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Fokus Osteuropa

Chancen für deutsche Unternehmen in der Ukraine?

Deutsche Unternehmen wollen in der Ukraine investieren. Es herrscht aber noch Unsicherheit und Abwarten. Die Gründe wurden auf der 10. Berliner Finanzierungskonferenz des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft erörtert.

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Wie entwickelt sich die Wirtschaftspolitik unter der Regierung Tymoschenko?

Zahlreiche Geschäftsleute besuchten am 15. Juni die 10. Berliner Finanzierungskonferenz, die vom Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft veranstaltet wurde. In deren Rahmen fand das Zentrale Panel „Wirtschaftsboom und ‚orange Revolution‘ in der Ukraine: Chancen für deutsche Unternehmen?“ statt. Die meisten Teilnehmer kamen, um den Ersten Vizepremier der Ukraine, Anatolij Kinach, zu befragen, dessen Teilnahme an der Veranstaltung angekündigt war. Kinach kam aber nicht nach Berlin, wegen der Vorbereitung des für den 16. Juni angesetzten Investitionsforums in Kiew - des sogenannten „Mini-Davos“.

„Wirtschaftspolitischer Weg nicht erkennbar“

Potentielle deutsche Investoren sind vor allem über die Reprivatisierungs-Diskussion in der Ukraine besorgt. Oliver Wieck, Geschäftsführer des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft, unterstrich gegenüber der Deutschen Welle, dass die Wiederverstaatlichung einer Reihe privatisierter Unternehmen die Interessen deutscher Geschäftsleute zwar nicht berühre, aber sie nicht dazu ermuntere, in der Ukraine tätig zu werden.

Wieck sagte ferner: „Ich denke, die größte Frage wird sein: Wohin soll die Reise gehen? Es ist im Moment nicht erkennbar, welchen genauen wirtschaftspolitischen Weg die Regierung unter Premierministerin Tymoschenko einschlagen wird. Es gibt widersprüchliche Meldungen aus verschiedenen Bereichen. Es gibt auch Maßnahmen, die zunächst zu einer Zurückhaltung geführt haben, weil die neue Regierung sich erst einarbeiten musste und weil die neue Regierung auch einige Gesetze, die in der Vergangenheit erlassen worden sind, wieder zurückgenommen hat. Das hat sicherlich vorübergehend zu einer gewissen Unsicherheit geführt und zu einem gewissen Abwarten. Sehr schade, dass keine Vertreter der ukrainischen Regierung hier sind. Die Diskussion und die Fragen haben deutlich gezeigt, dass man großes Interesse daran hat, eine Einschätzung zu bekommen.“

„Die Deutschen brauchen Klarheit“

Zu Fragen deutscher Geschäftsleute nahmen unter anderem Vertreter der ukrainischen Ukreximbank Stellung. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bank, Mykola Udowytschenko, sagte, die Deutschen bräuchten Klarheit: „Sie müssen verstehen, dass diese Klarheit in unserem Staat besteht. Mit dem Bewusstsein, dass wir uns in Richtung EU bewegen, wird die Ukraine in nächster Zeit umfassende Reformen durchführen, die ein sehr freundliches Investitionsklima im Lande schaffen werden.“ Udowytschenko betonte, nur dann würden die direkten Investitionen, die heute nur 700 Millionen Dollar erreichten, um ein Vielfaches steigen.

„Interesse an Ukraine stark gestiegen“

Peter O. Kölle, der bei der HypoVereinsbank für die GUS-Staaten zuständig ist, stellte fest, das Interesse der deutschen Geschäftswelt an der Ukraine sei groß: „Das Interesse an Geschäften in der Ukraine oder mit der Ukraine und an Investitionen in der Ukraine ist ganz stark gestiegen. Jeder Leiter von Osteuropageschäften wird von seinem Vorgesetzen gepuscht und gefragt, was machen wir eigentlich in der Ukraine? Durch die ‚orange Revolution‘ ist die Ukraine auf einmal in den Mittelpunkt gerückt und die Deutschen haben zum ersten Mal gemerkt, dass Kiew näher ist an München als zum Beispiel Athen. Sie haben früher gemeint, die Ukraine wäre irgendwo in Zentralasien. Jetzt wissen sie, wo das ist.“

Natalija Fiebrig, Berlin

DW-RADIO/Ukrainisch, 15.6.2005, Fokus Ost-Südost

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