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Kultur

Carrotmob: Eisessen für den Umweltschutz

Die Welt verändern und Spaß dabei. Wenn das so einfach wäre…aber versuchen kann man es ja mal. Mit Carrotmob-Aktionen zum Beispiel. Man lockt Unternehmen mit grandiosen Umsatz, damit sie in Umweltschutz investieren.

Mädchen mit vier verschiedenen Sorten Eis am Stiel (Foto: APD)

"Vanille & Co." ist eine der besten Eisdielen in Berlin. Das Eis schmeckt Leon auch prima, aber eigentlich ist er nicht zum Eisessen hier, sondern als Botschafter der Bewegung Carrotmob. Die will Unternehmen überzeugen, in Umweltschutzmaßnahmen zu investieren. Wer verspricht, einen bestimmten Teil seiner Tageseinnahmen in den Umweltschutz zu investieren, erlebt den Kundenansturm seines Lebens. Denn Leon und seine Freunde rufen dann zum Einkauf in Massen auf und machen Werbung per Video-Blog für das entsprechende Geschäft, das sich bereit erklärt hat mitzumachen. So wie "Vanille und Co."

Menschen kaufen Eis in einer Eisdiele (Foto: DW)

Wir kaufen euer Eis - wenn ihr das Geld in Öko investiert

Besitzerin Ulrike Baumgärtel-Ehrlicher war von der Idee sofort begeistert, als sie mit einem Faltblatt über die Aktion informiert wurde. Die ehemalige Architektin hatte sich schon lange Gedanken darüber gemacht, wie sie Energie sparen könnte. Durch die Carrotmob-Aktion wurden die notwendigen Investitionen für sie eher bezahlbar. "Der Carrotmob beginnt mit einem Wettbewerb im Vorfeld", erläutert Leon. Verschiedene Geschäfte der gleichen Sparte bieten einen bestimmten Prozentsatz ihres Tagesumsatzes für Umweltinvestitionen in den eigenen Laden. Wer den höchsten Prozentsatz bietet, gewinnt, und wird dann von den Aktivisten zum Masseneinkauf besucht. Vernetzt über Facebook und Twitter schwärmen an einem bestimmten Tag Hunderte aus, um Geschäften durch ihren Großeinkauf die Ökoinvestitionen zu erleichtern.

Massenansturm an einem Tag

Bei der jüngsten Aktion hat die Eisdiele "Vanille & Co." den Wettbewerb gewonnen. Besitzerin Ulrike Baumgärtel-Ehrlicher hatte 100 % vom Tagesumsatz für Umweltinvestitionen geboten. Wenn es sich rechnet, werde sie mehr als einen Tagesumsatz in Ökomaßnahmen investieren. "Ich freue mich über jede Einsparung, die kommt", sagt Baumgärtel-Ehrlicher. "Wir haben Stromkosten von 4400 Euro pro Jahr. Wenn wir davon 600 Euro sparen, freue ich mich und wenn wir 800 sparen, freue ich mich noch mehr." Bei einer anderen Aktion in einem Blumenladen gingen zum Beispiel 56% des Tageseinsatzes in Umweltschutzinvestitionen. Es kamen 800 Euro zusammen, für neue Energiesparlampen, einen neuen Kühlschrank und für den Wechsel zu einem Öko-Stromanbieter.

Jugendliche stehen vor einer Eisdiele und essen Eis im Hörnchen (Foto: DW)

Umweltschutz kann lecker sein

Begleitet werden diese Aktionen vom Bund für Umwelt und Naturschutz mit einer professionellen Energieberatung. Mattias Krümmel erstellt für die Unternehmen eine Ökobilanz und gibt gleichzeitig Energiespar-Tipps. Während seiner ersten Bestandsaufnahme bei "Vanille & Co." misst Energieberater Mattias Krümmel den Verbrauch der Kaffeemaschine, von Lampen und Kühlschränken. Die erste Zwischenbilanz der Energieberatung: Durch die Umstellung auf Ökostrom könnten rund zwölf Tonnen Co2 gespart werden. Schon mit einigen neuen Kühlschränken und Energiesparlampen würden 1200 Kilowatt-Stunden Strom pro Jahr weniger verbraucht.

Party machen und dabei Gutes tun? Die Carrotmobber setzen auf Kooperation, nicht auf Konfrontation. "Wieso nicht Eisessen?", fragt Leon und lacht - "für so viel Umweltschutz".

Autorin: Jutta Schwengsbier

Redaktion: Marlis Schaum

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