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Chaos

Ein Zustand der Unordnung, ein heilloses Tohuwabohu, der Gegensatz zum Geordneten, zum Kosmos: das Chaos. Philosophen und Wissenschaftler beschäftigt es. Bestimmte Menschen verursachen es.

Während der Ferienzeiten kommt es zu einem Verkehrschaos, weil alle gleichzeitig mit dem Auto in den Urlaub fahren wollen. Auf Flughäfen werden Flüge gestrichen, weil ein Schneechaos herrscht. Eine ganze Stadt wird durch einen Staubsturm ins Chaos gestürzt. Chaos auf dem Schreibtisch. Chaotische Menschen.

Etwas Philosophie

Nach modernem Verständnis ist Chaos ein Zustand der völligen Unordnung. In der griechischen Antike hatte es zunächst eine andere Bedeutung. Chaos ist dem griechischen cháos entlehnt, was so viel wie leerer Raum bedeutet, aber auch den Urzustand der Welt bezeichnet. Am Anfang aller Zeiten und Welten herrschte eben das Chaos.

Im Verständnis der antiken griechischen Naturphilosophie stellte man sich das Chaos als einen sich öffnenden Abgrund vor. In diesem bildete sich dann ein ungeordneter und in seiner Beschaffenheit noch völlig unbestimmter Stoff. Der griechische Philosoph Hesiod sprach von einem gähnenden Abgrund. Für den Philosophen Aristoteles wurde daraus ein leerer Raum; Platon und andere Philosophen deuteten das Chaos dann als wüstes Durcheinander.

Der Gegenpol

Den griechischen Mythen nach war Chaos der erste Zustand der Welt. Aus ihm heraus entwickelte sich – einer Kettenreaktion vergleichbar – der Kosmos, das Weltall oder Universum. Dort herrscht Ordnung und eine gewisse Harmonie im Ganzen. Der Kosmos bildet somit den Gegenpol zum Chaos.

Schöpfer der Welt

Der Orion-Nebel in der Milchstraße

Chaos im Universum

Die Frage, die damals die Menschen beschäftigte, war: Wer gestaltete das Chaos, die Urmasse? Wer ließ sie zur Welt werden? In vielen Religionen ist es ein Schöpfer, der in dieses Chaos eingreift, es formt und ordnet.

Bei den Babyloniern war Marduk der Herr, der sich gegen den Chaosdrachen Tiamat durchsetzte und die Welt erschuf. Er zerriss den Drachen und machte aus den Teilen des Körpers Himmel und Erde. Aus diesem Mythos entstand das Weltbild von der Himmelsschale, die sich über die Erdscheibe wölbt. Im Alten Testament war es Gott, Jahwe, der aus dem Chaos Himmel und Erde schuf. Das Chaos im biblischen Schöpfungsbericht hat auch einen Namen: tohu wa-bohu.

So ein Tohuwabohu

Das Tohuwabohu war also der Zustand vor dem eigentlichen Schöpfungsakt. In der heutigen Alltagssprache wird häufig von so einem Tohuwabohu gesprochen, womit ein heilloses Durcheinander gemeint ist.

Das Wort bedeutet im Hebräischen so viel wie wüst und leer. Wirrwarr, Unordnung, Durcheinander – das sind die Bedeutungen, die sich von der Antike bis in unsere Zeit für die Bedeutung von Chaos erhalten haben.

Chaosforscher

Ein Muster, nach dem chaotische Verhältnisse entstehen, ist nicht erkennbar. Dennoch versuchen Chaosforscher Erklärungen zu finden. Warum verändert sich etwas nach einer gewissen Zeit, durch geringste Einflüsse, und führt zu einem völlig anderen Verhalten als erwartet?

Vor allem Mathematiker und Physiker beschäftigen sich mit solchen Fragen. Aber auch in der Geschichtswissenschaft, der Medizin, der Wirtschaft oder auch der Psychologie werden Erklärungen für bestimmte chaotische Entwicklungen gesucht. Warum zum Beispiel treffen Wettervorhersagen nicht immer zu, oder warum läuft jemand Amok?

Chaoten, die Unordnung verbreiten

Mehrere Gegenstände wie ein Kreuz und ein Fahrrad stehen ducheinander im Keller

Chaotische Zustände!

Der menschliche Urheber des Chaos ist der Chaot. Das ist eine Bezeichnung für jemanden, der keine innere Struktur hat und Unordnung um sich herum verbreitet. Umgangssprachlich findet man das in einer bekannten Redewendung wieder: "Hier sieht es ja aus wie bei Hempels hinterm Sofa" – oder "unterm Bett".

Das bedeutet nicht, dass der gute Mensch, auf den man den Spruch anwendet, wirklich Hempel heißt. Pate für die Redensart stand wohl der Schausteller Hempel, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Zirkus Hagenbeck unterwegs war. Herr Hempel hatte – anders als die anderen Schausteller – die Angewohnheit, seinen Müll unter den Wohnwagen zu kehren und nicht wegzuräumen. Aber da in Wohnungen ja bekanntlich keine Wohnwagen stehen, wurden eben Betten oder Sofas daraus.

Chaoten, die verändern wollen

Unordnung ganz anderer Art verbreiten sie: die politischen Chaoten. Sie sind Gegner des jeweils herrschenden Systems. Sie wollen es meist beseitigen oder radikal verändern – häufig mit roher Gewalt.

Diese Autonomen oder Radikalen werden von den Herrschenden abwertend als Chaoten bezeichnet. In deren Kreisen jedoch wird der Begriff durchaus positiv, als Bestätigung ihres Handelns gesehen.

Tarn-Chaoten

Eine Frau (links) und ein Mann vor Laptops bei einem Kongress des Chaos Computer Clubs

"Chaos Computer Club": Chaos schaffen für einen guten Zweck

Etwas verändern wollte auch eine besondere Chaoten-Gruppe, allerdings nicht mit Gewalt: Ende der 1980er Jahre gründete sich in Deutschland der Chaos Computer Club. Die Mitglieder dringen in fremde Computernetze ein.

Sie wollen damit allerdings keinen Schaden anrichten, sondern auf Lücken in Sicherheitssystemen hinweisen. Anfangs heftig kritisiert, werden die Mitglieder des Vereins inzwischen gerne auch von namhaften Unternehmen zu Rate gezogen.

Kreative Chaoten

Ja, und dann gibt es noch die Sorte Chaoten, die die Unordnung, das Wirrwarr braucht, um etwas zu schaffen, um kreativ sein zu können. Womit sie letztendlich der antiken Vorstellung von Chaos nahe kommen. Häufig sind diese Menschen bemüht, ihre unorganisierte Betriebsamkeit mit dem Anschein des Außergewöhnlichen zu versehen.

Ihnen kann man nicht richtig böse sein. Sie werden deshalb gerne auch als liebenswerte Chaoten bezeichnet. Und in gewissen Kreisen gilt es als nachgerade schick, wenn es immer so ein bisschen chaotisch zugeht.

Fragen zum Text

In der Antike wurde Chaos gesehen als …

1. der Ursprung der Welt.

2. die Unordnung auf den Straßen.

3. harmonische zwischenmenschliche Beziehungen.

In der Bibel wird Chaos bezeichnet als …

1. Tobuwahohu

2. Tohuwabohu

3. Towahubohu

Von einer Kettenreaktion spricht man im übertragenen Sinn, wenn …

1. jemand nur auf Kettenrasseln reagiert.

2. sich chemische Stoffe umwandeln.

3. mehrere Dinge hintereinander geschehen, die von etwas ausgelöst wurden.

Arbeitsauftrag

Schreiben Sie eine Kurzgeschichte über das Zusammenleben eines Chaoten mit jemandem, der sehr ordentlich ist. Lesen Sie Ihre Geschichte der Gruppe vor.

Autorin: Beatrice Warken

Redaktion: Raphaela Häuser

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