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Deutschland

Castor-Transport erreicht verspätet Lubmin

Genau einen Tag - so lange sollte der Castor-Transport von Karlsruhe ins Zwischenlager Lubmin an der Ostsee dauern. Durch anhaltende Proteste entlang der Bahnlinie verzögerte sich die Ankunft der fünf Atommüll-Waggons.

Castor-Transport kommt in Lubmin an (Foto: dpa)

Nach 28 Stunden waren die Castoren endlich am Ziel

Um 4.30 Uhr am Donnerstagmorgen (17.02.2011) war es noch ruhig im Zwischenlager in Lubmin. Wäre der Transport der Castorbehälter nach Plan verlaufen, dann wären die Waggons mit den 56 Tonnen Atommüll aus Karlsruhe bereits zu diesem Zeitpunkt hier, an ihrem Bestimmungsort auf dem Gelände des stillgelegten Kernkraftwerks Lubmin bei Greifswald, angekommen.

Ende der "stillen" Atommülltransporte

Ein Polizist spricht mit Atomkraftgegnern, die auf den Bahngleisen sitzen. (Foto: dapd)

Gleisbesetzer sollen mit Gewalt entfernt werden.

Aber zahlreiche Atomkraftgegner haben vor allem auf den letzten Kilometern ab Rostock die Weiterfahrt blockiert. Insgesamt sollen noch an den vier letzten Sitzblockaden mehr als 50 Personen beteiligt gewesen sein. Sich an die Gleise zu ketten bleibt das bewährte Mittel der Protestler.

"Die Zeiten der stillen Atommülltransporte in den Nordosten Deutschlands sind definitiv vorbei", betonte Sophie Hirschelmann, Sprecherin des Anti-Atom-Bündnis Nordost. Doch auch sie konnte nicht verhindern, dass der Transport um 8.12 Uhr dann doch seinen Bestimmungsort erreichte.

Verletzte nach Polizeieinsatz

Zuvor waren zunächst zahlreiche Blockaden im Land weitgehend friedlich aufgelöst worden. Lediglich zehn Kilometer vor Lubmin, in Kemnitz, wurden die Polizeibeamten wohl rabiater. "Es wurde geschubst, getreten und geschlagen", berichtete eine Augenzeugin. "Die Blockade wird zeitnah geräumt", sagte ein Polizeisprecher und bestätigte den Einsatz "einfacher körperlicher Gewalt".

Nach Angaben des Anti-Atom-Bündnisses Nordost trugen dabei mehrere Demonstranten blutige Nasen und Lippen davon. Das Vorgehen der Polizei sei "super brutal" gewesen, sagte Ulrike Berger vom Grünen-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern. Auch von ausgeschlagenen Zähnen berichtete sie.

Umstrittenes Zwischenlager

Eine Polizistin steht vor dem stehenden Zug mit Castor-Behältern (Foto: dapd)

Für die Polizei bedeutet ein Castortransport immer einen Großeinsatz

Die letzten Kilometer zum Zwischenlager waren die schwierigsten für den Transport. Denn die Strecke ist nur eingleisig zu befahren. Der Weg des Zugs konnte also durch die Demonstranten gut versperrt werden. Und das gelang immer wieder, obwohl der Transport von einem massiven Polizeiaufgebot quer durch Deutschland begleitet wurde. Insgesamt sollen etwa 7000 Beamte von Bund und Ländern im Einsatz gewesen sein.

Die Nutzung des Zwischenlagers für Abfälle aus anderen Teilen Deutschlands ist umstritten, weil ursprünglich nur die Lagerung für Atommüll aus den ostdeutschen Atomanlagen in Lubmin und Rheinsberg vorgesehen war. Erst Mitte Dezember waren vier Castoren mit rund 2500 hochradioaktiven Brennelementen nach Lubmin gebracht worden. Sie stammten aus dem Kernforschungszentrum Karlsruhe und vom Atomschiff "Otto Hahn".

Autorin: Marion Linnenbrink (dpa, dapd, ap)
Redaktion: Thomas Grimmer

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