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Politik

Bush will mehr Soldaten im Irak

Der US-Präsident will die Truppenstärke von Heer und Marine erhöhen, vielleicht auch im Irak. Das würde die Kriegskosten weiter steigern. Nicht nur US-Oppositionelle kritisieren das Vorhaben.

US-Soldaten in Afghanistan

Bush: USA muss für einen "langen Krieg" vorbereitet sein

US-Präsident George W. Bush hat den angekündigten Wechsel der militärischen Strategie eingeleitet. "Ich neige zu der Überlegung, dass wir die Gesamtstärke sowohl des US-Heeres als auch der US-Marineinfanteristen vergrößern müssen", sagte er am Mittwoch (20.12.06) bei einer Pressekonferenz in Washington. Genaue Zahlen nannte er aber nicht. Bush sagte, er habe den am Montag vereidigten Verteidigungsminister Robert Gates darum gebeten, einen genauen Plan auszuarbeiten. Als eine seiner ersten Amtshandlungen reiste Gates am Mittwoch nach Bagdad, um mit den US-Kommandeuren zu reden und sich persönlich einen Eindruck von der angespannten Sicherheitslage zu verschaffen.

Teure Streitkräfte

Bei einer Anhörung im US-Senat Anfang Dezember hatte Gates auf die Frage, ob der Krieg gewonnen werde, mit einem klaren "Nein" geantwortet. Bush war dieser Frage am Dienstag in einem Interview der "Washington Post" ausgewichen und hatte Generalstabschef John Pace zitiert: "Wir siegen nicht, und wir verlieren nicht".

Zuvor hatte Bush stets einen Sieg der USA im Irak-Konflikt prophezeit. Nun korrigierte er: Seine Äußerungen gegenüber der "Washington Post" bezögen sich auf die Tatsache, "dass wir nicht so schnell vorankommen, wie ich wollte". Er glaube, "dass wir gewinnen werden". Ob neben der allgemeinen Aufstockung auch die Truppenstärke im Irak erhöht werden soll, ließ Bush offen.

Mit der Aufstockung der Armee kommt Bush Forderungen des US-Generalstabs nach, der zuletzt angesichts der zahlreichen weltweiten Einsätze vor einem Zusammenbruch der Armee gewarnt hatte. Die Armee hat bereits die Erlaubnis, vorübergehend bis zu 512.000 Reservisten - und damit 30.000 mehr als normal - in den aktiven Dienst zu berufen. Im Irak sind derzeit 134.000 Soldaten eingesetzt. Regierungskreisen zufolge wird über 15.000 bis 30.000 zusätzliche Truppen für sechs bis acht Monate diskutiert. Die jährlichen Kosten für 10.000 Soldaten liegen nach Angaben der "Washington Post" bei 1,2 Milliarden Dollar. Die Kosten des Krieges könnten nach Angaben aus dem Weißen Haus im laufenden Haushaltsjahr 110 Milliarden Dollar übersteigen.

Schwere Verluste

Eine Aufstockung der Truppen im Irak ist stark umstritten. Vor zwei Wochen empfahl die so genannte Baker-Kommission eine schrittweise Übertragung der Verantwortung für die Sicherheit auf die irakischen Truppen und den Abzug der US-Streitkräfte bis zum Frühjahr 2008.

Auch der demokratische Senator Edward Kennedy sprach sich gegen weitere Truppenverlegungen in den Irak aus. "Anstatt die Dinge besser zu machen, wird der Plan des Präsidenten, mehr Soldaten in den Irak zu schicken, die Sache dort nur noch schlimmer machen, so wie es auch viele Generäle sehen", sagte Kennedy. Vielmehr müsse es eine politische Lösung geben, die die verfeindeten Parteien zusammenbringe und bewirke, dass die Iraker die Zukunft in die eigene Hand nähmen.

Die US-Regierung hat eingeräumt, dass die Gewalt im Irak noch nie so schlimm gewesen sei wie in den vergangenen drei Monaten. Seit Beginn des Krieges im März 2003 sind fast 3000 US-Soldaten und mehr als 50.000 Iraker getötet worden. Die Einzelheiten der neuen Irak-Strategie seiner Regierung wird Präsident Bush voraussichtlich im Januar präsentieren. (ask)

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