplattenläden schlossen reihenweise ihre Klassikabteilungen, große Label starrten auf ständig sinkende Absatzzahlen und immer wieder wurde das baldige Ende der Branche beschworen. Auch viele Konzertveranstalter klagten über sinkende Besucherzahlen. Jetzt scheint sich das Blatt wieder gewendet zu haben: immerhin hat der Bundesverband der Musikindustrie einen positiven Klassik-Trend ausgemacht, der schon seit einigen Jahren anhält - und das trotz Wirtschaftskrise.

Abseits der Bildungselite

Frau in einem CD-Laden (Foto: Bilderbox)

Trotz Krise immer noch gefragt: Klassik-CDs

Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2008 stieg der Absatz von Klassikprodukten in diesem Jahr um 23 Prozent an; beispielsweise klingelten bei einem deutlichen Anstieg des Kartenverkaufs die Kassen der Konzerthäuser kräftig. Und längst ist es nicht mehr die sogenannte Bildungselite, die sich für die Klassik interessiert: Laut einer Studie, die der Bundesverband der Musikindustrie in Auftrag gegeben hat, sind vor allem Klassikfans mit niedrigem Bildungsniveau für ein Drittel der Umsätze in der Branche verantwortlich. Darüber hinaus schaffen es immer mehr Klassikprodukte in die Album-Charts: zwischen 2006 und 2009 waren dort 42 CDs und Videos vertreten - zehnmal so viele Produktionen wie zwischen 2002 bis 2005.

Publiv Viewing in Bonn (Foto: B. Frommann)

Vom Fußball abgeguckt: Public Viewing beim Bonner Beethovenfest

Woran liegt die neue Begeisterung an der klassischen Musik? Vielleicht an solchen Shootingstars wie Paul Potts, der einen Gesangswettbewerb á la "Deutschland sucht den Superstar" mit Giacomo Puccinis Opernarie "Nessun dorma" gewann? Das könne schon sein, meint Stefan Michalk vom Bundesverband Musikindustrie; doch für ihn gibt noch einen anderen wichtigen Punkt: "Die Musikbranche hat in den vergangenen Jahren erfolgreich daran gearbeitet, Hemmschwellen abzubauen. Und Weltstars wie Anna Netrebko oder Rolando Villazon sind nicht nur Klassikfans ein Begriff. Gleichzeitig überwinden Künstler wie David Garrett mühelos Genregrenzen und sprechen so verstärkt auch junge Zielgruppen an." Doch auch neue Formen von Konzerterlebnissen wie etwa Public Viewing bei den Bayreuther Festspielen finden beim jungen Klassikpublikum großen Anklang. (kg/es/ap/dpa)