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Wirtschaft

CeBIT im Zeichen der digitalen Wirtschaft

Die neuesten Smartphones sind auf der CeBIT eher Nebendarsteller. Worum es vielmehr geht, ist Vernetzung der Dinge - ob in der Industrie oder für den Alltag. Eine Hauptrolle in Hannover spielt China.

Sie war mal die größte Computermesse der Welt - die CeBIT in Hannover. Doch so rasant, wie sich Wirtschaft und Gesellschaft durch die Digitalisierung wandeln, so muss sich auch eine solche Messe verändern. In Sachen Smartphones und Tablets hat der Mobile World Congress (MWC) in Barcelona den Hannoveranern die Schau gestohlen oder die Consumer Electronic Show CES in Las Vegas. Also setzt die CeBIT auf das Motto: Zurück zu den Wurzeln - eine Business-Messe will man sein, so wie Mitte der 1980er Jahre. Weniger bunt und laut, eher nüchtern und sachlich. Doch nicht weniger wichtig: Denn die Digitalisierung ist allgegenwärtig, sie greift nicht nur immer mehr in den Alltag der Menschen ein, sondern genauso in die Geschäftsmodelle der Unternehmen. Die Messemacher haben sich dafür das Motto "d!conomy" ausgedacht, eine Wortschöpfung aus "digital" und "economy".

Internet der Dinge zum Anfassen

"Das beschreibt eben genau den rasanten Einzug der Digitalisierung in alle wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereiche", sagt CeBIT-Chef Oliver Frese. "Bevor das 'Internet der Dinge' Realität wird, müssen Unternehmen Milliarden investieren in Telekommunikations-Infrastruktur, in Datenanalyse-Verfahren, in Auswertungs-Tools bis hin zu hochleistungsfähigen Rechenzentren." Und genau das werde auf der CeBIT gezeigt. "Das 'Internet der Dinge' wird hier quasi erlebbar und anfassbar."

Der Vorteil der CeBIT gegenüber anderen Messen sei, dass man hier die gesamte Bandbreite der Digitalisierung sichtbar mache und nicht nur einzelne Produkte in den Vordergrund stelle. Offenbar scheint das neue Konzept zu greifen: 3300 Aussteller aus 70 Ländern sind gekommen, darunter viele große Namen der IT-Branche: Ob Samsung, Vodafone, Deutsche Telekom, Huawei, HewlettPackard, Intel, aber auch Dropbox und Xiaomi. Xiaomi? Kennt in Deutschland kaum ein Mensch, ist nach deutschen Maßstäben noch ein Startup: Vor fünf Jahren gegründet, ist das Unternehmen heute in China Marktführer mit seinen Smartphones. Überhaupt spielt China in diesem Jahr in Hannover eine Hauptrolle, es ist das Partnerland der Messe. Jeder fünfte Aussteller der CeBIT kommt von dort.

Messestand Microsoft auf der CeBIT 2015 (Foto: Reuters/Morris Mac Matzen)

In Sachen Smartphones und Tablets haben andere Messen den Hannoveranern die Schau gestohlen

Verschiebung Richtung Osten

"China ist das stärkste Partnerland, das die CeBIT jemals hatte mit über 600 Unternehmen aus dem Reich der Mitte," sagt Messe-Chef Frese. "China hat sich entwickelt von der reinen Werkbank hin zu einem globalen Anbieter von Lösungen für die digitale Welt." Unternehmen wie Huawei und ZTE seien heute schon Qualitätsführer bei Ausrüstung von Netzwerken beispielsweise in Europa. Frese: "Wir erleben ganz klar eine Verschiebung der IT-Landkarte in Richtung Osten."

Was bleibt angesichts solch einer rasanten Entwicklung da noch für Deutschlands IT-Branche? Nur die Rolle des staunenden Zuschauers? Nein, sagt Dieter Kempf, Präsident des Branchenverbandes Bitkom. Nach einer aktuellen Umfrage des Verbandes sehen 86 Prozent der von Bitkom befragten 500 Unternehmen die Digitalisierung eher als Chance denn als Risiko. Die Zahl der Arbeitsplätze in der Branche steige kontinuierlich an. Kempf erwartet auf der CeBIT "ganz viele konkrete Produkte, sowohl im Industriebereich und bei den Dienstleistungen, aber auch für den privaten Bereich, wo durch die Digitalisierung einfach neue Lösungsangebote entstehen, wo neue Technologien Verwendung finden." Die Analyse großer Datenmengen (Big Data Analytics) sei so ein Beispiel. "Aber auch das Zusammenspiel von klassischen IT-Systemen mit produktionsnahen IT-Systemen wie Sensorik und Informationsverarbeitung - da werden wir ganz viele Beispiele sehen."

Anpassen oder Untergehen

So ist die CeBIT nicht nur ein Treffpunkt für große IT-Unternehmen, sondern auch ein Platz für Startups und Mittelständler. Der Mittelstand ist bekanntlich das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, hat aber in Sachen Digitalisierung oft einen großen Nachholbedarf. Und die Startup-Szene in Deutschland ist trotz aller Bemühungen vor allem im IT-Bereich noch weit entfernt von dem, was man zum Beispiel aus dem Silicon Valley kennt. Doch die Frage - da ist man sich in Hannover einig - sei nicht, ob ein Unternehmen sein Geschäftsmodell anpassen oder neu ausrichten müsse, sondern nur: Wann?

Bitkom-Chef Kempf beschreibt das mit einem Schreinermeister, der denkt, der Schreinermeister von nebenan sei sein größter Konkurrent. "Und ich sage, es könnte sein, das er da irrt. Es könnte sein, dass der Print-Shop nebenan in fünf, sieben Jahren mit einem 3-D-Drucker Möbel herstellen kann. Vielleicht keine Holzmöbel, aber Kunststoff- oder Metallmöbel sehr wohl."

So verwundert es nicht, wenn in der schon erwähnten Umfrage des Verbandes jedes fünfte Unternehmen sagt, die Digitalisierung gefährde seine Existenz. Man kann es aber auch positiv sehen: Denn es bleiben ja die anderen 80 Prozent, die hoffen, von der digitalen Zukunft zu profitieren.