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Amerika

Cervantes-Preis für José Emilio Pacheco

Der Todestag des Dichters Cervantes ist der Internationale Tag des Buches, an dem traditionell auch der gleichnamige Preis für spanischsprachige Literatur verliehen wird. In diesem Jahr geht er an den Mexikaner Pacheco.

José Emilio Pacheco, Foto: dpa

'Schreiben als Widerstand' - José Emilio Pacheco

Der mexikanische Dichter José Emilio Pacheco bekam an diesem Freitag (23.04.2010) den diesjährigen Cervantes-Preis verliehen, die höchste literarische Auszeichnung der spanischsprachigen Welt. Der 70-jährige Dichter und Romanautor beleuchte mit "Tiefe und einer Freiheit im Denken" das alltägliche Leben, erklärte Jury-Präsident José Antonio Pascual. Zudem stelle Pacheco in seinen Werken nicht nur einen "makellosen Sprachgebrauch" unter Beweis, sondern auch eine "große Fähigkeit, seine eigene Welt zu schaffen".

Skulpturen der Cervantes-Romanfiguren Don Quijote und Sancho Panza vor dem Torre de Madrid, Foto: dpa

Cervantes-Preis: Dem Erschaffer von Don Quijote zu Ehren

Der Cervantes-Preis wird jedes Jahr am Todestag des spanischen Dichters Cervantes Saavedra (23.04.1616) verliehen, dem Autor des "Don Quijote". Die Kandidaten werden von den nationalen Sprachakademien der spanischsprachigen Länder (Academias de la Lengua de los países de habla hispana) nominiert; vergeben wird der Preis vom spanischen Ministerium für Kultur. Mit 90.000 Euro Preisgeld ist er die renommierteste Auszeichnung für spanischsprachige Literatur und wird nach einem ungeschriebenen Gesetz abwechselnd an einen spanischen und einen lateinamerikanischen Autor verliehen.

Wenig Beachtung in Deutschland

José Emilio Pacheco, 1939 in Veracruz geboren, aber schon als Jugendlicher mit der Familie nach Mexiko-Stadt übersiedelt, schrieb bereits als Schüler Artikel für Zeitschriften und Zeitungen. Auf Wunsch seines Vaters studierte er zunächst Jura, wechselte dann jedoch zur Philologie. Als Student arbeitete er als Kritiker, Herausgeber und Kolumnist für mexikanische Kultur- und Literaturzeitschriften sowie für die Feuilletons bekannter mexikanischer Zeitungen. Seinen ersten Gedichtband veröffentlichte Pacheco 1958; bisher sind insgesamt zwölf erschienen.

In Deutschland nahm man von Pacheco erst durch die Übersetzungen seiner Werke Notiz, vor allem ab 1992, als Mexiko Gastland auf der Frankfurter Buchmesse war. Sein erster Roman "Morirás lejos", den Pacheco 1967 publizierte und der erst 25 Jahre später auf Deutsch unter dem Titel "Der Tod in der Ferne" erschien, beschäftigte sich mit dem Holocaust und der Vertreibung der spanischen Juden nach der Reconquista 1492. Weitere Werke auf Deutsch waren die Gedichte-Sammlung "Rückkehr zu Sisyphos" und die Erzählungen "Kämpfe in der Wüste". Die Frankfurter Allgemeine Zeitung beschrieb Pacheco 2004 als "Naturlyriker", dessen Gedichte jedoch vom Menschen handelten, dem "seiner Natur nach jedoch noch immer sprachlosen Tier". Die Sprachlosigkeit des Menschen wolle Pacheco wieder ins Blickfeld rücken. Er selbst hält das Schreiben von Gedichten für "eine Art, Widerstand gegen die Barbarei zu leisten", wie er selber sagte.

Der Dichter Jos Emilio Pacheco (r.) Spaniens Kulturministerin Angeles Gonzalez-Sinde in Madrid, Foto: ap

"Ich bin nicht einmal der beste Dichter in meinem Stadtviertel!" - Pacheco gibt sich in Madrid bescheiden.



Schreiben als Widerstand

Der Mexikaner hat für seine poetischen Werke zahlreiche Auszeichnungen erhalten und gilt als der bedeutendste lebende Dichter seines Landes. Als Pacheco kürzlich in Madrid den Königin-Sofía-Preis für iberoamerikanische Poesie erhielt, wies er allerdings die Einstufung als bester Dichter in Mexiko mit einer humorvollen Bemerkung zurück: "Ich bin nicht einmal der beste Dichter in meinem Stadtviertel, denn in meiner Nachbarschaft wohnt Juan Gelman." Gelman ist einer der wichtigsten argentinischen Poeten. Der in Mexiko-Stadt lebende Poet hatte den Cervantes-Preis vor zwei Jahren erhalten.

Autorin: Ina Rottscheidt
Redaktion: Oliver Pieper



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