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Politik

California Dreaming

Defekte Autos und verseuchte Lebensmittel werden regelmäßig zurückgerufen. Jetzt sind auch Politiker dran, die ihr "Haltbarkeitsdatum" überschritten haben. Wie das geht, erklärt DWTV-Korrespondent Eckhard Tollkühn.

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Kalifornien, Schauplatz des Goldrausches im 19. Jahrhundert, ist pleite. Der "Golden State" hat das Vertrauen in seinen Gouverneur Gray Davis verloren und will ihn wieder loswerden. Erst im November 2002 war der Demokrat wiedergewählt worden, doch jetzt muss er sich einem Absetzungsverfahren stellen. Am 7. Oktober sind die Kalifornier aufgerufen, zwei Fragen auf dem Wahlzettel zu beantworten. Einmal: Soll Davis abgesetzt werden? Und zum Zweiten: Wer soll ihn ersetzen?

Illustre Bewerberschar

Da das politische Überleben des Gouverneurs immer unwahrscheinlicher wird, konzentriert man sich vor allem auf die zweite Frage. Knapp 200 Kandidaten haben sich gemeldet. Alles, was sie zur Registrierung brauchen, sind 3500 Dollar und 65 Unterschriften. "Schade, dass es nicht noch mehr Kandidaten gibt", so meinte ein Witzbold, "denn so könnte sich das Haushaltdefizit des Bundesstaates von selbst erledigen."

Der herausragendste Kandidat ist freilich Arnold Schwarzenegger, dessen überraschende Bewerbung die Sonderwahlen zu einem Zirkus werden lassen. Aber der "Terminator" befindet sich beim "Total Recall" in bester Gesellschaft. Unter den eher illustren Gestalten sind ein Porno-Händler, eine Porno-Queen, ein Liliputaner und ein paar Punker. Sie alle hoffen als Außenseiter auf ihre Chance.

Hobby-Politiker haben Tradition

Der gelernte Politiker ist in Kalifornien ein Auslaufmodell. Arnie wirbt zum Beispiel mit dem Slogan: "Ich habe genug Knete, ich werde nicht zum Spielball von Interessengruppen." Das kommt an. Schwarzeneggers Leinwand-Persona suggeriert Enschlossenheit, Kraft und Ausdauer. Eigenschaften, die Gray Davis und vielen anderen Politikern abgehen.

Schwarzenegger dagegen ist ein Mann, den die Kalifornier von zahllosen Filmen her gut zu kennen glauben. Die Verwechselung von Hollywood und Wirklichkeit hat in Kalifornien Tradition. Denken wir an Clint Eastwood, den die braven Bürger von Carmel zu ihrem Bürgermeister machten, in der Hoffnung, dass er die noble Stadt am Meer von Gaunern und Banditen säubert. Oder an Ronald Reagan, der vom Schauspieler zum Gouverneur aufstieg und später gar zum Präsidenten. Diesen Sprung kann Arnie freilich nicht machen, da er nicht in den USA geboren wurde.

Dem geschenkten Gaul ...

Immerhin: Präsident Bush hat Schwarzeneggers Kandidatur inzwischen unterstützt. Er würde einen guten Gouverneur abgeben, sagte Bush auf seiner Ranch in Texas. Ein republikanischer Gouverneur wäre natürlich ein willkommenes Geschenk für Bushs eigene Wahlambitionen im nächsten Jahr, denn Kalifornien ist mit seinen 35 Millionen Einwohnern fette Wahlmännerbeute bei den Präsidentschaftswahlen. Angesehen ist der alpine Kraftprotz auch bei Bush Senior, der ihn in seiner Präsidentschaft zum Fitnessbeauftragten der Nation machte, quasi das erste und bisher einzige politische Amt, das der Schauspieler je hatte.

Kritiker meinen denn auch, das Fitnessamt reiche nicht, um ihn für das Gouverneursamt zu qualifizieren. Kalifornien sei ein komplexer Bundesstaat mit enormen Problemen, die viel Erfahrung und intellektuelle Schwerstarbeit verlangten. Doch der Terminator lässt nicht nur die Muskeln spielen. Bekannt ist er auch wegen seines Engagements für wohltätige Zwecke, vor allem die Förderung benachteiligter Kinder.

Aber: Egal, wer die Wahl gewinnen mag, die Rückrufaktion bleibt eine fragwürdige Option, denn durch sie wird der demokratische Prozess zum Gegenstand der Wegwerfgesellschaft.