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Amerika

"Change" ist schwieriger als gedacht

Krankenversicherung für alle, bessere Klimapolitik, Schließung von Guantanomo: Viel hat sich Barack Obama vorgenommen, für sein erstes Jahr – und viele musste er enttäuschen. Eine Bilanz.

Obama-Plakat mit der Aufschrift Climate Shama (Foto: AP)

Nicht nur die Klimaschützer hat Obama enttäuscht

Am 20. Januar 2009 schaute die ganze Welt nach Washington. Barack Hussein Obama, geboren in Hawaii als Sohn eines kenianischen Vaters und einer Mutter aus Kansas, legte den Amtseid als 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ab. "Wir müssen aufstehen, uns den Staub aus den Kleidern klopfen und Amerika wieder einmal neu erfinden. Und wir fangen heute damit an", erklärte der neue Präsident gleich in seiner Antrittsrede. Und er meinte es ernst mit dem Aufbruch in eine neue Ära: Überparteilich wollte er regieren. Amerikas Bürger sollten wieder Arbeit und eine Krankenversicherung haben, die Kinder eine gute Schulbildung und das Land ein gutes Ansehen in der Welt. An seinem zweiten Arbeitstag verkündete er, dass er das Gefangenenlager Guantanamo schließen will.

Obama schwört Amtseide (Foto: AP)

Obama hat weltweite gewaltige Erwartungen geweckt - bevor er überhaupt seinen Amtseid geschworen hat

Es dauert länger als geplant

Doch der forschen Ankündigung folgte zunächst einmal die mühsame Sichtung der unübersichtlichen Gefangenenakten – und die Erkenntnis, dass der Prozess länger dauern wird als geplant. Denn erst vor kurzem fand sich mit einem Hochsicherheitsgefängnis in Illinois ein Ort auf dem amerikanischen Festland, an den die Gefangenen gebracht werden können. Die nötige Umrüstung des Gefängnisses wird viele Monate dauern.

Guantanamo sei ein gutes Beispiel für die Probleme, die Präsident Obama mit einigen seiner ambitionierten Vorhaben habe, sagt Stephen Hess vom Brookings Institut. Hess hat von Eisenhower bis Carter vier Präsidenten beraten: "Das spiegelt wieder, dass Dinge von innen ganz anders aussehen können als von außen."

Mehr Soldaten für Afghanistan

Das gilt auch zumindest für einen der beiden Kriege, die Präsident Obama von seinem Vorgänger George W. Bush geerbt hat. Der Abzug der Truppen aus dem Irak wurde allseits begrüßt. Eine geeignete Strategie für den Kampf in Afghanistan zu finden, stellte sich als wesentlich schwieriger heraus. Am 1. Dezember erklärte Obama in der Militärakademie West Point, dass er weitere 30.000 Soldaten nach Afghanistan schicken werde. "Nach 18 Monaten werden unsere Soldaten mit dem Abzug beginnen."

So soll das Land stabilisiert und die Afghanen in die Lage versetzt werden, selbst für die Sicherheit zu sorgen. Ob die Strategie aufgehen wird, wird sich zeigen. Schon jetzt ruderte die Regierung wieder zurück. Die Soldaten werden vermutlich erst im Spätsommer oder Herbst dort stationiert werden, und nicht schon - wie von Obama geplant - im Juli 2010. Und das Abzugsdatum müsse man auch nicht so genau nehmen, heißt es inzwischen. Es hänge eben alles von der Situation vor Ort ab.

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