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Politik

Cancun ist ein Zeichen der Hoffnung

Die Ergebnisse UN-Klimapgipfels im mexikanischen Cancun werden bereits als Durchbruch für den festgefahrenen Klimaprozess gefeiert, doch noch ist das Klima nicht gerettet, meint Helle Jeppesen.

Kommentar-Symbolbild (Grafik: DW)

Die Erwartungen an die UN-Klimaverhandlungen waren im Vorfeld so bescheiden, dass es fast schon Mühe gekostet hätte, sie zu enttäuschen. Doch bis zuletzt stand die Einigung auf der Kippe. Es ging um die Fortsetzung des Kyoto-Protokolls, um eine Regelung zum Schutz der Regenwälder, um die Architektur eines globalen Klimafonds - und vor allem darum, ob sich die 194 Mitgliedsstaaten auf das übergeordnete Ziel einigen können, eine globale Erderwärmung bis 2020 auf höchstens zwei Grad Celsius zu begrenzen.

Es gibt wieder Hoffnung

Letztendlich haben sich 193 Länder auf diese Grenze geeinigt - die Proteste Boliviens konnten die Verabschiedung des Schlussdokuments nicht verhindern. Das war auch gut so, denn mit der Option, die globale Erwärmung auf sogar 1,5 Grad zu begrenzen, wie es vor allem die vom "Ertrinken" bedrohten Inselstaaten des Pazifik gefordert haben, ist nun Hoffnung in den Klimaprozess eingekehrt.

Helle Jeppesen, Deutsche Welle-Mitarbeiterin (Foto: DW)

Helle Jeppesen meint, der Klimaschutz werde immer noch auf die leichte Schulter genommen

Es wird explizit zugegeben, dass die Emissionsziele, die sich die Industrieländer freiwillig in Kopenhagen gesteckt haben, nicht ausreichen werden, um unter der Zwei-Grad-Celsius-Grenze zu bleiben. Folglich müssen Treibhausgas-Emissionen weiter reduziert werden - vor allem in den Industrienationen, die auch die historische Verantwortung für die CO2-Emissionen tragen. Ein solches Zugeständnis an die wissenschaftlichen Erkenntnisse ist viel wert, wenn man bedenkt, wie weit entfernt die Einigung war nach dem Versagen der Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen 2009.

Was folgt nun konkret?

Doch ohne Verbindlichkeit kommen schöne Worte leicht über die Lippen. Wenn es also um die verbindliche Umsetzung geht, wird es still um das globale Klima. Immer mehr verkommen die Klimagipfel zu Wirtschaftsgipfeln - das gibt auch der deutsche Umweltminister Norbert Röttgen freimütig zu.

Unermüdlich werben die Industriestaaten auf den UN-Klimaverhandlungen für eine neue, grüne Wirtschaft. Vom "Technologie-Transfer" für die Entwicklungsländer ist die Rede und vom CO2-freundlichen Wirtschaftswachstum. Bereits vor 40 Jahren hat jedoch die nicht-kommerzielle Organisation "Club of Rome" in ihrem Bericht "Die Grenzen des Wachstums" gewarnt, dass die Ressourcen des Planeten begrenzt sind. Diese Erkenntnis scheint ebenso wenig auf den Klimaverhandlungen angekommen zu sein wie auf den Börsen.

Es wird weiterhin so getan, als wäre der Klimawandel ein kurzer Störfall in der Geschichte der Industrialisierung. Man braucht sich nicht zu wundern, wenn insbesondere junge Leute, die den Klimagipfel verfolgt haben, frustriert heimkehren werden. Denn obwohl die Verhandlungen als solche gerettet wurden, gab es am Ende wenig Konkretes, was ihre Aufgabe in Zukunft erleichtern könnte. Der UN-Prozess ist vorerst gerettet - das Klima noch lange nicht.

Autor: Helle Jeppesen
Redaktion: Nicole Scherschun

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