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Wirtschaft

Butter in der Sonne

Der Euro befindet sich auf Rekordniveau. Was dem deutschen Urlauber billig ist, kann die Wirtschaft teuer zu stehen kommen: Doch zum Glück haben die meisten Unternehmen vorgesorgt.

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Tendenz steigend

Der Euro erklimmt immer neue Höhen. Die europäische Gemeinschaftswährung übersprang am Dienstag (27.5.2003) die historische Höchstmarke von 1,1888 Dollar vom 4. Januar 1999 und markierte mit 1,1929 ein neues Allzeithoch.

Ein starker Euro ist gut für das europäische Selbstwertgefühl und verbilligt Importe aus dem Dollar-Raum. Er ist jedoch problematisch für die Exporte, denn der preisliche Wettbewerbsvorteil der Anbieter aus der Euro-Zone schwindet.

Kurs "Made in Washington"

An den Devisenmärkten bestätigt sich derzeit wieder einmal die alte These: Der Dollarkurs wird in Washington gemacht. Die amerikanische Regierung hat ein Interesse daran, über einen billigen Dollar die Exporte anzukurbeln und damit der flauen Konjunktur auf die Sprünge zu helfen. Mit Nervosität verfolgen die Spekulanten und Devisenhändler alle Äußerungen in den USA. Als sich US-Finanzminister John Snow über den niedrigen Dollar-Kurs unbesorgt äußerte, verstärkte der "Greenback" sofort seine Talfahrt. Alles in allem sind Waren aus der Euro-Zone innerhalb der letzten anderthalb Jahre in den USA um rund 30 Prozent teurer geworden.

Mussten Amerikaner vor einem Jahr noch 90 Dollar für ein Produkt zahlen, das 100 Euro kostete, so müssen sie heute für das gleiche Produkt mehr als 119 Dollar zahlen. Unter dem Druck der internationalen Konkurrenz sind die entsprechenden Preiserhöhungen häufig nicht durchzusetzen.

Das hat Konsequenzen: Um mühsam errungene Marktanteile zu halten, verzichten Unternehmen auf eigentlich notwendige Preiserhöhungen. Der Pharmakonzern Schering zum Beispiel hat im ersten Quartal 2003 auf dem amerikanischen Markt einen Umsatzrückgang um sechs Prozent auf 1,16 Milliarden Euro erlitten. Ohne den aufgewerteten Euro wäre dagegen der Umsatz von Schering in den USA um sechs Prozent gestiegen.

Aus Plus wird Minus

Stark betroffen ist auch die Deutsche Lufthansa, die in den USA sowie in Teilen Lateinamerikas Tickets in Dollar-Währung verkauft und bei der auch Kosten - zum Beispiel für Kerosin - in Dollar anfallen. 2001 hatte die Lufthansa durch den damals billigen Euro noch einen Zusatzgewinn von 67 Millionen Euro eingeflogen. 2002 ist durch den im Preis gefallenen Dollar daraus eine Belastung von 138 Millionen Euro geworden.

Mit dem billigen Dollar beziehungsweise dem aufgewerteten Euro werden die deutschen Ausfuhren in den Dollar-Raum teurer oder aber die Gewinne schmelzen wie die Butter in der Sonne. Für Exporteure, die nicht vorsorgt haben, ist das eine Katastrophe. 65 Prozent der deutschen Ausfuhren gehen allerdings in den Euro-Raum und sind damit von Währungsschwankungen unberührt. Für den Rest des Exports gelten die Zauberworte Kurssicherung und Devisen-Ausgleichsstrategie.

Das sei im wesentlichen ein Termingeschäft, sagt Anton Börner, Präsident des deutschen Außenhandelsverbandes. "Man kauft zum heutigen Kurs auf Termin drei Monate, sechs, zwölf, 15 Monate im voraus Devisen oder verkauft sie zu einem fest vereinbarten Kurs. Das kann man relativ gut in seine Kalkulation einbeziehen, weil man ja in etwa die Geldflüsse vorausberechnen und seinen Umsatz in etwa prognostizieren kann, so dass man da sehr gute Treffer-Wahrscheinlichkeiten erzielt."

Kurssicherungen sind für die Abrechnung einzelner Exporte ebenso möglich wie für erwartete Einnahmen längerfristiger Zeiträume. Die dafür fällige Prämie an die Bank kann je nach erwarteter Kursentwicklung teuer sein, ist aber bei ungünstiger Entwicklung der Devisenmärkte allemal billiger als ein saftiger Währungsverlust.

Strategien zur Risikominderung

Alle großen und viele kleine Unternehmen betreiben für ihre Export- und Importgeschäfte wenigstens zum Teil Kurssicherung. Porsche sichert die Exporte nach den USA, den wichtigsten Absatzmarkt des exklusiven Sportwagenherstellers, beispielsweise über Jahre ab.

Größere Konzerne fahren eine andere Strategie: Sie haben über die Jahre in Amerika Produktionsstätten aufgebaut, von denen aus sie den Dollar-Raum beliefern. Zum Beispiel die Chemie-Konzerne BASF und Bayer produzieren jeweils 90 Prozent ihrer in den USA verkauften Produkte vor Ort.

Andere Konzerne haben internationale Produktionsverbünde etabliert. BMW stellt ein Viertel der in Amerika verkauften Autos auch dort her. Auch DaimlerChrysler produziert in den USA. Diese Autohersteller fertigen zudem in ihren amerikanischen Fabriken Autos für den Weltmarkt und damit auch für ihre deutschen Kunden. Die dadurch mögliche konzerninterne Verrechnung mindert ebenso wie Importe von Zulieferteilen für die Produktion in Deutschland die grenzüberschreitenden Geldströme und das Währungsrisiko.

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