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Politik & Gesellschaft

Castor-Zug sorgt vor Ankunft für Proteste

Der Castor-Sonderzug aus Frankreich hat Deutschland erreicht. Zuvor kam es bereits zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Atomkraftgegnern am Zielort in Niedersachsen.

Atomkraftgegner protestieren gegen den Castor-Transport (Foto: dapd)

Nach einem langen Zwischenstopp von 24 Stunden im französischen Remilly, kurz vor der deutsch-französischen Grenze, hat der Castor-Zug am Freitag (25.11.2011) die Grenze nach Deutschland passiert, wie ein Team der Umweltorganisation Greenpeace vor Ort bestätigte. Ziel ist das Lager im niedersächsischen Gorleben.

Noch bevor der Atommüll-Sonderzug mit elf Behältern allerdings Deutschland erreicht hat, eskalierte bereits eine Demonstration von rund 800 Atomkraftgegnern im niedersächsischen Wendland. In Metzingen, etwa 30 Kilometer von Gorleben entfernt, kam es am Donnerstagabend zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Aktivisten und Polizei.

Unmut gegen gefährliches Transportgut

Ein Polizist rangelt am Donnerstag (24.11.11) in Metzingen mit einem Anti-Atomkraft-Demonstranten (Foto: dapd)

Polizisten gegen Aktivisten - am Ende gab es Verletzte auf beiden Seiten

Die Demonstranten hatten sich geweigert, eine Kreuzung auf der Bundesstraße 216 bei Metzingen zu räumen. Nach Angaben der Polizei sollen sie Steine, Farbbeutel und Böller in Richtung der Beamten geworfen und diese mit Pfefferspray attackiert haben. Die Polizisten setzten Wasserwerfer und Tränengas ein. Acht Beamte wurden offiziellen Angaben zufolge verletzt, die Atomkraftgegner sprachen ihrerseits von etwa 20 verletzen Demonstranten. Vier Aktivisten seien festgenommen worden, teilten die Behörden mit.

Am frühen Freitagmorgen hatte sich die Lage beruhigt. Atomkraftgegner kündigten allerdings weitere Protestaktionen entlang der Schienen an, um den Castor-Transport aufzuhalten.In acht Städten finden Mahnwachen statt. "44 Mal soviel Radioaktivität wie bislang durch die Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima im März dieses Jahres freigesetzt wurde, rollt nun durch Deutschland", sagte der Atomexperte von Greenpeace, Tobias Riedl. "Ein unkalkulierbares Risiko. Die Castoren dürfen nicht ins Zwischenlager Gorleben rollen. Dort wird der Strahlengrenzwert bis Ende des Jahres überschritten."

Wo der Sonderzug genau entlangfahren wird, ist nicht bekannt - wegen der Proteste wird die Route wie auch bei vorangegangenen Transporten geheim gehalten. Allein in diesem Jahr sollen rund 19.000 Beamte im Einsatz sein, um die Atommüll-Transporte zu sichern.

Ende des gefährlichen Müllaustauschs

Der Zug mit den zwoelf Castor-Behältern (Foto: AP)

Gefährliche Fracht - ein früherer Castor-Transport

Dieser 13. Castor-Transport ist der vorerst letzte mit hochradioaktivem Müll, der aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague nach Gorleben fährt. Von massiven Protesten begleitet war er am Mittwoch in Frankreich gestartet. Der Transport und die Lagerung in Gorleben sind seit Jahrzehnten umstritten. Viele Umweltorganisationen, allen voran Greenpeace, halten den ehemaligen Salzstock für zu unsicher, um den Atommüll dort zu lagern. Die bereits mehr als 100 radioaktiven Behälter, die bereits dort stehen, sollen in einer Tiefe von 800 Metern abgelegt werden. Bis dahin lagern sie in einem oberirdischen Zwischenlager in der Nähe des Salzstocks zur Abkühlung.

Die Bundesregierung hatte sich schon vor Jahren mit den Energieversorgern darauf geeinigt, dass vom 01. Juli 2005 an keine abgebrannten Brennelemente wieder aufbereitet werden - wie im französischen La Hague. Doch Atommüll, der vor dem Stichdatum ins Ausland transportiert wurde, muss wieder zurückgenommen werden.

Autorin: Nicole Scherschun (dpa, dapd, rtr)
Redaktion: Martin Muno

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