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Politik

Bush und Putin kommen sich näher

Das private Treffen der beiden mächtigsten Politiker der Welt an der malerischen Ostküste der USA blieb ohne große Ergebnisse. Aber immerhin bezeugten Bush und Putin beim gemeinsamen Fischen ihr gegenseitiges Vertrauen.

Bush und Putin in Kennebunkport, Quelle: AP

Weltpolitik ohne Krawatte

Für knapp 24 Stunden machte der russische Präsident Wladimir Putin in Kennebunkport im US-Bundesstaat Maine Station. Er besuchte die Sommerresidenz der Familie Bush, um das amerikanisch-russische Verhältnis zu verbessern, von dem es in letzter Zeit geheißen hatte, es sei auf einem Tiefpunkt angekommen. Vor allem Putins Rhetorik hatte an die Zeiten des Kalten Krieges erinnert. Nun durfte er also als erster Staatsgast von Bush junior mit nach Kennebunkport, im kleinen Kreis, informell und ohne Dolmetscher.

Keine Butter bei die Fische

Beide Präsidenten bemühten sich, Gelassenheit auszustrahlen und zu signalisieren: Schaut her, wir verstehen uns. Sie schmunzelten, standen dicht beieinander und warfen sich ab und zu einen wissenden Blick zu. Erzählten übers Angeln und dass Putin den einzigen Fisch gefangen habe – den man dann aber wieder in die Freiheit entlassen habe. "Ob ich ihm vertraue? Ja, ich vertraue ihm", sagte Bush. "Ob ich alles mag, was er sagt? Nein. Und ich vermute, er mag auch nicht alles, was ich sage. Aber wir können es in einer Weise aussprechen, die von gegenseitigem Respekt zeugt."

Bei genauem Hinsehen war die Tatsache, dass sie miteinander reden, schon das wichtigste Ergebnis des Treffens. Immerhin: Beide Seiten hatten bereits im Vorfeld angekündigt, dass es keine konkreten Ergebnisse geben würde, dass es sich nicht um einen Gipfel, sondern um ein privates Treffen handeln würde. Dabei habe man, so sagte Putin, vor dem gemeinsamen Mittagessen am Montag über so ziemlich alle internationalen Themen gesprochen, die zurzeit auf der Tagesordnung stehen.

Iran-Resolution bleibt Streitpunkt

Man habe Bereiche der Übereinstimmung gesucht und auch gefunden. Eine konkrete Zusage für eine scharfe UN-Resolution gegen den Iran hat Bush offenbar von seinem russischen Kollegen aber nicht bekommen. Bush möchte durchsetzen, dass alle Fracht, die in den Iran transportiert wird, untersucht wird. Dazu gab es kein Wort, nur die allgemeine Aussage von Bush: "Wir haben verschiedene Maßnahmen diskutiert, eine gemeinsame Botschaft zu senden." Wie genau diese Botschaft allerdings aussehen soll, sagten die beiden nicht.

Neues Angebot im Raketenschild-Streit

Im nach wie vor am heftigsten umstrittenen Thema, dem Raketenschutzschild für Europa, ist man sich in der Sache nicht wirklich näher gekommen. Dabei ging Putin in Kennebunkport offensiv vor: Er wolle das Thema bilateral zwischen den USA und Russland diskutieren und gleichzeitig die Europäer über die NATO und den NATO-Russland-Rat mit einbeziehen: "Was die Europäer angeht, ist dies ihre Entscheidung", sagte Putin. "Jedes Land muss dann entscheiden, ob es an dem System teilhaben will oder nicht."

Putin wiederholte sein Angebot, die Radarstation in Aserbaidschan zur Verfügung zu stellen und wenn nötig zu modernisieren - und er ging noch weiter: Er schlage Zentren zum Informationsaustausch in Moskau und Brüssel vor, und den Bau eines Frühwarnsystems in Südrussland. Dann würden die Anlagen in Polen und Tschechien nicht mehr nötig sein.

"Präsident Putin hat seine Vision erläutert, ich denke sie ist sehr aufrichtig und innovativ und strategisch", reagierte Bush. "Aber ich habe Wladimir gesagt, dass ich glaube, dass die Tschechische Republik und Polen Teil des Systems sein müssen."

Die Fronten bleiben also verhärtet, auch wenn nun über das Thema verstärkt geredet werden soll. Zu den ebenfalls strittigen Themen Irak-Krieg und der von den USA geforderten Unabhängigkeit des Kosovo, die Russland ablehnt, sagten beide Präsidenten nichts.

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