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CDU

CDU-Politiker Heiner Geißler gestorben

Heiner Geißler, langjähriger Generalsekretär der CDU, Stuttgart-21-Schlichter und Attac-Unterstützer, ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Politiker von Union, SPD und Grünen würdigten ihn als Querdenker.

Der frühere Bundesminister und CDU-Generalsekretär Heiner Geißler ist tot. Er starb im Alter von 87 Jahren, wie sein Sohn Dominik bestätigte. Zuerst hatte die "Süddeutsche Zeitung" über Geißlers Tod berichtet. Politiker von Union, SPD und Grünen drückten ihre Hochachtung für die Lebensleistung des Rheinland-Pfälzers aus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte ihn als einen der "markantesten Köpfe der Christdemokraten" gewürdigt. Geißler sei "intellektuell herausragend, rhetorisch brillant, streitbar und selbstbewusst" gewesen, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Merkel und CDU-Generalsekretär Peter Tauber. Er habe "die Politik der Bundesrepublik Deutschland und der CDU fast ein halbes Jahrhundert hinweg entscheidend mitgeprägt".

"Sein Vermächtnis bleibt"

Kanzleramtschef Peter Altmaier schrieb auf Twitter, Geißler habe die CDU geprägt: "Soziale und ökologische Verantwortung, Menschlichkeit. Ich bin tief erschüttert. Sein Vermächtnis bleibt." 

Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner nannte Geißler einen großen Rheinland-Pfälzer, streitbar und klug. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) twitterte: "Intellektuell brillant, Politik aus Grundsätzen gestaltend und scharf in der Debatte - das war Heiner Geißler. Er war einer unserer Besten." 

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann teilte mit, Deutschland verliere mit Geißler einen großen Demokraten und "streitbaren Politiker, der es keinem leicht gemacht hat. Seine Stimme wird fehlen." Der Grünen-Politiker Omid Nouripour erklärte: "Ein Mann der Werte und der Haltung ist von uns gegangen." 

Während Geißler in seiner Zeit als Generalsekretär und als Minister unter Helmut Kohl (CDU) politischer Lieblingsgegner der Opposition war, wandelte er sich im Alter und bezog zunehmend linke Positionen. 

Das Abitur hatte der in Oberndorf am Neckar geborene Katholik am Jesuiten-Kolleg Sankt Blasien im Schwarzwald abgelegt. Anschließend trat er dem Jesuitenorden für vier Jahre bei. In der CDU war Geißler zunächst Landesvorsitzender der Jungen Union in Baden-Württemberg, 1965 bis 1967 Sozialminister in Rheinland-Pfalz und zu Beginn der Regierung Kohl drei Jahre Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit. Dem Bundestag gehörte er von 1980 bis 2002 an.

Audioslideshow Helmut Kohl Bundesparteitag CDU 1989 (picture alliance/Martin Athenstädt)

Geißler 1989 mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (M.)

Prägekraft als Vordenker und Modernisierer der Union entwickelte Geißler als Generalsekretär zwischen 1977 und 1989. Unterschiedliche Auffassungen über die Rolle der Partei führten seit Mitte der 1980er Jahre zu Konflikten und schließlich zum Bruch mit dem Kanzler und Parteivorsitzenden Kohl. 1989 musste Geißler als Generalsekretär zurücktreten.

Mahner gegen Kleingeisterei

Auch nach seiner parteipolitischen Laufbahn blieb Geißler ein Mahner, der die CDU wiederholt vor "Kleingeisterei" warnte. Wirtschaftspolitisch entfernte er sich zunehmend von seiner Partei und trat auch der globalisierungskritischen Vereinigung Attac bei. Bis zuletzt äußerte er sich zu aktuellen politischen Themen. So kritisierte er etwa noch im März die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Klöckner, weil diese Reformen an den Hartz-Gesetzen abgelehnt hatte. 

Geißler im Jahr 2010 mit Stuttgart-21-Aktivisten (Getty Images)

Geißler im Jahr 2010 mit Stuttgart-21-Aktivisten

Seine letzte ganz große Mission hatte Geißler, als er im Alter von 80 Jahren 2010 den Konflikt um das Bahnprojekt Stuttgart 21 schlichtete. Sein Schlichterspruch ebnete den Weg zur Umsetzung des Bahnprojekts, bezog aber viele Anregungen der Kritiker ein. 

In der Debatte um den US-amerikanischen Whistleblower Edward Snowden plädierte Geißler dafür, "ihm zu helfen" und Asyl anzubieten. 2017 veröffentlichte Geißler ein Buch, in dem er sich mit religiösen Themen und der Frage eines Lebens nach dem Tod auseinandersetzte. Dabei verlange er von den Kirchen, "ehrlich zu sein und zu sagen: Wir wissen nicht, ob es ein Leben nach dem Tod gibt, aber wir hoffen darauf, und wer nicht an Gott glauben kann, ist kein Sünder".

Nach eigenem Bekunden war Geißler im Alter mehr ein Zweifler als ein Glaubender. Ob Gott existiere, so Geißler, wisse kein Mensch, "das weiß auch der Papst nicht". Zugleich betonte er: "Ich glaube an das Evangelium und an Jesus." Geißler war verheiratet und hatte drei Kinder.

stu/AR (dpa, kna)