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"Charlie-Hebdo"-Anschlag: Anzeige gegen Medien

18. August 2015

Während die "Charlie Hebdo"-Attentäter seinen Chef in der Gewalt hatten, versteckte sich ein junger Mitarbeiter der Druckerei. Medien berichteten darüber live. Deswegen schaltete der Franzose nun die Justiz ein.

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Polizisten vor der Druckerei in Dammartin-en-Goele (Foto: dpa)
Polizisten vor der Druckerei in Dammartin-en-GoeleBild: picture-alliance/dpa/Yoan Valat

Es war seit langem das Schrecklichste, was Paris und die Franzosen Anfang dieses Jahres erleben mussten: Zwei islamistische Terroristen stürmten am 7. Januar die Redaktion der islamkritischen Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" und töteten zwölf Menschen. Bei ihrer Flucht war ihnen die Polizei immer knapp auf den Fersen, und die Reporter auch. Dies wird nun ein Nachspiel vor Gericht haben.

Geiselnahme in Druckerei

Die Attentäter, die Brüder Chérif und Said Kouachi, hatten zwei Tage nach dem Angriff auf "Charlie Hebdo" in Dammartin-en-Goele bei Paris eine Druckerei gestürmt und den Besitzer als Geisel genommen. Ein 26-jähriger Mitarbeiter konnte sich in dem Gebäude vor den Terroristen verstecken.

Mehr als acht Stunden harrte er unter einem Waschbecken aus. Darüber berichtete eine Reihe von Medien, noch während die Islamisten sich in der von der Polizei umstellten Druckerei aufhielten.

Damit sei das Leben seines Klienten direkt bedroht gewesen, zitierte die Zeitung "Le Parisien" den Anwalt des jungen Mannes. Die Staatsanwaltschaft habe in der vergangenen Woche ein Verfahren eröffnet. Die betroffenen Sender haben sich noch nicht dazu geäußert.

Elitepolizisten hatten die Druckerei nach stundenlanger Belagerung dann gestürmt. Dabei wurden die Terroristen erschossen und die beiden Männer befreit. Fast parallel dazu beendeten Sondereinheiten eine gleichzeitige Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt im Osten von Paris. Dabei starben vier Geiseln und der Terrorist Amedy Coulibaly. Der 32-Jährige wird zudem für die Ermordung einer Polizistin einen Tag zuvor verantwortlich gemacht. Insgesamt kamen bei der Terrorserie von Paris 20 Menschen ums Leben, unter ihnen die drei Attentäter.

Auch im Zusammenhang mit dem Terrorangriff auf den Supermarkt gibt es ein Verfahren, weil ein TV-Sender über Kunden berichtet hatte, die sich in einem Keller des Ladens versteckt hatten. Dadurch sei ihr Leben gefährdet worden, denn Coulibaly hätte so auf das Versteck aufmerksam werden können, begründeten die Kunden ihre Klage.

Kritik an Medien

Bereits im Februar hatte die französische Rundfunkaufsicht CSA rund 500 Programmstunden analysiert und anschließend die Sender France 2, TF1 und RMC wegen der aktuellen Berichterstattung während der Anschlagserie gerügt.

wl/qu (dpa, afp)