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Politik

Bush wünscht Schröder viel Glück für sein Leben

Eine Männerfreundschaft sieht anders aus: Als US-Präsident George W. Bush den deutschen Bundeskanzler im Weißen Haus empfing, gaben sich beide humorvoll; aber weder persönlich noch politisch stimmte die Chemie.

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Bush über Schröders Wahlkampf: Nicht sein erstes Rodeo

Gerhard Schröder bei George Bush in Washington

Ein Händedruck gab es zumindest wieder zwischen George W. Bush und Gerhard Schröder

Wichtigstes Gesprächsthema bei dem rund zweistündigen Treffen von Bundeskanzler Gerhard Schröder mit US-Präsident George W. Bush am Montag (27.6.) im Weißen Haus waren der Iran und die Situation nach der Wahl von Mahmud Ahmadinedschad zum neuen Präsidenten. Bush bedankte sich bei Schröder für die Atom-Verhandlungen mit dem Iran, die Deutschland zusammen mit Großbritannien und Frankreich führt und die laut Schröder fortgeführt werden sollen.

"Es ist unsere gemeinsame Auffassung", sagte Schröder, "dass die friedliche Nutzung von Atomenergie niemand verwehrt werden kann, dass wir aber als internationale Staatengemeinschaft ein großes Interesse daran haben, dass es im Iran nicht zur Verfügung und Herstellung atomarer Waffen kommt." Man habe zur Kenntnis genommen, dass das iranische Volk einen neuen Präsidenten gewählt habe. "Das ist zu respektieren", fügte der Kanzler hinzu. Die drei europäischen Mächte, Frankreich, England und Deutschland würden die Verhandlungen, in denen sie seien, weiterführen.

Keine Unterstützung für Deutschland

Präsident Bush schlug gegenüber dem Iran einen deutlich schrofferen Ton an: "Wir werden mit Deutschland, Frankreich und Großbritannien weiter zusammenarbeiten, um ein klares, einheitliches Signal an die iranische Führung zu senden: Die Entwicklung einer Atomwaffe ist nicht akzeptabel. Ebenso wenig wie der Prozess, der dahin führt."

In der Frage eines ständigen deutschen Sitzes im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen bekam der Kanzler zu hören, was zuvor auch schon sein Außenminister hatte hinnehmen müssen. "Wir sind gegen keine Bewerbung eines einzelnen Landes für den Sicherheitsrat", sagte Bush. Aber eben – im Unterschied zur Bewerbung Japans – auch nicht für einen deutschen Sitz. Das ganze müsse eingebettet werden in eine umfassende UNO-Reform und da komme der Sicherheitsrat ganz am Ende, so Bush.

Bushs Dank

"Möglicherweise gibt es eine Differenz über das Tempo, in dem man eine Reform bewerkstelligt", musste der Bundeskanzler daher einräumen. "Wir sind für eine sehr schnelle Entscheidung. Aber ich habe zur Kenntnis genommen, dass es keine Opposition seitens des Präsidenten gegen Deutschland gibt, und ich habe es sehr gerne zur Kenntnis genommen."

Gerhard Schröder bei George Bush in Washington

Gerhard Schröder bei George Bush in Washington - man machte auch Witze

Bush bedankte sich auch für die Aufbauarbeit, die Deutschland im Irak leiste. Die Bundesregierung hat bislang 1200 Iraker - zur einen Hälfte Polizisten, zur anderen Hälfte Beamte - in den Vereinigten Arabischen Emiraten ausbilden lassen.

Rodeo-Experte

Eher ironisch gingen die beiden mit dem Thema Neuwahlen in Deutschland vor der Presse um. "Er ist ein erfahrener Wahlkämpfer und wird wissen was er zu tun hat", sagte Bush, der lange Zeit Schröder seine Haltung in der Irak-Frage auch persönlich übel genommen hatte. "Aber wir haben über die Wahlen noch nicht gesprochen. Im Übrigen gilt das texanische Sprichwort: "Es ist nicht sein erstes Rodeo.'"

Bush vermied es ausdrücklich, Schröder für die Wahlen Glück zu wünschen und am Ende kam dann doch noch so etwas wie Abschiedsstimmung auf. Schröder zur deutschen Presse: "Er hat mir Glück für mein Leben gewünscht."

Gerhard Schröder bei George Bush in Washington

Gerhard Schröder verlässt das Weiße Haus

Am Freitag will Bundeskanzler Schröder im Bundestag die Vertrauensfrage stellen. Die letzte Begegnung mit Bush wird es ohnehin nicht gewesen sein. Beide werden sich schon im Juli auf dem G8-Treffen im schottischen Gleneagles wieder sehen.

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