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Wirtschaft

Chancen für Ökostrom in Osteuropa

Die Katastrophe von Tschernobyl hat sie am meisten betroffen: Jetzt setzen die Ukraine und Belarus auf den Ausbau der erneuerbaren Energien. Einen Atomausstieg bedeutet dies aber nicht - ganz im Gegenteil.

Sonnenblume, Solarenergie im Hintergrund (Foto: Fotolia/Franz Metelec

In der Ukraine und in Belarus fließt nun der Bio-Strom

In Belarus (Weißrussland) und der Ukraine bemühen sich die Regierungen um ein gutes Klima – für die Umwelt, aber auch für ausländische Investoren. Dahinter steht nicht nur der ökologische Gedanke, sondern auch die Angst vor den steigenden Preisen für Gas und Öl aus Russland.

Noch ist der Anteil der grünen Quellen in der Energieversorgung in Belarus und der Ukraine gering: Er beträgt nach Angaben der Experten jeweils sieben beziehungsweise drei Prozent. Doch die ersten ausländischen Investoren zieht es bereits in die osteuropäischen Länder – darunter auch viele deutschen Unternehmen.

Rückenwind für Öko-Strom in Belarus

Seit zehn Jahren drehen sich zwei Windräder in der malerischen Gegend um den See Narotsch in der Mitte von Belarus. Sie erzeugen Strom für 700 Haushalte. Die Windanlagen wurden von deutschen Firmen hergestellt. Die Spenden für das Projekt hat der Verein "Heim-statt Tschernobyl" gesammelt. Mit dem Bau der Windanlagen in Belarus wollten seine Mitglieder ein sichtbares Zeichen für die erneuerbaren Energien setzen – in dem Land, das durch die enge Nachbarschaft zu der Ukraine am meisten von der Tschernobyl-Katastrophe betroffen wurde.

Windanlagen auf dem Feld. Foto: DW-TV

80 Windräder sollen bald nahe Minsk enstehen

Nun will eine deutsche Windkraft-Firma, die bereits in Polen und Bulgarien aktiv ist, auch in Belarus Profit mit Windkraft machen. Das brandenburgische Unternehmen Enertrag baut im Gebiet Minsk zwei Windparks mit bis zu 80 Windrädern und einer Gesamtleistung von 160 Megawatt. Der Umfang der Investitionen beträgt 320 Millionen Euro. "Momentan machen wir eine Umweltverträglichkeitsprüfung und Windmessungen, 2012 sollen die Baumaßnahmen beginnen", sagt der Enertrag-Vorstand Werner Diwald. Das neue belarussische Erneuerbare-Energien-Gesetz garantiert der deutschen Firma die Abnahme und den Preis von 11,3 Cent für die Kilowatt-Stunde für die nächsten 20 Jahre. Nicht nur Gewinn sei Diwald wichtig, sondern auch "die Bemühungen um die Klima-Situation von unserer Haustür".

Zurzeit gibt es etwa 15 Windanlagen in Belarus. "Bald wird eine weitere deutsche Firma einen kleinen Windpark errichten", sagt der Geschäftsführer des belarussischen Verbands "Regenerative Energien", Wladimir Nistjuk. Windkraft sei eben die effektivste Form für das Land. Doch Belarus will saubere Energien aus vielen Quellen schöpfen: aus Holz, Erdwärme, Wasser sowie dem industriellen und landeswirtschaftlichen Müll. Schließlich hat sich die Regierung ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: 25 Prozent der Energieversorgung sollen 2025 die erneuerbaren Quellen abdecken.

Platz an der ukrainischen Sonne

Karte von der Krim. Bild: DW

Auf der Krim am Schwarzmeer gibt es viel Wasser und Sonne

Sonne, Wasser und Wind gibt es auch im Nachbarland, der Ukraine, genug. Das Potential für die Gewinnung der erneuerbaren Energien ist groß. "Jedoch ist hierzulande der Anteil der Wind- und Solarkraft noch verschwindend gering", sagt der Vorstand des "Verbands für die Teilnehmer des Marktes für alternative Brennstoffe und Energien", Witalij Dawij. Damit sich das ändert, hat die ukrainische Regierung 2009 einen "grünen Tarif" eingeführt, der über dem Preis für konventionell erzeugten Strom liegt. Besonders attraktiv ist der Tarif für die aus den Solaranlagen gewonnene Energie – bis zu 60 Cent soll die Kilowattstunde für den Erzeuger bringen.

Die Bemühungen der Regierung und der Lobby tragen Früchte. Ende 2010 wurde das erste ukrainische Solarkraftwerk auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim in Betrieb genommen, das von der österreichischen Firma Activ Solar errichtet wurde. "Bald soll ein weiteres Solar-Projekt in Odessa starten", sagt Dawij. Auch Windparks seien auf der Krim und im Gebiet Donezk in Planung.

Trotz günstiger Bedingungen verhalten sich die Auslandsinvestoren in der Ukraine noch relativ zurückhaltend, meint Dawij. "Probleme wie Korruption und fehlende Investitionssicherheit schrecken die westlichen Firmen ab", sagt Dawij. Doch er ist zuversichtlich: Bald könnten die ausländischen Öko-Investoren in der Ukraine Schlange stehen.

Kein Verzicht auf Kernkraft

Verlassenes Gebäude vom AKW in Tschernobyl

Das AKW Tschernobyl liegt in der Ukraine an der Grenze zu Belarus

Der Ausbau der erneuerbaren Energien bedeutet in den beiden Ländern aber nicht eine Alternative zur Kernkraft. Die Öko-Energien werden als Ausweg aus der Abhängigkeit von den fossilen Ressourcen aus Russland gesehen. "Vor fünf Jahren hat Belarus russisches Erdgas für 45 Dollar für Tausend Kubikmeter gekauft, heute zahlen wir 230 Euro dafür", sagt Wladimir Nistjuk.

Mehr als 50 Prozent des Stroms kommen in der Ukraine aus den eigenen Atomkraftwerken. In Belarus gibt es dagegen kein AKW – noch nicht. Aber bald soll das erste belarussische Kernkraftwerk an der Grenze zu Litauen errichtet werden. Die Regierung argumentiert: Im Kampf um die Energieunabhängigkeit seien alle Mittel recht - vor allem, wenn es um die Unabhängigkeit vom russischen Gas und Öl geht. Doch für den Bau des AKWs hat die Minsker Regierung ausgerechnet Russland beauftragt.

Autorin: Olga Kapustina
Redaktion: Klaus Ulrich

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