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Politik

Bushs Talisman - David Petraeus im Porträt

Er gilt als hochintelligent und selbstbewusst, er ist Fachmann für die Bekämpfung von Aufständischen - und eine von George W. Bushs letzten Hoffnungen im Irak. General David Petraeus im Porträt.

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General David Petraeus mit seinem obersten Dienstherrn

David Petraeus gilt als besonderer Experte bei der Bekämpfung von Aufständischen, darüber hat er auch ein Handbuch für das Heer geschrieben. Bei seiner Ernennung bezeichnete er die Lage im Irak als ernst, aber nicht hoffnungslos. Dieses robuste Selbstvertrauen ist genau nach dem Geschmack George W. Bush, genau deshalb verknüpfte er seine Truppenaufstockung im Irak mit der Berufung des 54-Jährigen zum Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte, wie es in Washington heißt. Als der Präsident ihn Anfang des Jahres in den Irak schickte, verglich er ihn mit einem kühnen und angriffslustigen Football-Trainer, der dafür bekannt ist, verlorene Spiele umzudrehen und noch zu gewinnen. Seitdem ist Petraeus der Hoffnungsträger für Bush, eine Art Talisman, wie es die "New York Times" kürzlich formulierte.

"Was hast Du heute getan?"

Petraeus gilt als einer der besten Kommandeure der US-Armee, als einer der intelligentesten und innovativsten Denker des amerikanischen Militärs. Petraeus promovierte einst an der Universität Princeton mit einer Arbeit über die "Lehren für das Heer aus dem Vietnamkrieg". Im Irak-Krieg war er von Anfang an dabei. Als Kommandeur führte er die 1. Luftlandedivision bis Bagdad. Dann übernahm er die Kontrolle im Nordirak mit der Stadt Mossul und leitete von 2004 bis 2005 die Ausbildung der irakischen Armee. "Was hast Du heute getan, um die Herzen und Köpfe der Iraker zu gewinnen?" Diese Frage ließ er auf Plakaten in den Kasernen stellen.

Seitdem er in Bagdad ist, versucht er umzusetzen, was er in seinem Handbuch als die "Antiguerilla-Strategie" beschrieben hatte. Das Prinzip ist simpel: Die US-Soldaten müssen die Zivilbevölkerung schützen und eng mit den irakischen Sicherheitskräften zusammenarbeiten. Früher haben sich die Truppen nach jedem Einsatz in ihre Lager zurückgezogen und damit nicht nur den Kontakt zur Zivilbevölkerung, sondern auch die eroberten Gebiete wieder verloren. Heute lebten sie mit der Zivilbevölkerung und ihren irakischen Kameraden und könnten die Gebiete halten, die sie zuvor erobert hätten.

Ende der Märchen

Er weiß: Niemand glaubt heute noch die Mär vom friedlichen Irak und dem kurz bevorstehenden Sieg, die seine Vorgänger so gern erzählten. Die jüngste Bilanz des Rechnungshofes und der Bericht der unabhängigen Kommission unter General Jim Jones waren dafür auch zu ernüchternd: Die Regierung in Bagdad habe nur sieben der insgesamt achtzehn Ziele erreicht oder teilweise erreicht.

Viele glauben jedoch: Wenn überhaupt jemand das Ruder im Irak herumreißen kann, dann dieser Mann. Schließlich ist Petraeus nicht zuletzt für seinen Ehrgeiz bekannt. Im Klassenbuch von West Point heißt es, "David ist einer, der immer das Maximum erreichen will, im Sport, im Akademischen, als Führer und sogar im gesellschaftlichen Leben". Viele Legenden sind über ihn im Umlauf, die meisten handeln über Zähigkeit. So soll er bei einer Truppenübung vor fünfzehn Jahren eine Schussverletzung knapp neben dem Herzen erlitten haben. Doch er blieb im Manöver - bis sein Vorgesetzter ihn auf einer Liege vom Übungsplatz tragen ließ. Selbst bei 50 Grad Celsius in Bagdad joggt er regelmäßig, so heißt es. Wenn jüngere Soldaten ihn bei einer kurzen Runde überholen, fordert er sie zu einem längeren Lauf heraus - den er dann selbstverständlich gewinnt.

Was hat Dave zu sagen?

Vielleicht sind es Geschichten wie diese, die George W. Bush in Petraeus seine letzten Hoffnungen für den Irak setzen lässt. Bush redet oft von seinem General, wie man aus Washington hört. "Lasst uns doch abwarten, was David zu sagen hat", bat der Präsident nach einem gemeinsamen Wochenende in Camp David.

Vielleicht fällt Petraeus inzwischen selbst schwer, an das zu glauben, was er immer wieder vorgibt: "Wir werden versuchen zu gewinnen." In dem Brief an seine Untergebenen schrieb er davon unzufrieden zu sein, betonte aber auch Erfolge. Etwa davon, dass in acht der vergangenen elf Wochen die Angriffe Aufständischer zurückgegangen seien. Und dass dies doch ein Grund zur Zuversicht sei. "Wir sind weit entfernt vom Tor", schrieb Petraeus, nun ganz wieder der tapfere Football-Coach. "Aber wir haben den Ball in der Hand und wir tragen ihn über das Feld". (sams)

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