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Das Bandtagebuch - EINSHOCH6

Carl Amadeus Hiller

Amadeus ist Percussionist und „Bandpapa“ bei EINSHOCH6. Bei den Dreharbeiten zum Bandtagebuch hat er die Produktion mitorganisiert und hinter der Kamera gestanden. Freizeit? Das kennt Amadeus nicht.

Name:
Carl Amadeus Hiller

Geburtsjahr und Geburtsort:
1974 in Wien

Mit wie viel Jahren hast du angefangen, Musik zu machen?
Ausschlaggebend dafür, dass ich Musik mache, war ein Clown im Zirkus Roncalli, den ich gesehen habe, als ich vier war. Dieser Clown hat im Kopfstand Geige gespielt, und das war für mich so beeindruckend, dass ich zu meinen Papa gesagt habe, ich muss unbedingt auch Geige lernen, damit ich mal im Kopfstand Geige spielen kann. Und wir sind dann auch zum Geigenbauer gegangen. Ich habe die Geige in der Hand gehabt, habe einmal gequietscht und wollte sie gar nicht mehr hergeben, und seitdem gibt’s für mich die Musik. Ich habe vorher immer erfolglos probiert, Klavier zu spielen, und seit ich zehn bin, spiele ich auch Schlagzeug.

Wer ist dein Vorbild?
Es gibt so unglaublich viele musikalische Vorbilder … Falko ist für mich schon eine unglaubliche Größe. Es ist immer ganz schwierig, wie bei Falko, sich selbst zu disziplinieren und nicht mit seinem eigenen Erfolg gegen den Baum zu fahren. Die Präsenz, die der Mann hatte, finde ich einfach unglaublich beeindruckend. Michael Jackson mit all seinen Schwächen und Eskapaden, unerreichbar für jeden. Seine Präsenz, sein Gesang, sein Tanz, alles ist einfach unglaublich. Wahnsinn!

Was findest du an EINSHOCH6 am spannendsten?
Das Spannende an EINSHOCH6 finde ich, dass wir so völlig unterschiedliche Menschen erreichen können. Wir haben es als Hip-Hop-Band relativ weit nach oben geschafft. Und was man gemerkt hat, egal mit welchen Menschen wir zusammen gespielt haben, wo wir mitgespielt haben, ob das jetzt Metalbands waren oder Popmusiker oder auch klassische Musiker, allen hat es Spaß gemacht. Genauso hat es jedem Publikum Spaß gemacht, das zu hören, was wir tun. Das Beste was wir jemals hatten, war eine Pressekonferenz für den deutschen Musikrat um acht Uhr morgens in der Bundeskunsthalle in Bonn. Das Publikum hatte einen Altersdurchschnitt von sechzig Jahren, und wir haben es trotzdem geschafft, dass alle aufgestanden sind und schön mit ihren Armen gewunken haben.

Wie waren für dich die Dreharbeiten zum Bandtagebuch?
Also, das Spannende ist zu sehen, und das merkt man erst im Laufe eines solchen Projektes, wie groß das Projekt ist und was für eine unglaubliche Verantwortung alle tragen, die mitmachen. Wir haben mit diesem Projekt einen irren Auftrag: Mit dem, was du sagst, formst du ein Bild von Deutschland. Du musst dir einfach gut überlegen, was du sagst, und es darf nicht gestellt wirken. Die Hafenpolizei war übrigens mein absolutes Highlight. Die Szene werde ich nie vergessen: Basti vorne auf dem Schiff drauf; die beiden Polizisten, die unglaublichen Spaß hatten, einmal Vollgas zu geben im Hafen, und uns Kameramänner hat es fast umgeschmissen, weil die Welle, die das Boot gemacht hat, so heftig war.

Was tust du gegen Lampenfieber?
Man kann nichts tun gegen Lampenfieber. Man kann sich einfach gut vorbereiten. Man kann gut geübt in ein Konzert gehen, in eine Prüfung oder sonst irgendetwas und kann dann einfach nur versuchen, kurz vorher abzuschalten, sich zu konzentrieren und dann auf die Bühne zu gehen und dVollgas zu geben.

Was ist bei dir schon mal auf der Bühne richtig schiefgegangen?
Einmal ist bei einem Konzert von EINSHOCH6 der komplette Bühnenstrom ausgefallen beziehungsweise der komplette Strom in der Halle. Das war in Österreich. Das war ein Festival, wo viele Bands gespielt haben, und wir haben uns dazu entschlossen, einfach weiterzumachen. Wir hatten noch Megafone dabei und dann haben wir einfach Freestyle gemacht. Das Schlagzeug war natürlich laut, der Bassverstärker funktionierte, warum auch immer, und wir haben dann eine Stunde lang Freestyle gemacht. Jeder durfte mal über das Megafon rappen, irgendein Instrument spielen, Trompete spielen usw.

Was ist die größte Herausforderung für dich als Musiker?
Die größte Herausforderung für einen Musiker ist, seinem eigenen Anspruch gerecht zu werden. Bei mir zumindest klappt das nie. Du kommst zwar an einen Punkt, wo du sagst: „Ja, das könnte es sein“, aber das klappt nicht. Ich glaube, das ist auch wichtig und gut so, weil in dem Moment, wo man mit sich selber zufrieden wäre, bräuchte man auch keine Musik mehr machen.

Was ist für dich Erfolg?
Erfolg ist für mich, wenn die Dinge, die du machst, gut ankommen und wenn sie die Menschen berühren.

Was wärst du geworden, wenn du nicht Musiker geworden wärst?
Dann wäre ich wahrscheinlich Schauspieler geworden, der dann auch Musik macht. Oder was ich auch geworden wäre: Tänzer oder Pantomime, weil mich das immer so wahnsinnig fasziniert hat, auch früher schon. Auf jeden Fall irgendeine brotlose Kunst …

Was würdest du gerne noch können?
Einen richtigen Pilotenschein. Fliegen wäre für mich noch was, was ich unglaublich gerne machen würde. Ich bin einmal in Afrika relativ lange selber geflogen, also natürlich mit einem Piloten, aber der hat mich dann zwei Stunden selbst fliegen lassen mit einer kleinen Cessna, und du konntest dann auf die Wolken aufsetzen und unten drunter fliegen, es war kein anderes Flugzeug da. Das war unglaublich schön!

Was magst du am liebsten an München?
Das Erste, was ich an München schön finde, ist die Nähe zu den Alpen und dass man sofort in Südeuropa ist. Schön finde ich auch, dass München keine Weltstadt in dem Sinne ist, aber ich finde, sie hat ein sehr schönes musikalisches Angebot und sie ist klein genug, dass man noch die richtigen Leute kennt, wenn man bestimmte Dinge tun will oder aktiv sein will. Und es ist einfach eine schöne Stadt von ihrer ganzen Architektur und von der Innenstadt, die ganze bayrische Tradition und Geschichte. Das ist schon ganz toll, wenn man das Oktoberfest mal rausnimmt. Ein echter Geheimtipp für mich ist übrigens das Biermuseum mitten in der Stadt. Das ist ein uraltes Gebäude von ca. 1450. Das ist auf der einen Seite ein sehr urtypisches bayrisches Restaurant, und auf der anderen Seite wird dort auch Bier gebraut und es wird gezeigt, wie Bier hergestellt wird und wurde über die vergangenen hundert Jahre.

Sprichst du Bairisch? Was ist dein bairisches Lieblingswort?
Ja, weil ich sehr viel Kontakt damit habe. „Oachkatzlschwoaf“ ist mein Lieblingswort. Das ist der Schwanz vom Eichhörnchen.

Welche Fremdsprache sprichst du und womit hattest du beim Lernen die größte Schwierigkeit?
Ich bin in Italien in die Schule gegangen und habe damals Italienisch gelernt, in der ersten und zweiten Klasse, wobei ich das leider sehr habe schleifen lassen im Nachhinein. Dadurch, dass wir ein Haus in Griechenland haben, habe ich sehr früh angefangen, Griechisch zu lernen. Das Problem ist, dass man immer so viel vergisst. Ich würde mir so oft wünschen, dass man einfach viel früher anfängt, Sprachen zu lernen. Je später du anfängst, dich mit einer Sprache zu beschäftigen, desto schwieriger wird es.

Mit welcher Berühmtheit würdest du dich gerne mal unterhalten und warum?
Wenn ich mal die Möglichkeit hätte, einen Abend mit jemandem zu verbringen, dann würde ich das gerne mit Oliver Kahn tun, weil der natürlich eine wahnsinnige Karriere hinter sich gebracht hat und immer noch jetzt, obwohl er die beendet hat, sehr entspannt wirkt.

Hast du schon mal etwas gekauft und es danach bereut?
Ich habe schon oft Sachen gekauft, die ich hinterher bereut habe, zum Beispiel unser Tonmischpult, das ein Schnäppchen war und jetzt einfach den Geist aufgegeben hat. Die Lust, etwas zu kaufen, ist dem Menschen sehr eigen, man kauft sich oft Sachen, die man nicht braucht. Nachher denkt man: „Was habe ich mir da für einen Schmarrn andrehen lassen?“ Das geht mir oft mit Schuhen so. Ich sehe sie und denke mir, du musst die jetzt mitnehmen. Und dann denke ich mir, nein, ich habe genügend Schuhe, ich brauche jetzt nicht die auch noch.

Wovor hast du Angst?
Angst habe ich davor, dass ich nicht künstlerisch oder kreativ tätig sein kann, also es mir entweder von außen oder von innen nicht mehr möglich ist, kreativ sein zu können.

Was machst du im Sommer am liebsten?
Im Sommer packe ich am liebsten meinen Regenschirm aus. Den braucht man nämlich hier in München am meisten. Eigentlich bin ich unglaublich gern in der Sonne, aber es ist leider bei uns so, dass wenn man Sonne sucht, man doch meistens in andere Länder fahren muss, um sie zu finden. Deswegen fahre ich gerne nach Griechenland. Aber wenn dann mal hier in München oder Bayern die Sonne scheint, ist es unglaublich schön. Wir haben ja auch diesen berühmten weiß-blauen Himmel mit den Schäfchenwölkchen, und dann geht man natürlich wahnsinnig gern in den Biergarten.

Was machst du am liebsten am Wochenende?
Arbeiten. Ich arbeite immer. Oder Konzerte spielen. Aber ansonsten gibt’s keine Wochenenden bei mir.