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Deutschland

Bush Senior: "Das vereinigte Deutschland hat meine Erwartungen erfüllt"

George H. W. Bush war US-Präsident, als die Mauer fiel. Im DW-Interview schildert der 90-Jährige, wie er den sowjetischen Präsidenten Gorbatschow überzeugte, Deutschland wiederzuvereinigen.

Deutsche Welle: Mr. Bush, wenn Sie sich an das Jahr 1989 erinnern: Wie haben Sie persönlich damals den Fall der Mauer gesehen?

George H. W. Bush: Obwohl mich das, was sich augenscheinlich ereignete, persönlich begeisterte, habe ich mich davor gehütet, den Medien vorschnell Statements zu geben. Wir mussten mit Vorsicht und Bedacht auf die guten Nachrichten reagieren. Dabei ging es darum, wie Präsident Gorbatschow sich verhalten würde, aber auch wie seine Gegner in der Sowjetunion reagieren würden. Schadenfreude war nicht gefragt.

Wie haben Sie und Bundeskanzler Helmut Kohl den sowjetischen Präsidenten Gorbatschow davon überzeugt, dass Deutschland wiedervereinigt und Mitglied der NATO werden sollte?

Wir haben uns sehr bemüht, in der Debatte um die Wiedervereinigung einen konstruktiven Ton anzuschlagen und unseren Willen zur Zusammenarbeit zu signalisieren. Wir wollten auf keinen Fall, dass die Wiedervereinigung und ein neues, geeintes und freies Europa auf Kosten anderer Nationen gehen. Ost und West sollten gleichermaßen daran beteiligt sein. Uns war bewusst, dass es bei den anstehenden Veränderungen keine Gewinner und Verlierer geben durfte.

Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl hat deutlich gemacht, dass sein enges und vertrauensvolles Verhältnis zu Ihnen von ausschlaggebender Bedeutung bei der Wiedervereinigung Deutschlands war. Können Sie sich an die wichtigsten Entscheidungen erinnern, die sie fällen mussten?

Die allerschwierigste Entscheidung war, ob wir die Wiedervereinigung unterstützen sollten. Doch insbesondere wegen des engen und vertrauensvollen Verhältnisses, das Sie angesprochen haben, war es am Ende nicht schwer, fiel die Entscheidung am Ende nicht schwer.

George Bush und Helmut Kohl 1989 - Foto: AFP

Regierungschefs Bush und Kohl (1989): Enges und vertrauensvolles Verhältnis

In Ihrer Rede an das deutsche Volk am 2. Oktober 1989 sagten Sie, dass - in einer Welt ohne die Mauer - Deutschland uneingeschränkt seinen Beitrag zu Frieden und Sicherheit in der Welt leisten wird. Hat Deutschland Ihre Erwartungen erfüllt?

Ja, mehr als das! Es ist einfach toll zu sehen, wie Deutschland die schwierigen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Vereinigung gemeistert hat und eine führende Rolle bei einer Vielzahl von regionalen und globalen Themen spielt.

Seitdem Sie Deutschland eine enge Führungszusammenarbeit angeboten haben, die Sie "Partnership in Leadership" nannten, hat sich die Welt dramatisch geändert - was sich auch auf das deutsch-amerikanische Verhältnis auswirkte. Ist die Achse Berlin-Washington noch stark genug, um neue internationale Herausforderungen zu bewältigen, wie den Ukraine-Konflikt und die Krise im Nahen Osten?

Ich bin optimistisch, was die gemeinsame Zukunft der Vereinigten Staaten und Deutschlands angeht. Denn ich bin davon überzeugt, dass es in beiden Ländern genug Leute gibt, die wissen, dass wir als Alliierte und Partner sehr viel mehr erreichen können, als jeder für sich allein.

Deutschland will mehr Verantwortung in der Welt übernehmen. Heißt das aus Ihrer Sicht auch, dass die Bundesregierung den deutschen Beitrag zum US-geführten Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" erhöhen sollte?

Das ist eine innere Angelegenheit und die sollen Kanzlerin Merkel, die ich sehr schätze, und deren Berater selbst regeln. Ich habe nie viel von unerbetenen Ratschlägen gehalten, schon gar nicht, wenn diese von einem 90-Jährigen kommen.

In Ihrer Rede an das deutsche Volk haben sie betont, dass Amerikaner und Deutsche dieselben Werte teilen. Seit dem NSA-Skandal zeigen Umfragen, dass viele Deutsche dies infrage stellen und den USA misstrauen. Was müsste getan werden, um das Vertrauen wieder herzustellen und die Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten wieder zu verbessern?

Ich hoffe, dass das Mauerfall-Jubiläum wieder mehr ins Bewusstsein bringt, welchen wichtigen Beitrag das amerikanische Volk und seine Regierung für Deutschland und dessen Wohlstand geleistet haben - nicht nur seit 1989, sondern seit 1945. Das ist etwas sehr Großartiges und Beständiges, das hoffentlich nicht durch die Irritationen der letzten Zeit an dauerhafter Strahlkraft verliert.

George Herbert Walker Bush war von 1989 bis 1993 Präsident der USA.

Das Gespräch führte Gero Schließ in Washington.

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