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Deutschland

Camping bei jedem Wetter

Wohnen, wo andere Urlaub machen - wer möchte das nicht. Doch: Den Winter auf einem Campingplatz zu verbringen, davon träumt wohl nicht jeder. Trotzdem gibt es sie, die hartgesottenen Dauercamper.

Schnee auf einem Campingplatz (Foto: DW)

Zentimeterhoher Schnee auf dem Campingplatz im Siebengebirge noch

Seit zwei Stunden schon schippt Wolfgang Fricke Schnee. Denn Winterdienst oder Streufahrzeuge sind hier, wo er wohnt, undenkbar. Sein Zuhause ist der Campingplatz - und das bei jedem Wetter.

26 Jahre ist es her, dass er und seine Frau Christine den Dauerstellplatz auf dem Campingplatz Jillieshof in Bad Honnef bezogen haben. Seit der ehemalige Kraftfahrer vor zwei Jahren in Rente ging, wohnen sie ständig hier. "Klar, die meisten Leute sagen: ´Ihr habt doch einen am Koffer´, bei so einem Wetter zu campen. Aber die wissen auch nicht, dass mein Wohnwagen hier komplett isoliert ist", erklärt Fricke.

Eine echte Campinggemeinschaft

Christine und Wolfgang Fricke in ihrem Wohnwagen am Tisch (Foto: DW)

Seit 26 Jahren steht der Wohnwagen der Frickes auf dem Jillieshof in Bad Honnef

Der Wohnwagen und das Vorzelt sind auf 25 Grad geheizt. In Jogginganzügen sitzen Wolfgang und Christine Fricke auf der Couch. An der Wand Landschaftsbilder, auf der Kommode Häkeldeckchen und Blumen – die Frickes haben es sich gemütlich gemacht. Die Wohnung in ihrer eigentlichen Heimat Köln steht fast immer leer. Behalten müssen sie sie trotzdem - ein Wohnwagen gilt nämlich in Deutschland nicht als fester Wohnsitz.

Die Miete kostet zwar 450 Euro kalt, dafür ist aber der Wohnwagenplatz mit 70 Euro im Monat günstig. Es war aber auch nicht das Geld, das die Frickes veranlasst hat, ihr soziales Umfeld in Köln hinter sich zu lassen. "Zuhause hat sich das alles ein bisschen auseinandergelebt", sagt Wolfgang Fricke, "hier dagegen haben wir eine echte Campinggemeinschaft. Jeder hilft jedem". Ob ein Werkzeug fehlt, das Mehl ausgeht oder Christine Fricke jemanden zum Karten spielen sucht - auf dem Campingplatz sind die beiden nie allein.

Luxuscamping? Nein danke!

Wolfgang Fricke putzt den Wohnwagen nebst Vorzelt (Foto: DW)

Täglich putzt Wolfgang Fricke den Wohnwagen nebst Vorzelt

Dauercampen bedeutet nicht Dauerurlaub. Täglich müssen die Frickes Vorzelt und Wohnwagen putzen, den Vorgarten pflegen oder Heizungsgas besorgen. Falls es nachts doch mal kalt wird, hat Christine Fricke vorgesorgt. "Für meinen Mann, weil der immer so friert, habe ich eine ganz tolle Wärmflasche besorgt. Die funktioniert mit Strom, wird in fünf Minuten heiß und man braucht kein Wasser und gar nichts".

Der neueste Trend in Deutschland ist Luxuscamping mit Thermalbad und Wellness - den Frickes dagegen reichen Wärmflasche und Chemieklo. Wohnwagen und Vorzelt sind zusammen keine fünfzig Quadratmeter groß. Der fehlende Komfort stört die beiden aber nicht.

Christine Fricke im Wohnwagen (Foto: DW)

Dauercamperin Christine Fricke geht es blendend

In ihrer kleinen Küchenecke lassen sie es sich kulinarisch gut gehen. "Wenn ich mal nachhause komme, erkennen mich die Leute kaum noch", erzählt Christine Fricke, "klar bin ich hier ein bisschen knubbelig geworden, aber ich sage immer: Lieber ein bisschen knubbelig, aber gesund, statt zu schlank und krank. Mir geht es hier blendend!".

Die Spaziergänge auf dem noch fast menschenleeren Campingplatz genießen die Frickes in dieser Jahreszeit besonders. Laut wird es hier schon wieder früh genug - wenn die Temperaturen steigen und die Gelegenheitscamper wiederkommen.

Autoren: Friedel Taube / Jan-Philipp Scholz
Redaktion: Nicole Scherschun

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