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Kultur

Campen für die Freiheit

Rund 2000 Hacker und Computerbegeisterte haben sich ain der Nähe von Berlin zum "Chaos Communication Camp" getroffen. Auf dem Programm standen Seminare zu allen möglichen Themen rund um den Computer.

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Hacken in brütender Hitze

Wer sich die Besucher des Chaos Communication Camps (9./10. August 2003) immer noch als verwirrte Jugendliche mit einem Hang zu schlechter Haut und nächtlichen Computerspiel-Marathons vorstellt, könnte nicht falscher liegen. Schon am Eingang zum Camp in der Nähe Berlins legen die ehrenamtlichen Helfer des Chaos Computer Clubs (CCC), der das Lager organisiert, eine Professionalität an den Tag, die überrascht und zugleich erfreut. Noch erstaunlicher ist, dass sich nicht nur alle an die aufgestellten Regeln halten, sondern auch bereitwillig zupacken.

Vier Hektar Kabelsalat

Aufgeteilt in mehrere "Dörfer", die gleichzeitig die thematischen Schwerpunkte des Lagers repräsentieren, erstrecken sich die Zelte im Halbkreis um das "Hackcenter", in dem von morgens bis abends programmiert und diskutiert wird. Quer durch das Lager stehen "Datenklos", mobile Plastikkabinen, in denen das Innere gegen Router und Hubs

Go Social! 2. Chaos Communication Camp bei Berlin CCC

Menschliche Go-Steine im Chaos Communication Camp

ausgetauscht wurde. So kommt jeder, dessen Netzwerkkabel bis hierhin reicht, in den Genuss einer kostenlosen Anbindung ans Internet, und natürlich an das Netzwerk des Camps selbst. "Das gesamte Lager", erläutert Patrik, einer der Administratoren, "ist mit einer Richtfunkantenne von 255 Megabite pro Sekjnde als Kapazität an den nächsten Glasfaserknoten angeschlossen." Eine Kapazität, mit der man normalerweise eine mittelgroße Stadt versorgen kann. Und Datenverkehr erzeugen die Teilnehmer des Camps reichlich, schließlich ist man nicht zum Vergnügen da.

Freiheit nach dem 11. September

Und so gibt es Workshops, Vorträge und Projekte in großer Zahl. Thema des Camps ist Datensicherheit. "Die Anschläge vom 11. September 2001 brachten eine ganze Flut von Gesetzesverschärfungen auch auf dem Gebiet des Internet hervor", erläutert Andy Müller-Maguhn, Vorstandssprecher des CCC. "Wir beschäftigen uns hier hauptsächlich mit TCPA, also mit Mechanismen, mittels deren die Industrie dem Benutzer die Kontrolle über seinen Computer entziehen will." Tatsächlich wurde die von Intel gestartete Initiative inzwischen umbenannt und modifiziert, da sich innerhalb und außerhalb des Internets bald eine Opposition gegen den Zugriff der Industrie auf den heimischen Rechner zusammenfand. Vorträge und Workshops erklären nun, wie es zu TCPA und anderen Sicherheitsinitiativen kam, und welche Möglichkeiten es gibt, den eigenen Computer vor dem Zugriff durch Dritte zu schützen.

Laptops am Strand

Abends jedoch tritt der Hauptzweck des Camps zu Tage: Gleichgesinnte treffen, sich austauschen und gemeinsam feiern. Eine reichlich ausgestatte Bar schenkt das Kultgetränk des CCC, Club-Mate aus, Lichtinstallationen erhellen die Nacht, und noch bevor im Morgengrauen die letzten Tänzer in ihre Schlafsäcke fallen, klappen anderswo schon wieder die ersten ihre Laptops auf.

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