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Welt

Chaos in Kopenhagen

Die Welt vor den Folgen des Klimawandels zu bewahren, erweist sich als schwierige Aufgabe. Allein schon logistisch. Ein Teilnehmer-Tsunami überrollt das Konferenz-Zentrum von Kopenhagen.

Reiter mit Sense (Foto: AP)

Auch am Montag gab es Proteste

Es war schon vorher klar: Die Weltklimakonferenz von Kopenhagen würde alles bisher Dagewesene übertreffen. Normal sind 10.000, vielleicht 15.000 Teilnehmer bei den UN-Konferenzen, auf denen über die Rettung des Klimas gestritten wird. Aber COP 15 – so heißt das Treffen im Fachjargon - sprengt alle Rekorde: 45.000 Teilnehmer, das gab es noch nie. Knapp die Hälfte sind Vertreter von Nichtregierungs-Organisationen. Die NGO´s haben das Bella Center, außerhalb der dänischen Hauptstadt gelegen, fest im Griff. Dagegen nimmt sich die Schar der Delegierten aus 192 Ländern fast bescheiden aus: Sie kommen nur auf 11.000 Teilnehmer. Dazu noch 7000 Menschen, die sich um Sicherheit, Technik und leibliches Wohl sorgen und ein Häuflein Journalisten: Sie stellen mit 3800 Personen die "kleinste" Gruppe.

Nichts ging mehr

Eine Handvoll Demonstranten vor dem Bella Center (Foto: DW)

Vor dem großen Andrang: Eine Handvoll Demonstranten vor dem Bella Center

Schon als die Konferenz vor einer Woche begann, mussten diejenigen, die Einlass begehrten, Wartezeiten in Kauf nehmen: Doch als zum Beginn der zweiten Verhandlungswoche an diesem Montag (14.12.2009) der große Schwung in Kopenhagen eintraf, brach alles zusammen. Das Akkreditierungssystem lag phasenweise am Boden, pro Stunde konnten nur 50 Ausweise gedruckt werden. Bei Tausenden, die draußen bei eisiger Kälte warten mussten, sorgte das für großen Verdruss. Weil die meisten umweltbewusst mit der Metro zum Konferenzzentrum gefahren waren, wurde alsbald die Station gesperrt, weil sie die Menschenmassen nicht mehr aufnehmen konnte. Über einen halben Kilometer war die Warteschlange lang.

Stimmung auf dem Nullpunkt

Plüsch-Eisbär im Konferenzzentrum (Foto: AP)

Er hat nicht gefroren: Ein Demonstrant im Plüsch-Gewand

Wer Glück hatte, schaffte es noch auf das Gelände des Bella-Centers, doch dieses Glück war trügerisch. Denn der zweite Teil der Warteschlange bewegte sich ebenso wenig. Bis zu sieben Stunden harrten die Menschen, darunter auch das Deutsche-Welle-Team, in der Kälte aus. Ohne ein heißes Getränk, von Essen und Toiletten ganz zu schweigen. Ob Umweltschützer, die Referentin des niederländischen Premierministers oder Mitglieder der brasilianischen Delegation – egal: Unterschiede wurden nicht gemacht. Die Stimmung der Wartenden sank mit den Temperaturen unter den Nullpunkt und kippte schließlich, weil die Sicherheitskräfte null Toleranz zeigten – und stets auf die Vereinten Nationen verwiesen: Sie haben im Konferenzzentrum das Sagen.

Run auf die Badges

So gelang es einigen Hundert schließlich doch noch, ins Innere des Zentrums zu gelangen und dort – freilich nicht ohne weitere Wartezeit – den begehrten Badge zu ergattern. Für viele andere endete der Tag enttäuschend: Sie mussten nach Stunden in der Kälte unverrichteter Dinge ins Hotel zurück kehren. Ketzerisch bemerkte mancher, dass ein bisschen Erderwärmung für den Moment gar nicht so schlecht wäre.

Für die nächsten Tage haben die Organisatoren Besserung versprochen. Ein Quotensystem soll vor allem die Massen der Beobachter und Umweltaktivsten in geordnete Bahnen lenken. Von Beschränkungen beim Einlass ist bereits die Rede. Doch ob das hilft, darf bezweifelt werden: Wenn ab Donnerstag die über 100 Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen eintreffen, dann kommt die nächste Welle über das Bella-Center.

Autor: Henrik Böhme, z.Zt. Kopenhagen

Redaktion: Martin Muno

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