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Europa

Cameron rüstet Polizei nach Krawallen auf

Straßenschlachten, Plünderungen, brennende Häuser - die Krawalle in englischen Städten scheinen kein Ende zu nehmen. Premier Cameron droht deshalb den Randalierern jetzt mit Wasserwerfern und Gummigeschossen.

Ausgebrannte Geschäfte (Foto: AP)

Nach den Krawallen

Nach einer Sitzung des britischen Sicherheitskabinetts, genannt "Cobra", kündigte Regierungschef David Cameron ein hartes Vorgehen gegen die Randalierer an. "Jeder, der gewalttätig wurde, wird ins Gefängnis geschickt", sagte Cameron am Mittwoch in London. Nach vier Krawallnächten erwägt der Premier jetzt auch den Einsatz von Wasserwerfern, die bislang nur bei Unruhen in Nordirland zum Einsatz kamen. Auch wenn Wasserwerfer derzeit zwar noch nicht nötig seien, sähen Notfallpläne vor, dass sie der Polizei binnen 24 Stunden zur Verfügung gestellt würden, sagte Cameron. Auch Gummigeschosse dürften verwendet werden.

Bisher hatte die Regierung in London den Einsatz schweren Geräts gegen die Randalierer noch ausgeschlossen. "In Großbritannien halten wir niemanden mit Wasserwerfern zurück", hatte Innenministerin Theresa May noch am Dienstag erklärt. Stattdessen setze sie auf die Mitarbeit der Menschen vor Ort - so funktioniere britische Polizeiarbeit. Sie rief die Eltern der randalierenden Jugendlichen und die Vertreter der Gemeinden zur Mithilfe bei der Identifikation der Gewalttäter auf.

Cameron spricht von "Banden-Problem"

Premier Cameron vor seinem Amtssitz (Foto: dpa)

Premier Cameron droht mit härterem Durchgreifen gegen Randalierer

Mit Blick auf die Krawalle räumte Cameron ein: "Es ist klar, dass wir in unserem Land ein Gang-Problem haben." Die Jugendbanden seien aber nicht repräsentativ für die große Mehrheit der jungen Leute in Großbritannien, betonte Cameron. Zugleich forderte er: "Wir brauchen einen deutlicheren Wertekanon." Derzeit gebe es ein "Fehlen von Verantwortungsbewusstsein in Teilen der Gesellschaft". Premier Cameron hatte schon am Dienstag das Parlament für Donnerstag zu einer Krisensitzung aus dem Sommerurlaub zurückgerufen.

Ausschreitungen in vielen englischen Städten

Brand in Manchester (Foto: AP)

Unruhestifter haben gezündelt: Manchester in der vergangenen Nacht

Die Ausschreitungen hatten in der Nacht zum Mittwoch erstmals auch auf Manchester übergegriffen. Dort gab es besonders heftige Krawalle. Nach Angaben der Polizei liefen hunderte teils maskierte Jugendliche durch das Zentrum der drittgrößten Stadt des Landes, warfen Schaufensterscheiben ein und plünderten Geschäfte. Zudem setzten sie mehrere Gebäude in Brand und schleuderten Wurfgeschosse auf die Polizisten. Es folgten Straßenschlachten mit den Sicherheitskräften. Die Polizei war mit mehreren Hundertschaften vor Ort im Einsatz. Ein Polizeivertreter sprach von den schwersten Krawallen in Manchester in den vergangenen 30 Jahren. "Das sind ganz einfach Verbrecher, die durchdrehen", sagte ein ranghoher Polizeioffizier. "Das ist sinnlose Gewalt und sinnlose Kriminalität in einer Größenordnung, wie ich sie nie zuvor gesehen habe."

Im zentralenglischen Nottingham griff eine Gruppe von 30 bis 40 Randalierern eine Polizeistation an und setzte sie mit Molotow-Cocktails in Brand. Verletzt wurde niemand. Auch in Salford, Wolverhampton, Bristol und Gloucester kam es zu Krawallen. In Liverpool wurden mehrere Löschfahrzeuge der Feuerwehr attackiert. Auch aus West Bromwich nahe Birmingham wurden Zusammenstöße gemeldet. Dort errichtete eine Gruppe von rund zweihundert Menschen nach Angaben der Polizei Barrikaden, zündete Autos an und bewarf Polizisten.

Kaum Zwischenfälle nach vier Krawallnächten

Polizeipräsenz in London (Foto: dpa)

Polizeipräsenz in London

Das massive Polizeiaufgebot zeigt unterdessen Wirkung: Nach vier Krawallnächten gab es in der Nacht zu Donnerstag (11.08.2011) ermals keine größeren Zwischenfälle mehr. In London, wo es in den vergangenen Tagen zu den schwersten Ausschreitungen seit vielen Jahren gekommen war, war die Lage bereits in der Nacht zum Mittwoch weitgehend ruhig geblieben. Ein Großaufgebot von 16.000 Polizisten schreckte die Gewalttäter offenbar ab.

Mehr als 1300 Festnahmen

Nach Angaben der britischen Tageszeitung "Guardian" wurden seit dem Ausbruch der Unruhen im nördlichen Londoner Stadtteil Tottenham am vergangenen Samstagabend insgesamt mehr als 1300 Menschen festgenommen. Einige von ihnen wurden bereits vor Gericht gestellt und verurteilt.

Auslöser der Unruhen war der Tod des 29 Jahre alten, dunkelhäutigen Familienvaters Mark Duggan, der von der Polizei erschossen worden war. Die Krawalle brachen aus, als eine zunächst friedliche Kundgebung, mit der gegen die Erschießung Duggans protestiert werden solle, in Gewalt umschlug. Ballistische Untersuchungen ergaben inzwischen, dass Duggan nicht auf die Polizisten geschossen hatte. Scotland Yard hatte zuvor das Gegenteil behauptet.

Autorin: Ulrike Quast (afp, rtr, dpa, dapd)
Redaktion: Martin Schrader/Frank Wörner

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