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Aktuell Europa

Can Dündar und der Ruf nach Pressefreiheit

In der Heimat angefeindet und bedroht, im Ausland geehrt: Deutsche Kollegen zeichnen den türkischen Journalisten aus und kritisieren so die Situation in der Türkei. Ein weiterer Preis könnte bald aus Straßburg folgen.

Dündar wurde in Hamburg mit dem "Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen" des Netzwerks Recherche ausgezeichnet. Die Journalistenvereinigung würdigte damit seine Recherchen zu türkischen Waffenlieferungen - und zugleich die gesamte Redaktion des 55-Jährigen.

Dündar ist Chefredakteur der türkischen Zeitung "Cumhuriyet", eine der letzten unabhängigen Zeitungen in der Türkei. Er wurde von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan angezeigt und

zu einer Haftstrafe verurteilt.

Dündar soll fünf Jahre und zehn Monate ins Gefängnis, sein Redaktionskollege, der Hauptstadtkorrespondent Erdem Gül, fünf Jahre.

Die beiden hatten über geheime Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an Islamisten in Syrien berichtet, was die türkische Justiz als Geheimnisverrat wertete. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig, es gibt ein Berufungsverfahren. Drei Monate haben Dündar und Gül bereits in Untersuchungshaft verbracht.

Und bald der Sacharow-Preis?

"Can Dündar kämpft unter schwierigsten Umständen für die Pressefreiheit", sagte die Netzwerk-Vorsitzende Julia Stein. Er lasse sich nicht einschüchtern, trotze der politischen Repression und habe keine Angst vor dem Gefängnis. Der Mut und die Standhaftigkeit Dündars und seines Teams verdienten größte Anerkennung und Unterstützung.

Dündar und Gül erhalten in diesem Jahr auch den mit 30.000 Euro dotierten Leipziger "Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien", im vergangenen Jahr wurde Dündar bereits mit dem Menschenrechtspreis der Organisation Reporter ohne Grenzen geehrt.

Der Grünen-Sprecher im Europaparlament, Sven Giegold, verkündete zudem in dieser Woche, man habe Dündar und Esra Mungan für den Sacharow-Preis nominiert.

Esra Mungan ist Psychologie-Dozentin an der staatlichen Bogaziçi-Universität in Istanbul. Sie gehört zu den Unterzeichnern eines Friedens-Appells im Kurden-Konflikt von türkischen Wissenschaftlern. Gegen Mungan und drei weitere Forscher laufen in Istanbul deshalb Gerichtverfahren.

Der Sacharow-Preis für Meinungsfreiheit wird seit 1988 jährlich vom Europäischen Parlament vergeben. Es zeichnet damit Persönlichkeiten und Institutionen aus, die sich besonders für Menschenrechte und den Schutz von Minderheiten, die Achtung des Völkerrechts und die geistige Freiheit einsetzen. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert.

2015 wurde der

saudi-arabische Blogger Raif Badawi ausgezeichnet,

1995 Leyla Zana. Die Kurdin sitzt inzwischen im Istanbuler Parlament und gehört zu den 138 Abgeordneten, deren Immunität von der Regierung aufgehoben wurde.

bor/sti (epd, afp, dpa, faz)

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