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Kultur

Can Dündar und Beethoven Academy sagen Laudatio ab

Fazil Say erhält am Wochenende den Beethovenpreis für Menschenrechte. Can Dündar hätte die Laudatio halten sollen - doch jetzt verzichtet er darauf. Ist die Verleihung zwischen die Mühlen der Türkei-Politik geraten?

Der Beethovenpreis für Menschenrechte ist noch relativ jung. Vergeben wird er an mutige Bürgerrechtler - wie etwa den berühmten türkischen Pianisten Fazil Say. Am Samstag, den 17.12.2016, soll ihm der Preis in der Bonner Kreuzkirche verliehen werden. Die geplante Laudatio des türkischen Journalisten Can Dündar wurde jetzt allerdings kurzfristig abgesagt. 

Am Donnerstag teilte die Bonner Beethoven Academy mit, Dündars geplanter Auftritt habe "weitreichende, starke Reaktionen in Europa und der Türkei hervorgerufen". Vor allem auf Facebook habe es harsche Reaktionen teilweise "unter der Gürtellinie" gegeben, sagte der Intendant der Beethoven Academy, Torsten Schreiber, der Deutschen Presse-Agentur. Deshalb sollen sich Dündar und die Beethoven Academy gemeinsam gegen die Laudatio entschieden haben.

Der Impuls zur Absage sei jedoch klar von dem türkischen Journalisten selbst ausgegangen, erklärte die Pressebeauftragte der Beethoven Academy Susanne Gundelach im DW-Interview. Sicherheitstechnisch waren bereits alle Vorkehrungen getroffen worden, die Verleihung hätte also von Veranstalterseite wie geplant stattfinden können, so Gundelach. 

Wer die Facebook-Nachrichten verbreitet hat, ist noch unklar. Die Beethoven Academy hat sie der Polizei weitergeleitet. 

Fazil Say Pianist Türkei Deutschland (picture-alliance / Sven Simon)

Den Pianisten Fazil Say verbindet mit Can Dündar eine enge Freundschaft

Eingeschüchtert durch Proteste?

Dündar wird nun gar nicht an der Veranstaltung teilnehmen. Man wolle sich "auf den Preisträger Fazil Say und seine Verdienste konzentrieren", schreibt die Beethoven Academy auf ihrer Facebook-Seite. Schreiber betonte, dass die Veranstalter nicht vor möglichen Protesten eingeknickt seien. Dündar habe nicht gewollt, dass die Verleihung des Preises an seinen engen Freund Say durch die Proteste gegen ihn einen "negativen Touch" bekommen hätte, sagte Gundelach. 

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hingegen befindet: "Erdogans Truppen in und außerhalb Deutschlands können sich eine neue Trophäe an die Wand hängen: Sie haben mit ein wenig Krawall auf Facebook verhindert, dass die Verleihung eines deutschen Menschenrechtspreises verläuft wie geplant." Dündar sei in der Türkei zum publizistischen Staatsfeind Nummer eins avanciert und damit habe man Erdogan keinen größeren Gefallen tun können. 

Im Mai war der ehemalige Chefredakteur der türkischen Zeitung "'Cumhuriyet" wegen brisanter Enthüllungen zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Inzwischen lebt er im Exil in Deutschland.  

Auszeichnung für Bemühung um Dialog

Den mit 10.000 Euro dotierten "Internationalen Beethovenpreis für Menschenrechte, Frieden, Freiheit, Armutsbekämpfung und Inklusion" gibt es seit 2015. Schirmherr ist Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU). Fazil Say erhält den diesjährigen Preis, weil er "mit seinen Kompositionen immer wieder den Dialog zwischen Europa und der Türkei sucht", so der Intendant der Beethoven Academy Thorsten Schreiber.

Im vergangenen Jahr erhielt ihn der syrisch-palästinensische Pianist Aeham Ahmad. Er hatte in den Ruinen von Damaskus - auf der Straße - gegen die Gewalt in seinem Heimatland Syrien Klavier gespielt. 

bb/pl (dpa, FAZ)

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