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Kultur

Carlos Fuentes ist tot

Carlos Fuentes, einer der ganz Großen der spanischsprachigen Gegenwartsliteratur, ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Seine Werke sind lateinamerikanische Klassiker.

Fuentes wurde oft in einem Atemzug mit den Nobelpreisträgern Gabriel García Márquez (85) oder Octavio Paz (1914-1998) genannt. 1987 hatte er den Cervantes-Preis erhalten, der als wichtigste Auszeichnung der lateinamerikanischen Literatur gilt. Wie viele mexikanische Dichter setzte sich Fuentes in seinem Schaffen in erster Linie mit der Geschichte seines Landes auseinander, um dessen Vergangenheit zu analysieren und diese scharf mit der Gegenwart zu konfrontieren. "Er hinterlässt uns ein großes literarisches und intellektuelles Erbe", schrieb Mexikos Außenministerin Patricia Espinoza in einer ersten Reaktion. Als linker Intellektueller mischte sich Fuentes auch immer wieder in politische Debatten ein.

Eines seiner wichtigsten Bücher, der 1962 erschienene Roman "La muerte de Artemio Cruz" (in Deutschland unter dem Titel "Nichts als das Leben"), schildert stilistisch brillant die blutige Geschichte der mexikanischen Revolution und geht bitter mit dem Verrat an deren Idealen ins Gericht. Zugleich schildert er den moralischen Verfall derjenigen, die dank der Revolution zu Reichtum und Macht kamen. In seinem Erstling "La region mas transparente" (deutsch: "Landschaft in klarem Licht") zeichnet Fuentes ein Portrait von Mexiko-Stadt.

Bewunderer deutscher Literatur

Obwohl Mexiko in den meisten seiner Romane, Erzählungen oder Essays die Hauptrolle spielte, kam der in Panama geborene Diplomatensohn weit herum in der Welt. Er war Botschafter in Paris, lehrte lange an den Universitäten Harvard und Columbia in den USA und besaß Wohnungen in Buenos Aires, Madrid und London.

Stark beeinflusst wurde Fuentes - der Cervantes' "Don Quijote" liebte - auch von der deutschen Literatur, nach seiner Meinung die "reichste des 20. Jahrhunderts". Thomas Manns "Doktor Faustus" war für ihn "vielleicht der größte europäische Roman".

Fuentes war immer auch ein politischer Mensch, mit ausgeprägten Sympathien für den Sozialismus. Oft wurde er als "Marxist im Smoking" tituliert. Doch inzwischen verlor er auch einige seiner früheren Illusionen: "Wir alle haben sehr an die kubanische Revolution geglaubt, und ich glaube, dass dieser Enthusiasmus nur noch von sehr wenigen Lateinamerikanern geteilt wird."

Nach Angaben seines Arztes starb der Schriftsteller an einer inneren Blutung. Zunächst war in den Medien von einem Herzschlag als Todesursache die Rede gewesen.

sc/gri (dpa)