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Afrika

Castros Kämpfe in Afrika

Mit dem Tod Fidel Castros verlieren afrikanische Freiheitskämpfer einen engen Vertrauten. Castro hatte den halben Kontinent mit Ärzten und Lehrern versorgt. In Afrika wird er besonders für seine Militäreinsätze verehrt.

Kubanische Soldaten in Angola (AP)

Waffenübung kubanischer Soldaten in Angola im Februar 1976

"Manchmal gibt es auf der Welt solche Menschen - und wenn sie uns verlassen, dann hinterlassen sie eine Lücke, Leere und Sehnsucht", sagt der angolanische MPLA-Generalsekretär Julião Mateus Paulo nach dem Tod von Fidel Castro. Für einige sei der kubanische Revolutionsführer ein Diktator gewesen - nicht aber für die Angolaner. Die Trauer des angolanischen Politikers überrascht wenig: Als 1975 mit der Unabhängigkeit von Portugal Machtkämpfe entbrannten,  half Kuba der MPLA im Kampf gegen die UNITA. Die wiederum wurde von den USA und Südafrikas Apartheidregime unterstützt. Die Kämpfe gipfelten 1988 in der Schlacht von Cuito Cuanavale im südlichen Angola - die UNITA unterlag. Damit war auch das Ende der Apartheid eingeläutet. 1990 wurde Namibia von Südafrika unabhängig, 1994 gewann der ANC unter der Führung von Nelson Mandela die ersten freien Wahlen in Südafrika.

Angola Kuba Soldaten Cuito Cuanavale Schlacht 1988 (picture-alliance/dpa)

Die Schlacht in Cuito Cuanavale wurde 1988 auch mit kubanischer Hilfe entschieden

Sympathie für den Einsatz

Während die Sowjetunion in Angola Waffen bereitstellte, schickte Kuba Soldaten: Rund 56.000 der 400.000 Soldaten, die Kuba an Austragungsorte des Kalten Krieges schickte, waren in Angola im Einsatz. Mehr als 2000 kubanische Soldaten starben in Angola. Trotzdem stieß das militärische Engagement in Castros Heimat auf breite Unterstützung: "Die Leute hatten viel Sympathie für den Einsatz in Angola", sagt der kubanische Historiker Manuel Barcia. "Viele Kubaner wollten nach Angola gehen. Das wurde als Privileg angesehen", erinnert sich Barcia, der heute als Professor an der Universität von Leeds tätig ist. Kuba schickte nicht nur Soldaten nach Angola: Noch heute sind mehr als ein Drittel der Mitarbeiter im Gesundheitswesen Kubaner.

In Angola entbrannte der Krieg 1998 erneut mit voller Wucht  - nun ohne die Beteiligung Kubas. Erst 2002 kam das Land nach 27 Jahren Bürgerkrieg zur Ruhe.

Politisches Dilemma

Castro schickte 1977 auch Truppen nach Äthiopien: 15.000 Soldaten unterstützten den sozialistischen Diktator Mengistu Haile Mariam im Kampf gegen Somalia. Die Intervention Kubas zwang Somalia in der Auseinandersetzung um die Ogaden-Region in die Knie. Die zwischen Äthiopien und Somalia gelegene Region ging an Äthiopien. Mit dem Militäreinsatz in Äthiopien billigte Castro auch Mengistus Kampf gegen die Unabhängigkeit Eritreas. Castro, der eigentlich für den weltweiten Einsatz gegen anti-kolonialistische Bestrebungen stand, war in eine politische Zwickmühle geraten. Die Kubaner nahmen das kritiklos hin.

Äthiopien Derg-Monument in Addis Abeba (DW/J. Jeffrey)

Auch Äthiopiens sozialistisches Regime enthielt Unterstützung - ungeachtet jeder Kritik

"Wir wussten nicht Bescheid", sagt Manuel Barcia. "Informationen wurden gefiltert. Das hier ist ein klassischer Fall. Wenn Haile Mariam nach Kuba kam, wurde er wie ein Held empfangen." An Berichte über Gewalt in Äthiopien könne er sich nicht erinnern. "Als ich vor ein paar Jahren in Äthiopien war, habe ich mit Leuten darüber gesprochen und sie konnten nicht glauben, dass wir nichts darüber wussten." Das Verhältnis zwischen Äthiopien und Kuba kühlte sich später merklich ab. Als 1980 viele Länder gegen UN-Sanktionen gegen Kuba stimmten, enthielt sich Äthiopien, sagt Yonas Ashine, Politikwissenschaftler an der Universität von Addis Abeba. "Später haben beide Länder versucht, ihre Beziehung wieder aufzupolieren, aber die ideologische Beziehung ist heute nicht mehr so stark wie früher."

Freundschaft und Export der Revolution

Angola und Äthiopien waren die beiden Hauptschauplätze für Kubas militärisches Eingreifen in Afrika, aber die Liste der Länder, in denen sich Kuba darüber hinaus mit Soldaten engagierte, ist lang: Algerien, Äquatorialguinea, Guinea, Guinea-Bissau, Sierra Leone und Libyen. Insgesamt starben rund 4300 Kubaner bei Einsätzen in Afrika - Experten gehen von einer weit höheren Zahl aus. Castros Engagement beruhe auf einer Mischung aus Freundschaft oder Kameradschaft auf der einen Seite und einer großen Chance auf der anderen Seite, erklärt Barcia. Die Umbrüche in Afrika seien eine gute Gelegenheit für Castro gewesen, die kubanische Revolution zu exportieren.

Ex-Ebola-Patient Felix Baez Sarria Ankunft in Havana 06.12.2014 (picture-alliance/dpa/Yamil Lage/Pool)

Überlebte selbst eine Infektion: Felix Baez Sarria (rechts) - einer von vielen kubanischen Ebola-Helfern in Sierra Leone

Wie es mit Kubas Engagement in Afrika weitergehe? Schwer zu sagen, so Barcia. Heute bestehe die Verbindung überwiegend aus Geschäftsbeziehungen und der Entsendung von Ärzten und Lehrern. So schickte Kuba während der Ebola-Krise 300 Ärzte und Krankenschwestern nach Westafrika. "Es gibt offensichtlich eine starke Verbindung, aber es ist unklar, welche Vorteile Kuba davon hat." Schritt für Schritt seien jetzt Strategieveränderungen in der Politik Kubas zu sehen, sagt Barcia. Da sei es enorm schwierig, Vorhersagen über die Politik seines Landes zu treffen.

Mitarbeit: Merga Bula

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