1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Bush und der Kameramann von der Verkehrsinsel

Eines muss man dem amtierenden Präsidenten George W. Bush lassen. Er hat ein wahres Elefantengedächtnis, wie eine Anekdote von Stephan Bachenheimer beweist.

default

Amerikanische Präsidenten und solche, die es werden wollen, müssen im Wahlkampf einen Härtetest absolvieren. Sie müssen redegewandt sein, ihren Steuerbescheid und ihre Krankengeschichte veröffentlichen, Es wird erwartet, dass sie sympathisch sind, gut aussehen - und über großes Wissen verfügen. Aber wie steht es um das Personengedächtnis von Präsidenten oder Amtsanwärtern?

Hillarys Blackout

Die Situation erinnerte an Prüfungsstress der schlimmsten Sorte: "Wissen Sie, wie der neue russische Präsident heißt?" fragte der Moderator die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton in der letzten amerikanischen Fernsehdebatte. "Kennen Sie seinen Namen?"

Der mitfühlende amerikanische Zuschauer, der sich gerade erst an den Namen Putin gewöhnt hatte, verfolgte mit schweißnassen Händen und zugeschnürter Kehle Hillarys Antwort. "Eh, med emd." Pause. "Meh, uhm, Me-ned-vadah - whatever." Dann grinste Hillary wie ein ertappter Primaner in der vorletzten Sitzreihe.

Bushs Elefantengedächtnis

Um Mednedvah watever? Immerhin, das war noch besser als Präsidentschaftskandidat Bush im Wahlkampf 2000. Damals fragte ein Reporter George W. Bush, ob er den Namen des Generals wisse, der Pakistan kontrolliere. Bushs Gegenfrage - "Warten Sie mal, wollen sie mir jetzt 50 Fragen stellen?" - konnte das Dilemma nicht kaschieren. Bush kannte den Namen nicht.

Dabei ist Bush ein gutes Beispiel dafür, dass es als Präsident nicht darauf ankommt, von vorneherein alles zu wissen, sondern sich nach Amtsantritt vieles zu merken. Und Präsident Bush - auch wenn er dafür nur selten gewürdigt wird - schneidet da ausgesprochen gut ab. Bush hat ein Elefantengedächtnis.

Wiedersehen auf der Verkehrsinsel

Ich erinnere mich an eine Szene während der letzten UN-Generalversammlung in New York. Wie in jedem Jahr standen wir Reporter und Kameraleute neben den Satellitenwagen auf einer Verkehrsinsel aufgereiht, inmitten der Wagenkolonnen der Staatsoberhäupter.

Es formierten sich Polizeimotorräder und die Wagenkolonne des amerikanischen Präsidenten rollte - wegen einer Sicherheitsschwelle auf der Straße - im Zeitlupentempo an uns vorbei. Bush auf dem Rücksitz der Präsidentenlimousine aus dem Fenster schauend. Und dann plötzlich, wie elektrisiert, winkte der mächtigste Mann der Welt begeistert dem neben mir stehenden Kameramann zu wie einem alten Bekannten. Der winkte - ebenso begeistert - seinem alten Bekannten Bush zurück. Eine bemerkenswerte Szene. Denn die beiden kennen sich nicht wirklich. Nur von dieser Verkehrsinsel.

Seit einigen Jahren, so erzählt der Kameramann, steht er zu Zeiten der UN-Generalversammlung am gleichen Fleck auf dieser Verkehrsinsel und salutiert oder winkt dem Präsidenten beim Vorbeifahren zu. Das tun nur wenige Menschen vor der UNO, wenn sie George W. Bush sehen. Sehr, sehr wenige. Bush hat sich das gemerkt. Die Freude war nicht gespielt, als er den Kameramann sah. Mike heißt er, oder so ähnlich.

Umm. whatever.