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Politik

Chaos-Hellenen

Griechenland hat während seiner EU-Ratspräsidentschaft seinem Ruf alle Ehre gemacht: Ständig geänderte Tagungsorte für die EU-Gremien und allgemeines Chaos sorgten für Unmut nicht nur bei Brüsseler Journalisten.

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Altgediente Brüsseler Journalisten hatten bereits vorher gewarnt: Griechenland als EU-Ratspräsident verspricht als Nebenbeieffekt nicht nur das Flair südlichen Lebensstils, gutes Essen und sonnige Ratssitzungen auf Inseln in der Ägäis. Sondern die Griechen sind bei langjährigen Brüsseler Beobachtern vor allem durch eines bekannt: sie produzieren Chaos. Und es dauerte nicht lange, bis sich die Erfahrung der Kollegen für die Neueren in Europas Hauptstadt bestätigte.

Den Anfang machte der informelle Rat der EU-Finanzminister (Ecofin), traditionell ein Ereignis bei dem das gastgebende Land nicht nur harte ökonomische Fakten diskutieren will, sondern informell bedeutet auch: zwanglosere Gespräche als in den tristen Ratsgebäuden in Brüssel und Luxemburg - und vor allem: den Besuchern wird etwas von den Schönheiten des Landes gezeigt. Dieser Ecofin sollte in Chania auf Kreta stattfinden, einem der schönsten Strände der Insel, versprach Griechenlands Internetauftritt. Das Angebot an Hotels und Pensionen war üppig, der Haken war nur: Kreta ist primär ein Touristenziel, kein Polit-Tagungsort, und da es noch früh im Jahr war, hatten viele Hotels noch geschlossen. Und vor allem: es flog noch keine Chartermaschine auf die Insel. Doch irgenwie gelang dann doch die organisatorische Meisterleistung, hunderte von Journalisten außerhalb jeder Saison nach Kreta zu buchen. Und für ISDN- und sonstige Leitungen als Verbindung zur Heimat sendeten wir Stoßgebete zum Himmel.

Aber dann, wenige Tage vor dem Ereignis, entschied die Ratspräsidentschaft, die Sitzung der Finanzminister nach Athen zu verlegen. Hunderte von Stornierungen und Umbuchungen hatte das zur Folge, doch das kümmerte Athen offensichtlich nicht weiter, denn das gleiche Spiel wiederholte sich dann bei den Verteidigungsministern und jetzt auch bei den Außenministern. Letztere sollten sich eigentlich in Olympia auf dem Peleponnes treffen, doch dann gab es zunächst Gerüchte, vielleicht doch wieder Athen. Bis dann über Ostern die Entscheidung fiel: die Reise geht nach Rhodos – doch damit nicht genug: an einem Tag werden die Außenminister auf einem Schiff die Insel Kastellorizo anlaufen, und dann auch noch einen Abstecher in die Türkei machen. Wieder Umbuchungen, neue Leitungsbestellungen und vor allem: konsternierte Journalisten, die sich fragen, was das eigentlich soll, der Brüsseler Journalistenverband protestiert per Brief beim griechischen Regierungschef, und einige überlegen sich bereits die weiteren Veranstaltungen der Griechen zu boykottieren.

Dass jetzt auch noch der große Abschlussgipfel aus Thessaloniki verlegt worden ist, regt vor diesem Hintergrund schon niemand mehr auf. Auch nicht der Umstand, dass die Berichterstatter in Hotels untergebracht sind, die hundert Kilometer vom Tagungsort der Staats- und Regierungschefs entfernt sind. Dann kann man eigentlich nur noch den Rat der alten Brüsseler Haudegen beherzigen: Die Griechen übersteht man nur mit viel Retsina und Ouzo. Und am 1. Juli ist alles vorbei. Dann sind die Italiener dran, und die haben schon gesagt: wir machen die Gipfel und Ratstreffen mehrheitlich in Brüssel.