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Sport

BVB ade?

Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund steht kurz vor der Pleite. Der börsennotierte Traditionsverein kann nur überleben, wenn sämtliche Gläubiger einem neu erarbeiteten Sanierungsplan zustimmen.

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Die Luft ist raus: Borussia Dortmund von Lizenzentzug bedroht

In vier Jahren soll in Dortmund groß gefeiert werden. Dort, im Herzen des Ruhrgebiets, will der ortsansässige "Ballspielverein Borussia Dortmund 09" seinen 100. Geburtstag begehen - zusammen mit seinen Fans, die ihren "BVB" verehren wie ein Heiligtum. Die Sache hat nur einen Haken: Es könnte sein, dass der Verein dann vielleicht nicht mehr existiert. Der westfälische Traditionsklub steht nämlich vor dem wirtschaftlichen Ruin. Einer der berühmtesten deutschen Fußballklubs, sechsfacher deutscher Meister, Champions-Leguae - und Weltpokal-Sieger liegt in Trümmern.

Wie es weiter geht, haben längst nicht mehr die elf Mann auf dem Platz in der Hand - oder besser: auf den Füßen, sondern die Gläubiger. Dreht nur einer den Geldhahn zu, dann ist es vorbei mit der schwarz-gelben Herrlichkeit - dann hat der Insolvenzverwalter das Sagen. Und der deutsche Fußball seinen nächsten Skandal: Ein Jahr vor der Weltmeisterschaft im eigenen Land macht sich das überhaupt nicht gut: Noch ist der Skandal um die Wettbetrügereien eines Liga-Schiedsrichters lange nicht ausgestanden, droht nun das Ende eines Vereins, der zur Bundesliga gehört wie das berühmte Salz in der Suppe. In Dortmund aber wurde in den vergangenen Jahren so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann.

Falscher Glaube

Demonstration der Fans von Borussia Dortmund vor dem Bundesligaspiel gegen VfL Bochum, 21. Spieltag

Wütende Proteste der BVB-Fans gegen die Geschaeftsführung ihres Vereins

Dabei liegt der Fehler gar nicht mal im Börsengang vor vier Jahren. Das war, angesichts der damaligen Erfolge, ein durchaus mutiger Schritt, den ausländische Spitzenklubs längst getan hatten. Allen voran Manchester United, bis heute das Musterbeispiel eines erfolgreichen Engagements auf dem Börsenparkett. Die Frage bleibt: Wenn die Dortmunder so werden wollten wie die Engländer - warum haben sie es dann nicht auch so professionell gemacht?

So aber versuchte sich eine selbstverliebte, arrogante Führungsclique im falschen Glauben an den anhaltenden Erfolg auf dem Platz - und erlebt nun ein Desaster. 80 Prozent des beim Börsengang eingesammelten Geldes ist mittlerweile verbraucht. Das ist schon deswegen schlimm, weil auch viele echte Fans des Vereins ihr Geld in BVB-Aktien angelegt haben. Immer wieder versuchte die Vereinsführung zu beschwichtigen - doch am Donnerstag (17.2.05) nun stürzte das ganze Lügengebilde in sich zusammen.

Die Ursachen liegen auf dem Tisch: Einer der teuersten Spielerkader der Bundesliga, eingekauft im Rausch des Geldes. Eine völlig undurchsichtige Finanzierung des Stadion-Umbaus. Marketing-Aktionen, die jedem Experten die Schweißperlen auf die Stirn treiben.

Deutsche Vereine gehören nicht an die Börse

Borussia Dortmund Pressekonferenz

Existenzkrise: Borussia Dortmunds Manager Hans-Joachim Watzke (links) und Michael Meier

Während die Erfolge auf dem Fußballplatz ausblieben, verschleuderten die selbsternannten Strategen in der BVB-Chefetage in ihrem Größenwahn die Millionen. Mit den Kosten liefen die Risiken aus dem Ruder: Ein Darlehen hier, eine Anleihe da, eine Kapitalerhöhung dort. Die zu Hilfe gerufenen Finanzjongleure verscherbelten das Stadion, verpfändeten die Zuschauereinnahmen, zuletzt sogar den Vereinsnamen - ganz heimlich. Schlimmer geht es nicht. Am Ende blieb nur noch die Reißleine. Doch ob das den Klub vor dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit bewahren kann, bleibt fraglich.

Und natürlich bekommen nun alle die Oberwasser, die es schon immer gewusst haben: Fußballvereine gehören nicht an die Börse. Doch das ist falsch: Jedes zweite Börsen-Engagement eines europäischen Fußballklubs ist mehr oder weniger erfolgreich. Richtig dagegen ist: Deutsche Vereine gehören nicht an die Börse. Weil sie dafür nicht die richtigen Strukturen haben, beispielsweise Aufsichtsräte oder andere Kontrollgremien. Ex-Spieler, und waren sie noch so erfolgreich auf dem Platz, sind nicht automatisch gute Geschäftsführer.

Nur ein deutscher Verein hätte derzeit die finanziellen Möglichkeiten, sich einigermaßen risikofrei auf dem glatten Börsenparkett zu bewegen: Bayern München. Aber die lassen die Finger davon. Sie werden wissen, warum.

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  • Datum 18.02.2005
  • Autorin/Autor Henrik Böhme
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  • Permalink http://p.dw.com/p/6GSg
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