1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Bushs diplomatischer Auftritt in Asien

Bilanz der Reise von US-Präsident Bush durch Japan, Südkorea und China - ein Kommentar von DW-Mitarbeiter Rainer Sollich.

default

Trinkpause in Beijing

Wenn es nach der Asienreise des amerikanischen Präsidenten einen ersten Schluss zu ziehen gibt, dann diesen: George W. Bush kann diplomatischer sein als man außerhalb der USA denkt. In Tokio, Seoul und Peking hörte man von ihm keine forschen Töne zur "Achse des Bösen". Und auch die latenten Kriegsdrohungen gegen den Irak spielten diesmal nur eine untergeordnete Rolle. Stattdessen wartete Bush mit Pragmatismus und wohldosierten Höflichkeiten auf - eine Mischung, die bei asiatischen Regierungen immer gut ankommt.

Auftritt in Japan

In Tokio stärkte Bush demonstrativ Ministerpräsident Junichiro Koizumi den Rücken - und lobte neben Japans Beitrag zum internationalen Anti-Terror-Kampf auch dessen wirtschaftliche Reformanstrengungen. Durchaus bemerkenswert, denn nicht wenige Beobachter sind der Meinung, Koizumi sei mit der Wirtschaftsreform überfordert. Den USA kann das wirtschaftliche Schicksal ihres wichtigsten Partners in Asien nicht egal sein. Und trotzdem: Öffentlich kein mahnendes Wort dazu von Bush. Er weiß: Notwendigen Druck kann man bei Verbündeten auch hinter den Kulissen ausüben.

Besuch in Südkorea

Trotz gewalttätiger Straßenproteste dürfte auch Südkoreas Präsident Kim Dae-Jung mit der Bush-Visite zufrieden sein. Denn der US-Präsident machte geradezu eine Kehrtwende und unterstützte unerwartet deutlich Kims Annäherungskurs gegenüber Nordkorea. Zwar brandmarkte Bush das Regime in Pjöngjang erneut als despotisch und warf ihm Streben nach Massenvernichtungswaffen vor. Aber zugleich unterstrich Bush seine Gesprächsbereitschaft und stellte klar, dass die USA trotz ihrer latenten Drohungen gegen die "Achse des Bösen" keinen Angriff auf Nordkorea planten - obwohl die USA noch kürzlich betont hatten, sie wollten sich 'alle Optionen' offen halten. Bush beseitigte damit die von ihm selbst geschaffenen Irritationen. Und: Er wird sich künftig an diesen Worten messen lassen müssen.

Deutliche Worte in China

Überwiegend deutliche Worte fand Bush in Peking, der letzten Station seiner Reise. In einer Rede vor chinesischen Studenten rief er Chinas Staatsführung unter anderem dazu auf, ihren Bürgern mehr Freiheitsrechte einzuräumen. Er tat dies in einer Form, die nicht konfrontativ, sondern selbstbewusst, konstruktiv und visionär wirkte - und die in ihrer Deutlichkeit weit über das hinausging, was beispielsweise Deutschlands Bundeskanzler Gerhard Schröder bei seinem jüngsten Besuch der chinesischen Staatsführung zumutete.

Bush weiß, dass China derzeit keine außenpolitischen Konflikte aufbrechen lassen will. Das Land ist ausreichend mit sich selbst beschäftigt: Noch in diesem Jahr steht ein politischer Führungswechsel bevor, zudem sieht China im Zuge des Beitritts zur Welthandelsorganisation (WTO) eine Menge soziale Probleme auf sich zukommen. Bush wagte sich zwar weit vor, aber er brachte seine Anliegen pragmatisch auf den Punkt - und musste feststellen, dass ihm Chinas Regierung trotzdem nicht jeden Wunsch erfüllt: Peking sagt vorerst weiter 'Nein' zu einem Abkommen über die Kontrolle chinesischer Waffentechnologie-Experten. Und es gab auch kein chinesisches 'Okay' zu einem möglichen US-Angriff auf den Irak. Aber: Bedenkt man, wie gespannt die bilateralen Beziehungen auch in jüngster Vergangenheit immer wieder waren, und wie sehr sich China wegen Japan, Südkorea, Taiwan und jetzt auch wegen Afghanistan von amerikanischer Militärpräsenz umzingelt fühlen muss, dann ging der Besuch erstaunlich glatt über die Bühne. Beiden Seiten ist in erster Linie an Stabilität gelegen.

Und Stabilität - darauf kommt es auch den amerikanischen Partnern in der Region an. George W. Bush hat in jüngster Zeit im Ausland viel Kritik einstecken müssen. Aber: Sein Auftreten in Japan, Südkorea und China läßt hoffen, dass die USA auch nach dem 11. September und dem Afghanistan-Feldzug nicht leichtfertig außenpolitische Abenteuer riskieren oder die Stabilität ganz Asiens aufs Spiel setzen wollen.