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Bundesliga-Reportage

BVB mit Vollgas trotz leerer "Süd"

Die Sperrung der Südtribüne hätte Borussia Dortmund in ihrem Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg beeinflussen können. Doch stattdessen gab sie die Antwort auf dem Platz, beobachtet DW-Redakteur Jonathan Harding.

BVB-Trainer Thomas Tuchel hatte vor der Partie davon gesprochen, dass seine Mannschaft einem "nicht wieder zu erkennenden" Wolfsburg gegenüberstehe - im Vergleich zur Hinrunde. Zum Wochenstart wurde schnell klar, dass beide Teams am Samstag einen nicht wieder zu erkennenden Signal-Iduna-Park erleben würden.

Von einer dröhnenden, schwarz-gelben Fan-Wand wurde die berühmt-berüchtigte Südtribüne zu einem klaffenden grauen Loch aus kalten Stufen und stählernen Wellenbrechern. Und so wurde der von nur wenigen Wolfsburg-Auswärtsfans besetzte Gästeblock plötzlich Teil der Heimkurve. Dieser Block musste dafür sorgen, die fehlende lautstarke Südtribüne zu ersetzen. Gemeinsam mit der Unterstützung aus der süd-östlichen und süd-westlichen Ecke des Stadions und den Gesetzmäßigkeiten der Akustik entwickelte sich trotzdem eine geräuschvolle Kulisse. Es fühlte sich so an, als bekämen selbst die leeren Ränge der Süd eine Stimme.

Zwischen Frust und Humor

Tatsächlich hatten die Dortmunder Fans auch diesmal etwas zu sagen. Auch ohne die gefüllte Südtribüne gab es wenig überraschend noch einige Banner zu sehen. Genauso wie außerhalb des Stadions. Manche ließen Frust erkennen, manche waren humorvoll. "Verärgerte Oma von der Südtribüne - heute muss sie draußen bleiben!" - war auf einem der Schilder zu lesen.

"Ich bin kein Politiker, aber Fußball ist für die Fans und die Fans für den Fußball", sagte der ehemalige BVB-Publikumsliebling Jakub Blaszczykowski. Der Pole war zum ersten Mal als "Gast" mit seinem neuen Team aus Wolfsburg in Dortmund und wurde von den Dortmunder Anhängern mit großem Applaus empfangen.

Bundesliga 21. Spieltag | Borussia Dortmund vs VFL Wolfsburg (picture-alliance/CITYPRESS 24)

Dortmund vergibt viele Chancen: letztlich sorgt ein Wolfsburger für die BVB-Führung

Dortmunds Überlegenheit, was die Unterstützung von den Rängen anbelangte, zeigte sich auch im Spiel. In den ersten 25 Minuten der Partie startete der BVB furios und erspielte sich mehrere hochkarätige Torchancen. Die 1:0-Führung entstand allerdings erst durch ein kurioses Eigentor von Jeffrey Bruma - das fügte sich nahtlos ins Bild der Dortmunder Saisonleistungen. Drei Minuten nach Wiederanpfiff sorgte Lukas Piszczek mit seinem fünften Treffer in dieser Spielzeit schon für die Entscheidung.

Piszczek: "Erste Halbzeit seltsam"

Piszczek betonte, dass die leere "Süd" bei den BVB-Profis anfangs schon ein ziemlich verstörenden Eindruck hinterließ. "Die erste Halbzeit war seltsam. Man konnte gut sehen, dass da einfach niemand stand. Wir haben uns noch mehr als sonst auf das Spiel konzentriert", sagte er.

Und das zeigte Wirkung: Zwar konnte Pierre-Emerick Aubameyang seine schwache Leistung gegen Benfica noch nicht aus den Kleidern schütteln, doch Ousmane Demebele füllte die Lücke und unterhielt mit vielen guten Aktionen. Als zentraler Offensivspieler kurbelte der 18-Jährige das Spiel an und setzte seine Mitspieler mit brillanten Pässen in Szene. Dem jungen Franzosen gelang auch das 3:0 und versetzte die 56.906 Fans, die diesmal ins Stadion durften endgültig in Euphorie.

Wolfsburger zu schwach

"Die Atmosphäre ist das, was Dortmund ausmacht, die positive Atmosphäre, die von den Tribünen kommt. Sie treibt uns an", sagte BVB-Kapitän Marcel Schmelzer. "Unsere junge Mannschaft braucht die Unterstützung, besonders in Phasen, in denen es nicht so läuft."

Doch auch ohne die Fans der Südtribüne, hatten es die Wolfsburger schwer. Einzig Yunus Malli hatte einige Aktionen, ansonsten war von den Wolfsburger Spielern auf dem Feld ungefähr so wenig zu sehen, wie man von ihren Fans aus dem Gästeblock hören konnte.

So bleibt Dortmund unter Trainer Thomas Tuchel zu Hause weiterhin ungeschlagen und hat noch nie drei Pflichtspiele in Folge verloren. Beim nächsten Mal wird die Südtribüne wieder voll sein. Und nachdem vor zwei Wochen gegen den RB Leipzig alles das, was abseits des Platzes geschah, die Schlagzeilen machte, ging es diesmal nur um das, was auf dem Platz passierte.

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