Charles Dutoit: Ein Star-Dirigent und der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs | Aktuell Welt | DW | 23.12.2017
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#metoo

Charles Dutoit: Ein Star-Dirigent und der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs

Jeder Fall ist anders. Und viele Opfer schweigen lange. Die Reihe der mutmaßlichen Täter nimmt kein Ende: Harvey Weinstein, danach Kevin Spacey, Dustin Hoffman, Sylvester Stallone, James Levine. Und nun: Charles Dutoit.

Nach Vorwürfen wegen angeblicher sexueller Übergriffe sind mehrere internationale Auftritte des 81-jährigen Star-Dirigenten Charles Dutoit (Artikelbild) abgesagt worden. Der gebürtige Schweizer soll Sängerinnen und eine klassische Musikerin in US-Städten zwischen 1985 und 2010 bedrängt haben, etwa in einem Fahrstuhl und in einem Ankleideraum. Eine Stellungnahme Dutoits steht noch aus.

"Eine faire Chance"

Dutoit sei ab sofort von seinen Konzertverpflichtungen entbunden worden, teilte das Royal Philharmonic Orchestra in London mit. Dort ist Dutoit Chefdirigent. Die Vorwürfe müssten rasch geklärt werden. "Charles Dutoit muss eine faire Chance erhalten, Rechtsberatung einzuholen und diese Vorwürfe anzufechten", heißt es in einer Erklärung. In den USA kündigten Orchester in San Francisco und Boston die Zusammenarbeit mit Dutoit. Das San Francisco Symphony habe "sämtliche Verbindungen" zu dem Dirigenten gekappt und habe "null Toleranz" für sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, teilte das Orchester mit. Das Boston Symphony Orchestra beendete die Zusammenarbeit wegen der "extrem besorgniserregenden Vorwürfe" gegen Dutoit. Von seinen in den kommenden Monaten in New York und Chicago geplanten Konzerten sei Dutoit zurückgetreten, teilten die New Yorker Philharmoniker und das Chicago Symphony Orchestra mit.

Auch Levine vorerst suspendiert

Der 1936 in Lausanne geborene Dutoit wurde für seine musikalischen Leistungen vielfach geehrt, etwa mit Ehrendoktorwürden. Als Dirigent feierte er weltweit große Erfolge. Dutoit, der in vierter Ehe mit einer kanadischen Musikerin verheiratet ist, gilt als Kosmopolit und hat unter anderem Wohnsitze in Paris, Montréal und Tokio.

James Levine (AP)

James Levine

Die Vorwürfe gegen den Dirigenten sind der nächste Teil der inzwischen weltweit geführten Sexismus-Debatte (#metoo). Dutzende Frauen warfen Hollywood-Mogul Harvey Weinstein vor allem in den USA Belästigungen und Missbrauch vor. Die Polizei in New York, Los Angeles und London ermittelt derzeit gegen den Filmproduzenten. Es folgten Verdächtigungen gegen prominente Schauspieler, Künstler, Politiker und andere Personen, teils mit erheblichen Konsequenzen für die mutmaßlichen Täter. Kevin Spacey verlor seine Hauptrolle in der Erfolgsserie "House of cards". Erst vor knapp drei Wochen hatte die Metropolitan Opera in New York zudem ihren langjährigen Musikdirektor James Levine wegen massiver Missbrauchsvorwürfe vorerst suspendiert.

ml/se (dpa, ap)