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Asien

Chancen für japanisch-chinesische Annäherung

Mit Xi Jinping und Shinzo Abe an der Spitze Chinas beziehungsweise Japans könnte eine Entspannung in den bilateralen Beziehungen gelingen. Ein Zeichen wäre ein Zusammentreffen beider auf dem APEC-Gipfel.

In den chinesisch-japanischen Beziehungen gelten die letzten vier Jahre als verlorene Jahre. Diplomaten lieferten sich einen Schlagabtausch, Medien und Nationalisten beider Länder heizten Misstrauen und Vorurteile in der Bevölkerung an.

Die gegenseitige Antipathie hat unter anderem historische Gründe. Seit jeher beanspruchen sowohl Japan als auch China die Führungsrolle in Ostasien. Die aktuellen Spannungen gehen zurück auf die Verhaftung des Kapitäns eines chinesischen Fischkutters im September 2010 durch japanische Küstenwachtschiffe in der Nähe der von beiden Ländern beanspruchten Senkaku/Diaoyu-Inseln. Als die Verhaftung bekannt wurde, gingen chinesische Demonstranten in mehr als 100 Städten auf die Straßen und beschädigten japanische Autos und Fabriken. Japan reagierte, indem es die Inseln, die bis zu jenem Zeitpunkt in Privatbesitz waren, aufkaufte und verstaatlichte.

Shinzo Abes Zwänge

Japanische Kriegsflagge wird von Protestlern in Hongkong verbrannt (Foto: Reuters)

Nationalistische Aufwallungen als latente Gefahr

Aus innenpolitischen Gründen und innerhalb seiner konservativen Partei ist es für den japanischen Premierminister Shinzo Abe schwierig, auf China zuzugehen. "Abe war einer Verbesserung der Beziehungen zu China nie abgeneigt, aber es gibt eine Reihe von Gründen, weshalb er nicht einlenken konnte", sagt Jon Okumura, Gastdozent am Meji-Institut for Global Affairs im Gespräch mit der Deutschen Welle. So gebe es in China etwa seit 30 Jahren eine Propaganda, die erklärt, wie schrecklich die japanische Nation ist. "Ich glaube aber, dass es jetzt einen Wandel auf chinesischer Seite gibt."

Experten wie Jon Okumura verweisen dabei auf eine Reihe von Treffen zwischen hochrangigen Politikern und Wirtschaftsvertretern in den vergangenen Monaten. Besonders bedeutsam war das Treffen des japanischen Vizepremiers Taro Aso und seines chinesischen Amtskollegen Zhang Gaoli Ende Oktober. Asos zentrale Botschaft lautete: Premier Abe hofft, auf dem Jahrestreffen der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftskooperation (APEC) im November in Peking mit Chinas Präsident Xi Jinping zusammenzutreffen. Und die Chancen stünden nicht schlecht, so Okumura.

"China wünscht sich ebenfalls bessere Beziehungen zu Japan, unter anderem deshalb, weil die japanischen Investitionen in China in diesem Jahr eingebrochen sind", so der Experte vom Meiji-Institut. "Das chinesische Wirtschaftswachstum verlangsamt sich, die Arbeitskosten steigen und auf einmal sieht sich China mit einer Reihe von Konkurrenten konfrontiert." China könne es sich nicht leisten, auf Japan mit einem Markt von 127 Millionen Konsumenten direkt vor der Haustür zu verzichten.

Gründe für Optimismus

Xi Jinping und Shinzo Abe (Foto: picture-alliance/dpa)

Abe (r) wünscht Treffen mit Xi Jinping beim APEC-Gipfel

Ähnlich optimistisch ist Ian Bremmer vom US-Forschungsinstitut Eurasia Group mit Blick auf die nähere strategische Zukunft. "Der Aufstieg Chinas wird in Japan als langfristiges Problem klar erkannt, aber in der näheren Zukunft mache ich mir keine Sorgen um die Geopolitik in Asien." Er begründete seinen Optimismus mit Blick auf die beiden erst vor kurzem ins Amt gekommenen Politiker Xi und Abe. Beide seien wirkliche Führungspersönlichkeiten, die auf wirtschaftliche Transformation setzen. "Dafür streben sie vor allem nach mehr Stabilität in ihrer Region“, sagt Bremmer. Die Zeichen für eine Wiederannäherung seien überall zu sehen: mehr chinesische Touristen führen nach Japan und der kulturelle Austausch nehme zu.

Deswegen sei noch lange nicht ewige Freundschaft zwischen Japan und China garantiert. Bremmer sieht vor allem in einem möglichen Fehlschlag der Reformpolitik Xis und einem Ausschlag des nationalistischen Pendels in China ein Risiko für die bilateralen Beziehungen.

Die Territorialstreitigkeiten im Süd- und Ostchinesischen Meer sind weiterhin ein nicht zu unterschätzender Krisenherd. Dort habe Peking zwar mehr Spielraum, da Washington zurzeit von anderen Krisen etwa im Nahen Osten in Beschlag genommen sei, aber Bremmer glaubt nicht, dass China diese Gelegenheit nutzen werde. "China hat sich an dieser Front in der Vergangenheit verkalkuliert. Zu Anfang der ersten Amtszeit von US-Präsident Obama hatte Chinas Vorgehen in der Region zur Folge, dass viele Länder ihre Beziehungen zu den USA erweitert und vertieft haben, was sicher nicht im Interesse Chinas war."

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