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Aktuell Amerika

Chaos vor Wahlen in Haiti

Kurz vor der Stichwahl um das Präsidentenamt ziehen gewalttätige Anhänger der Opposition durch Port-au-Prince. Aber auch innerhalb der Wahlbehörde wächst der Protest.

Eigentlich sollte die Stichwahl um das höchste Amt des Landes am Sonntag durchgeführt werden. Ob der Termin nun tatsächlich eingehalten werden kann, wird immer mehr fraglich. Die Oppositionsplattform G8 hat jedenfalls zum Boykott des Urnengangs aufgerufen. Ihre Demonstration am Montagabend vor dem Präsidentenpalast endete in Ausschreitungen zwischen Kundgebungsteilnehmern und der Polizei, am Dienstag ging die Gewalt weiter. In der Hauptstadt Port-au-Prince brannten zahlreiche Autos - der Karibikstaat droht erneut im Chaos zu versinken.

Die Wut der Oppositionsanhänger richtet sich gegen die Behörden Haitis. Anfang Januar hatte eine unabhängige Kommission bestätigt, dass es beim ersten Wahlgang Ende Oktober zu massiven Wahlfälschungen gekommen war. So sollen Wahlhelfer die Stimmenauszählung zugunsten des Regierungskandidaten Jovenel Moïse manipuliert haben. Der oppositionelle Präsidentschaftskandidat Jude Célestin zog daraufhin seine Kandidatur zurück. Er bezeichnete die Wahl am kommenden Sonntag als "Staatsstreich". Laut Wahlgesetz würde sein Platz in der Stichwahl nun an den Drittplatzierten abgegeben, doch dieser hat nicht die Absicht, anzutreten. So bleibt nur Regierungskandidat Moïse zur Abstimmung übrig.

Wahlbehörde vor der Auflösung

Dass diese Wahl nun offensichtlich zur Farce wird, haben auch die Mitarbeiter der Wahlbehörde erkannt. Wie Radio Metropole Haiti berichtet, hätten mittlerweile vier der insgesamt neun Mitglieder die Mitarbeit verweigert. Nun ist unklar, ob die Einrichtung ihre Legitimität behält. Auch mehrere Senatoren plädieren inzwischen dafür, die Stichwahl zu stoppen und eine Übergangsregierung zu benennen. Die Entscheidung muss schnell getroffen werden, denn am 7. Februar endet die Amtszeit von Präsident Michel Martelly, der nach fünf Jahren im Amt ausscheidet.

Haiti befindet sich seit Monaten in einer schweren politischen Krise. Das ärmste Land Lateinamerikas leidet zudem noch immer unter den Folgen des schweren Erdbebens im Januar 2010. Mehr als 200.000 Menschen kamen dabei ums Leben, mehr als eine Million wurden obdachlos.

djo/rb (dpa, epd)