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Filme

"Chaplin's World" in der Schweiz

Er war einer der größten Komiker und Schauspieler aller Zeiten. Seine letzten 25 Lebensjahre verbrachte Charlie Chaplin in der Schweiz. In seiner ehemaligen Villa eröffnete nun ein Chaplin-Erlebnis-Museum.

Der kanadische Kulturmäzen Yves Durand hatte im Jahr 2000 ein großes Ziel: Auf Charlie Chaplins Schweizer Landsitz "Le Manoir de Ban" in Corsier-sur-Vevey am Genfer See sollte ein neues Museum für den weltberühmten Schauspieler und Regisseur entstehen. Über 15 Jahre hat es gedauert bis Durand sein Ziel umsetzten konnte, nicht zuletzt wegen vieler Rechtsstreitigkeiten. Die Schweizer befürchteten ein weiteres "Disneyland" in ihrer schönen Natur.

Schweiz Chaplin Museum in Corsier-sur-Vevey Michael Chaplin (Foto:EPA/JEAN-CHRISTOPHE BOTT)

Michael Chaplin, Sohn von Charlie Chaplin, hat den Museumsbau unterstützt

Am 15. April, ein Tag vor dem 127. Geburtstag von Charlie Chaplin war es dann soweit: "Chaplin's World by Grévin" war endlich fertig. "Kein anderes Museum der Schweiz wird Menschen vom anderen Ende der Welt anziehen", kommentiert Durand selbstbewusst sein Projekt. Der Generaldirektor des neuen Museums, Jean-Pierre Pigeon, rechnet mit über 300.000 Besuchern jährlich.

Konzipiert hat das Chaplin-Museum die französische Firma Grévin

Als Charlie Chaplin 1952 auf einer Europatournee seinen Film "Rampenlicht" präsentierte, wurde er von den USA aus politischen Gründen ausgebürgert. Mit seiner Frau Oona O'Neill und den gemeinsamen acht Kindern ließ er sich in der Schweiz nieder. In Corsier-sur-Vevey fanden sie ein Herrenhaus im neoklassizistischen Stil mit einem 14 Hektar großen Park - an den Hängen zwischen See und Bergen gelegen. "Der weite Raum tut der Seele gut: Er erweitert den Horizont und erfrischt den Geist", schwärmte Chaplin von seiner neuen Heimat.

Nachgebautes Arbeitszimmer von Charlie Chaplin (Foto: Charlie Chaplin Museum)

Chaplins Kinder haben Möbelstücke und Kindheitserinnerungen beigesteuert

Dieses Gefühl sollen auch die Museumsbesucher nachempfinden können. Schließlich hatte Ives Durand Chaplins Kinder von dem Museum überzeugt, indem er ihnen versicherte, er wolle den großen Komiker nicht interpretieren, sondern für sich selbst sprechen lassen. Konzipiert wurde das Museum von der französischen Firma Grévin, die bereits international Museen und Freizeitparks gestaltet hat. Sie verspricht "eine Inszenierung, die den Besucher in ein Universum voller Illusionen und Träume versetzt". Die Besucher sollen nicht nur den Künstler, sondern vor allen Dingen den Menschen Chaplin näher kennenlernen: Charlie Chaplin der Frauenheld, der Naturfreund, der Angler, der Fondue und Kirschbrand liebte.

Seine Kindheit in Waisenhäusern verarbeitet Charlie Chaplin in "The Kid"

Charles Spencer Chaplin wurde 1889 als Sohn der Schauspielerpaars Charles und Hannah Chaplin in London geboren. Sein Vater starb früh, seine Mutter war häufig in psychiatrischen Kliniken. So wuchs Charlie Chaplin vor allem in Waisenhäusern auf. Ein Thema, dass er unter anderem in seinem berühmten Klassiker "The Kid" 1921 verarbeite. Chaplin gehörte zu den beliebtesten Stummfilmkomikern seiner Zeit, der das Genre der Filmkomödie entscheidend prägte. So brach seine Figur des zerlumpten "Tramps" mit der Tradition des Stummfilms, wo die Helden bis dahin meist elegant und perfekt daherkamen.

Seine typische Filmfigur mit Schnurbart, zu großen Hosen, Melone, ausgebeuten Schuhen und Gehstock hatte er 1914 in dem Film "Seifenkistenrennen in Venice" etabliert. Unvergessen auch seine Filme "Moderne Zeiten", in dem es um die industrielle Revolution geht, "Der große Diktator", der sich mit dem Faschismus auseinandersetzt oder der Film "Goldrausch", in dem die Materialisierung der Welt thematisiert wird.

Nach dem Zweiten Weltkrieg - Chaplin hatte längst eigene Produktionsfirmen in Hollywood - war die politische Lage angespannt. Der amerikanische Senator Joseph McCarthy verschärfte im Kalten Krieg seine Antikommunismus-Kampagne gegen angeblich linke Schauspieler und Regisseure. Davon war auch Charlie Chaplin betroffen. Er durfte 1952 aus Euopa nicht mehr in die USA zurückkehren. Erst 1972, als er den Oscar für sein Lebenswerk erhielt, wurde er rehabilitiert - fünf Jahre vor seinem Tod.

Charlie Chaplins Koffer aus "The Tramp" ist auch dabei

Ein Raum voller Fotos von Chaplin (Foto: Charlie Chaplin Museum)

Besucher sollen eintauchen in die verschiedenen Welten Chaplins

Yves Durand entwickelte das Museum zusammen mit dem Architekten Philippe Meylan. "Le Manoir de Ban" wurde komplett ausgehöhlt. Unter anderem entstand ein neues Studiogebäude, in dem es um Chaplin als Künstler geht. Hier befindet sich ein Kinosaal mit 150 Plätzen, wo alle Klassiker von Charlie Chaplin zu sehen sind. 81 Filme und 15.000 Fotografien werteten die Kuratoren des neuen Museums aus, um alles so originalgetreu wie möglich herzurichten.

Außerdem gibt es zahlreiche Erinnerungsstücke zu sehen, die Charlie Chaplins Kinder beigesteuert haben. Darunter Fotoalben oder Familienfilme und auch der Koffer aus "The Tramp", das typische Markenzeichen des traurig-komischen Filmhelden. Chaplin starb im Dezember 1977 im Alter von 88 Jahren. Der Komiker lebte bis zu seinem Tod auf seinem Landsitz in der Schweiz.

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