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Politik

Chávez will die Kritiker der USA für sich gewinnen

Venezuelas Präsident Hugo Chávez ist auf Reisen: Nach seinem Staatsbesuch in China, fliegt er weiter nach Malaysia und Angola - auf der Suche nach Verbündeten für eine zweifelhafte Allianz.

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"Du bist ein Esel", meint Chávez über seinen Erz-Feind George W. Bush

Die Musik passt nicht recht zum Szenario: Mit knallrotem Hemd läuft Hugo Chávez aus der Ferne auf den Zuschauer zu. Um ihn herum nichts als Steppe. - Schnitt. - Vor einem Zaun aus Stacheldraht ist nun die achtköpfige Volksmusik-Gruppe zu sehen. Die Männer mit weißen Cowboy-Hüten spielen auf kleinen Gitarren. Eine Herde Kühe mit kantigen Beckenknochen erscheint im Hintergrund. - Wieder Schnitt. - Venezuelas Präsident singt mit.

Sonntags läuft in Venezuela "Aló Presidente" - "Hallo Präsident". Das ist Hugo Chavez' eigene Fernseh-Show, in der er sich ans venezolanische Volk wendet und dabei vor allem sich selbst inszeniert. Sechs Stunden nimmt er sich Zeit dafür. Er singt nicht nur, sondern spricht auch ein paar deutliche Worte über seinen Erz-Feind George W. Bush: "Um es dir in meinem schlechten Englisch zu sagen, meinem "bad english": You are a donkey Mister Danger! Du bist ein Esel! Come here, Mr. Danger! Feigling, Mörder, Völkermörder. You are the last. Du bist das Schlimmste, was dieser Planet je gesehen hat. Das Schlimmste trägt einen Namen und heißt: George W. Bush."

Gemeinsamkeiten der Gastgeber

Diesen Sonntag (27.8.) wird "Aló Presidente" allerdings entfallen. Denn Chávez ist unterwegs: Er gibt sich nicht mehr damit zufrieden, die lateinamerikanische Integration unter seiner Führung voranzubringen. Chávez sucht weiter reichende Allianzen, denn er will auf der weltpolitischen Bühne mitspielen. Dafür trifft er auf seiner zweiten großen Reise innerhalb kurzer Zeit wieder Staatsmänner, die weder demokratische Grundsätze noch Menschenrechte achten. Die Länder, die er bereist, könnten unterschiedlicher nicht sein: vor einigen Wochen waren es Weißrussland, Russland, Iran, Vietnam, Katar und Mali. Nun kommen China, Malaysia und Angola hinzu. Es gebe jedoch eine Gemeinsamkeit dieser Länder, sagt Anja Dargatz von der Friedrich-Ebert-Stiftung: "Auffällig ist die Distanz der meisten Länder zu den USA. Das ist sicherlich ein verbindendes Element, was den Zugang und die ersten Gespräche erleichtert und weswegen Hugo Chávez sich diese Länder ausgesucht hat."

Die tiefe Abneigung gegenüber Bush verbindet Chávez vor allem mit Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad und dem weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko. Das gemeinsame Feindbild USA öffne aber vor allem Türen für weitere Ziele, sagt Anja Dargatz. Diese seien wirtschaftlicher Natur: "Erstmal braucht er Absatzmärkte für seine Ressourcen. Hugo Chavez würde diese Länder nicht bereisen, wenn sie nicht auch wirtschaftlich für ihn interessant wären. Seine ganze Politik basiert auf dem Ressourcen-Reichtum."

Ölförderung in Venezuela

Venezolanisches Ölfeld in Cabimas

Abhängig vom Kunden

Noch immer ist Venezuela vom Öl abhängig. 2005 kamen fast 90 Prozent der Export-Einnahmen aus dem Öl-Handel. Abnehmer findet Venezuela in erster Linie in Lateinamerika und auch beim Erzfeind in den USA. Sie sind nach wie vor wichtigster Absatzmarkt für venezolanisches Rohöl, sehr zum Leidwesen von Hugo Chávez.

Die hohen Ölpreise machen jedoch den Öl-Transport in ferne Länder rentabler. China könnte mehr Öl abnehmen als bisher und der Abhängigkeit vom US-Absatzmarkt etwas entgegenwirken. Um ein Viertel will Venezuela die Öl-Lieferung aufstocken, auf 200.000 Barrel pro Tag. Zum Vergleich: In die USA liefert das Andenland noch sieben Mal so viel.

Lesen Sie weiter: Warum Chávez für eine Milliarde Euro Waffen kauft und wie er in den UNO-Sicherheitsrat gelangen will.

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