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Politik & Gesellschaft

Castor-Transport erreicht dann doch sein Ziel

Der Castor ist am Ziel: Nach über 126 Stunden hat der Atommüll-Transport das Zwischenlager Gorleben erreicht. Bis zuletzt hatten Atomkraftgegner versucht, den Konvoi zu stoppen - ungeachtet des massiven Polizeiaufgebots.

Umladen der Castor-Behälter (Foto: dapd)

In Dannenberg wurden die Atommüllbehaelter von den Waggons auf einen Spezialtransporter umgeladen

Mehr als fünf Tage hat es gedauert, bis schließlich der längste Castor-Transport aller Zeiten am späten Montagabend (28.11.2011) das Zwischenlager Gorleben erreichte. Der Konvoi ins niedersächsische Wendland wurde durch Blockaden Tausender Atomkraftgegner auf den Schienen und der Straße immer wieder aufgehalten. Die elf Atommüll-Behälter waren am vergangenen Mittwoch nahe der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague gestartet.

Schon jetzt steht fest: Der 13. Transport nach Gorleben war nicht nur der zeitaufwändigste, sondern wird wohl auch der teuerste. Der niedersächsische Innenminister Uwe Schönemann sagte: "Wir müssen davon ausgehen, dass es nicht günstiger wird als 2010." Insgesamt wurde der Transport in Deutschland von 19.000 Polizisten geschützt.

Immer wieder Zwischenstopps

Die letzte Etappe von 20 Kilometern war von einem riesigen Polizeiaufgebot gesichert. Trotz der hohen Sicherheitsvorkehrungen an der Strecke gelang es zwei Atomkraftgegnern, auf das Führerhaus eines Castor-Lkw zu klettern, die den Transport der radioaktiven Abfälle zuletzt übernommen hatten. Daraufhin hatte der Konvoi unplanmäßig rund eine Stunde stoppen müssen.

Protest der Atomkraftgegner (Foto: dapd)

Atomkraftgegner auf den Straßen

Rund 1000 Menschen blockierten bei Kälte und über Nacht die Zufahrt zu der Lagerhalle in Gorleben. Nach Angaben der Anti-Atom-Initiativen harrten sie dort länger als 25 Stunden aus. Die Polizeikräfte räumten die Straße und mussten viele der Demonstranten wegtragen. Am Vormittag war es Atomkraftgegnern von Greenpeace gelungen, die Polizei mit einem Trick zu überraschen. Sie versperrten mit einem Kleintransporter eine Castor-Transportstrecke und verankerten sich mit Betonklötzen am Asphalt.

Die Demonstranten wollten den Atommüll-Konvoi stoppen, weil sie das oberirdische Zwischenlager mit dem strahlenden Abfall für zu unsicher halten. Außerdem forderten sie die Bundesregierung auf, den Salzstock in Gorleben als möglichen Endlager-Standort aufzugeben. Die Initiativen beklagten, die Polizei sei mit überzogener Härte gegen die Blockierer vorgegangen. Bis zuletzt hatten die Einsatzkräfte Wasserwerfer gegen einzelne Demonstranten eingesetzt. Diese hatten Beamte einem Polizeisprecher zufolge mit Feuerwerkskörpern beworfen und Strohballen angezündet.

Polizeieinsatz an der castor-Route (Foto: dapd)

Ein massives Polizeiaufgebot sicherte den Transport

Angriffe gegen die Polizei

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) dagegen beklagte zunehmende und aggressivere Angriffe gegen Beamte. "Der Vorwurf, dass Gewalt von der Polizei ausgegangen ist, ist sehr einseitig", sagte GdP-Chef Bernhard Witthaut. Die gegen Polizisten eingesetzten Waffen würden immer brutaler. So seien etwa aus den Reihen der Demonstranten mit Nägeln gespickte Golfbälle geworfen worden, sagte Witthaut. Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) verteidigte das Vorgehen der Polizei: "Die Einsatzkräfte sind bei den Sitzblockaden sehr besonnen vorgegangen", sagte Schünemann. Die Polizei habe keine Fehler gemacht.

Neues Endlager gesucht

Dass die schwarz-gelbe Bundesregierung in diesem Jahr den Atomausstieg bis 2022 beschlossen hat, machte auf die Atomkraftgegner am Rande des Castor-Transports wenig Eindruck. Auch der von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) angekündigten Suche nach einem alternativen Zwischenlager schenkten sie wenig Glauben. Sie fordern eine neue Endlagersuche unter Ausschluss von Gorleben.

Der 13. Castor-Transport nach Gorleben war der letzte mit hoch radioaktivem Müll aus Frankreich. Es könnten aber noch weitere aus dem englischen Sellafield folgen. Im Zwischenlager stehen nun insgesamt 113 Behälter mit hoch radioaktivem Müll. Deutschland ist vertraglich verpflichtet, den Müll der deutschen Atomkraftwerke aus der Wiederaufarbeitung in Frankreich wieder zurückzunehmen.

Autor: Marko Langer (mit dpa, AFP, dapd)
Redaktion: Walter Lausch

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