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Politik & Gesellschaft

CDU-Kandidat tritt wegen Liebesaffäre zurück

Eine Affäre und ein Rücktritt: Wegen der Beziehung zu einer damals 16-Jährigen hat der Spitzenkandidat der CDU in Schleswig-Holstein, Christian von Boetticher, seinen Rücktritt erklärt. Neun Monate vor der Landtagswahl.

Christian von Boetticher (Archivfoto: dpa)

Ende einer Parteikarriere: Christian von Boetticher

Seinen Rückzug erklärte der 40-Jährige am Sonntagabend (14.08.2011) nach einer CDU-Vorstandssitzung in Kiel. Er legt auch sein Amt als Landesvorsitzender der Nord-CDU nieder. Von Boetticher zog damit auf massiven Druck aus der Partei die Konsequenz aus einem inzwischen beendeten Liebesverhältnis: Der seinerzeit unverheiratete Politiker hatte Anfang 2010 eine Beziehung zu einer damals 16-Jährigen.

"Der Kandidat und das Mädchen"

Die "Bild am Sonntag" hatte die Affäre an diesem Wochenende öffentlich gemacht. "Der Kandidat und das Mädchen", titelte das Blatt - und von dem Moment an war klar, dass von Boetticher Konsequenzen ziehen musste. Dann ging an diesem Sonntag alles ganz schnell.

Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (Foto: dapd)

Nicht amüsiert: Ministerpräsident Peter Harry Carstensen

Das Verhältnis des Politikers zu dem jungen Mädchen ist rechtlich zulässig, löste in der Nord-CDU aber trotzdem Unmut und Unverständnis aus. Ministerpräsident Peter Harry Carstensen erklärte, der Vorgang habe mehr als eine nur rechtliche Dimension. Carstensen äußerte auch die Erwartung, dass von Boetticher "die richtigen Schlüsse daraus zieht". Es lägen "keine Rechtsverstöße vor", sagte ein persönlicher Berater von Boettichers der Deutschen Presse-Agentur. Es könne allenfalls um moralische oder politische Beurteilungen gehen. Im Frühjahr 2010 - also weit vor seiner Kür zum Spitzenkandidaten - habe von Boetticher die Beziehung beendet.

Für die gemeinsam mit der FDP in Kiel regierende Nord-CDU ist die Entwicklung ein Dreivierteljahr vor der Wahl ein harter Schlag. Zwar gab es parteiintern immer wieder auch Kritik an von Boettichers Führungsstil, aber mit seiner Kür zum Spitzenkandidaten Anfang Mai schien für ihn alles klar zu sein. Der 64-jährige Carstensen hatte zuvor auf eine weitere Bewerbung verzichtet. Von Boetticher sollte am 4. November in Lübeck als Spitzenkandidat offiziell bestätigt werden.

Der geschäftsführende Landesvorstand der CDU Schleswig-Holstein nahm die Entscheidung in einer Erklärung "mit Respekt zur Kenntnis". Von Boetticher habe "deutlich gemacht, dass er die moralische Komponente falsch eingeschätzt hat. Dafür hat er sich öffentlich entschuldigt und daraus mit seinem heutigen Rücktritt vom Amt des Landesvorsitzenden und dem Verzicht auf die Spitzenkandidatur die Konsequenzen gezogen", hieß es. Über die weiteren Schritte werde der erweiterte Landesvorstand in seiner nächsten Sitzung am Dienstag (16.08.2011) entscheiden.

Der Landtag von Schleswig-Holstein

In neun Monaten wird neu gewählt: Blick in den Landtag von Schleswig-Holstein

Einflussreiche Christdemokraten sahen Agenturberichten zufolge in von Boetticher nie den aussichtsreichsten CDU-Kandidaten für die Landtagswahl. Vor dem Votum für ihn war vor allem Wirtschaftsminister Jost de Jager (46) im Gespräch als möglicher Alternativkandidat, aber auch Landtagspräsident Torsten Geerdts (48).

Eine Umfrage im Mai sah die CDU noch knapp vor der SPD, die mit dem Kieler Oberbürgermeister Torsten Albig als Spitzenkandidat die Wahl ansteuert. Albig setzt auf ein Bündnis mit den Grünen, wofür die Chancen nach derzeitigem Stand gut stehen. Aus dem Skandal um seinen Konkurrenten will Albig keinen politischen Vorteil ziehen. "Mir steht es nicht zu, das Privatleben von Herrn Boetticher zu beurteilen", sagte er dem 'Handelsblatt'. "Uns als SPD geht es darum, die nächste Landtagswahl zu gewinnen. Wir gewinnen, wenn wir uns gut aufstellen."

Autor: Marko Langer (dpa, rtr, AFP)
Redaktion: Christian Walz