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Politik

Bush und Kerry: Die Totenkopfkameraden

Der Kampf um das Amt des mächtigsten Mannes der Welt läuft - Ausgang ungewiss. Eines steht jedoch jetzt schon fest: Der neue US-Präsident hat in Yale studiert und ist ein "Patriarch".

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Arm in Arm im Knochenkult oder harte Konkurrenten?

George W. Bush und John Kerry haben nicht nur ein gemeinsames Ziel, sondern auch eine gemeinsame Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die sie beide am liebsten verheimlicht hätten. Und eine Vergangenheit, die nie wirklich vergangen ist. Die beiden Präsidentschaftskandidaten sind Totenkopfkameraden - "Patriarchen", alte Herren der ominösen Studentenverbindung "Skull and Bones" der Elite-Universität Yale.

Bruderschaft des Todes

"Skull and Bones" (Schädel und Knochen) ist mehr als eine gewöhnliche Studentenverbindung. Die auch "Brotherhood of Death" genannte Gemeinschaft wurde 1832 in Yale von Alphonso Taft, dem späteren Kriegsminister der USA, und 14 weiteren Studenten ins Leben gerufen.

Evolution

"Skull and Bones" - was steckt hinter der Geheimverbindung?

Seitdem werden jedes Jahr von den Seniors, der Abschlussklasse 15 Junioren auserkoren, die im folgenden Jahr die neue Fraktion der Geheimorganisation bilden sollen. Auf unzähligen Websites, die sich mit "Skull and Bones" beschäftigen, wird von bizarren Aufnahmeritualen berichtet. Neue Mitglieder sollen in offenen Särgen masturbierend ihre Sexgeschichten offen legen. Soweit die Gerüchte. Kein Wunder, dass Bush und Kerry dieses dunkle Geheimnis ihrer Mitgliedschaft am liebsten unter Verschluss gehalten hätten.

Doch die Bruderschaft des Todes hat natürlich auch ihre Vorteile. Von finanzieller Absicherung bis zum Lebensende und fünfstelligen Geldgeschenken zur Graduierung wird gemunkelt. Ein Blick auf die Mitgliederliste, das einzige öffentliche Dokument der Verbindung, macht deutlich, dass es eines der Ziele der Bruderschaft ist, ein möglichst einflussreiches und mächtiges Netzwerk aufzubauen. Viele "Patriarchen" sind heute ranghohe CIA-Obere, mächtige Wall-Street-Broker oder eben Präsidenten. Neben George W. Bush regierten auch William Taft und George Bush sen. mit dem Knochenkult.

Zwangs- gegen Traumkandidat

Bush geht in die Offensive

Kein Traumkandidat für die Bruderschaft des Todes: George W. Bush

George Bush sen. war es auch, der seinem Sohn den Weg in die "Brotherhood of Death" ebnete. Als schwacher Student, schwacher Sportler und guter Trinker war George W. ansonsten nicht gerade prädestiniert für eine "Skull and Bones"-Mitgliedschaft. Da aber insgesamt neun Bushs Verbindungsmitglieder waren, konnte er auf seinen Familienstammbaum bauen.

John Kerry war dagegen eine Art Traumkandidat für den Geheimclub: aktiv in drei Sportteams, Vorsitzender eines Politikclubs. Von Stolz ist aber auch bei ihm nichts zu spüren. Als er im Januar 2004 von einem Demonstranten mit einem Plakat an seine Mitgliedschaft im Club der Schädel und Knochen erinnert wurde, guckte er stur an der Tuch-gewordenen Vergangenheit vorbei - kein Kommentar. Kerry und Bush halten sich strikt an ihr Schweigegelübde und äußern sich nicht zu ihrer Verbindung mit "Skull and Bones".

Wie weit reicht die Knochenbrüderschaft?

Aber können denn zwei Knochenbrüder, die ihrer Verbindung ewige Treue geschworen haben, ernsthaft gegeneinander antreten? Obwohl die heiße Phase des Wahlkampfes längst begonnen hat,

John Kerry

John Kerry zieht jetzt härtere Saiten im Wahlkampf auf

schleichen die beiden Kandidaten bei den wirklich wichtigen Themen um den harten Konfrontationskurs wie die Katze um den heißen Brei. "Möglichst in seiner ersten Amtszeit" will John Kerry die amerikanischen Truppen aus dem Irak nach Hause holen - selbst Bush dürfte dafür kaum länger brauchen. Die im Kyoto-Protokoll festgelegten Ziele, die Bush komplett ablehnt, hält Kerry auch nicht vor 2008 für erreichbar. In Sachen Waffengesetz wollte sich Kerry ebenso nicht klar von Bush distanzieren: "Als Waffenbesitzer und Jäger weiß ich doch eins: Ich würde niemals auf die Idee kommen, mit einem Schnellfeuergewehr auf die Jagd zu gehen."

Rund sechs Wochen vor der Präsidentschaftswahl wird der Ton aber auch beim Herausforderer Kerry scheinbar schärfer. Die Invasion im Irak habe eine Krise von historischer Dimension verursacht, sagte Kerry in einer Rede an der Universität an New York, und drängte auf einen Kurswechsel in der Irak-Politik. Trotz Brüderschaft könnte es langsam ein Kampf auf Leben und Tod werden, bei dem von einem Kandidaten am Ende wohl nur noch "Skull and Bones" übrig bleiben.

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