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Amerika

Chaos in Rio nach schweren Regenfällen

Im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro sind durch Überschwemmungen und Erdrutsche mindestens 95 Menschen ums Leben gekommen. Die Behörden fürchten, dass die Zahl noch steigen wird.

Feuerwehrleute retten Verletzte aus Schlammlavinen (Foto: AP)

Tausende Feuerwehrleute waren im Einsatz

Ein Mann watet durch eine überflutete Straße in (Foto: AP)

In weniger als 24 Stunden fielen knapp 30 Zentimeter Regen

Es waren die heftigsten Regenfälle seit mehr als vier Jahrzehnten, und sie haben die brasilianische Metropole Rio de Janeiro in ein Chaos gestürzt. Nach Angaben der Rettungsdienste kamen in Rio selbst 35 Menschen ums Leben, in der Trabantenstadt Niterói 48. Die übrigen Todesfälle wurden aus den umliegenden Kommunen im Bundesstaat Rio de Janeiro gemeldet. Der Großteil der Opfer sei von Schlammlawinen erfasst worden, teilten die Behörden mit. Allein in Rio wurden 140 Erdrutsche gemeldet, bei denen in 26 Fällen Häuser unter den Geröllmassen begraben wurden.

Vor allem Slumsiedlungen betroffen

In einigen Vierteln der Millionen-Metropole am Zuckerhut bot sich ein Bild der Verwüstung: Häuser standen unter Wasser, umgestürzte Bäume lagen auf Autos, Schlamm- und Geröllmassen verstopften die Straßen. Der Verkehr brach völlig zusammen, und mehrere Tunnel wurden wegen Überflutung gesperrt. Tausende Feuerwehrleute waren im Einsatz. Vereinzelt gelang es ihnen, Verschüttete nach stundenlangem Ausharren aus den Trümmern von eingestürzten Häusern zu bergen. Betroffen waren vor allem Slumsiedlungen an den steilen Hängen über der Stadt. Dort wurden Holzhütten und Häuser aus Beton von den abrutschenden Schlammmassen weggerissen.

Weitere Tote befürchtet

Einwohner von Rio trauern (Foto: AP)

Trauer in Rio: Mindestens 95 Menschen starben bei Erdrutschen

In weniger als 24 Stunden war doppelt so viel Regen gefallen wie sonst im gesamten April. Und die Meteorologen sagen weitere Niederschläge voraus. "Die Lage ist kritisch. Straßen sind überflutet und versperrt", sagte Bürgermeister Eduardo Paes. Er forderte die Bewohner der höher gelegenen Stadtgebiete auf, sich in Erwartung weiterer Niederschläge in Sicherheit zu bringen, und appellierte an die Einwohner, zu Hause zu bleiben. Die Behörden befürchten, dass die Zahl der Toten noch steigen wird. Mindestens 10.000 Häuser seien von Erdrutschen bedroht.

Das Unwetter bekam auch Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva zu spüren, der am Dienstag (06.04.2010) das Programm seines Rio-Besuches ändern musste. Er sagte den Behörden jegliche Hilfe zu und rief bei einer Veranstaltung zu einer Gedenkminute für die Opfer auf. Zugleich betonte er, dass derart starke Regenfälle außergewöhnlich seien.

Kritik an Städtebau

Ein Mann überquert eine überflutete Straße (Foto: AP)

Die Behörden befürchten, dass die Zahl der Toten noch steigen wird

Experten kritisierten die mangelnde Kontrolle des Städtebaus in der Mega-Metropole mit rund elf Millionen Einwohnern. Die Stadt Rio de Janeiro, in der 2016 die Olympischen Spiele ausgetragen werden sollen, sei an einer Stelle errichtet worden, die zum "Nationalpark" hätte erklärt werden sollen, sagte der Städtebau-Experte André Urani dem TV-Sender Globo. Als Baugrund für eine Großstadt sei dieses Gelände "ungeeignet". Allgemein seien die brasilianischen Großstädte auf Störungen des Klimas "absolut nicht vorbereitet", wendete der Soziologe Segno Abranches ein. Im Dezember waren bei ähnlichen Überschwemmungen im Bundessstaat Rio de Janeiro 72 Menschen ums Leben gekommen.

Autorin: Pia Gram (dpa, apn, afp, rtr)
Redaktion: Ursula Kissel

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