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Politik

Bush predigt Enthaltsamkeit gegen AIDS

Wer enthaltsam lebt, steckt sich nicht mit AIDS an - so einfach ist die Formel, die Bush auf seiner Afrika-Reise verkündet. Doch der Ansatz geht nicht nur an der Realität vorbei, er verhindert auch Aufklärung.

Nigerianerin in einer HIV-/Aids-Klinik, Quelle: AP

Nigerianerin in einer HIV-/Aids-Klinik, Quelle: AP

Sexuelle Enthaltung zu predigen, das ist für die Regierung von George W. Bush ein wichtiges Mittel ihrer Anti-AIDS-Politik. Und dass das amerikanische Engagement in Afrika erfolgreich ist, betont der US-Präsident gern und oft, zuletzt in seiner Rede zur Lage der Nation. Seit 2003 hat die US-Regierung 15 Milliarden Dollar investiert, dieser Notfallplan gegen AIDS hilft nach ihren eigenen Angaben rund 1,4 Millionen Menschen. "Vielen bringen wir Heilung und Hoffnung", sagte Bush in seiner letzten großen Rede, "daher bitte ich Sie, an dem Grundprinzip der Enthaltsamkeit festzuhalten und dieses Programm zu einem Erfolg zu machen".

Krankenhaus in Südafrika, Quelle: AP

Schlechte Ausstattung und zu wenig Platz in Krankenhäusern sind keine Seltenheit

Rosemary Muganda-Onyando bezweifelt diesen Erfolg. Die Direktorin des Zentrums für Jugendstudien in Nairobi freut sich zwar über die Finanzspritze aus Washington und sie kennt auch kein anderes Land, das so viel Geld gibt. Aber die zusätzlichen Mittel zur AIDS-Bekämpfung haben die USA an anderer Stelle eingespart, etwa für Aufklärungskampagnen und Informationen zur Familienplanung. Es gebe kaum Verbindungen zwischen den HIV/AIDS-Programmen und den Familienplanungsprogrammen, bedauert sie: "Dabei kann man gar keine Programme gegen HIV und AIDS durchführen, die Familienplanung und sexuelle Aufklärung außer Acht lassen."

Enthaltsamkeit statt Aufklärung

Ohne Aufklärungsprogramme fehlt vielen Jugendlichen auch das Wissen, wie sie sich mit AIDS anstecken können. Und wer den richtigen Gebrauch von Verhütungsmitteln kennt, kann sich nicht nur vor AIDS schützen, sondern auch vor anderen Geschlechtskrankheiten. Dieses Wissen, dass früher die Aufklärungsprogramme vermittelt haben, hat in der aktuellen Anti-AIDS-Strategie aber keinen Platz. Stattdessen zählt dort nur eine simple Botschaft: Enthaltung.

George W. und Laura Bush in Tansania, Quelle: AP

George W. und Laura Bush in Tansania

Ob im Fernsehen, in Radiospots, auf Plakaten, Anzeigen und in Broschüren - die Botschaft ist immer die gleiche: Wer Single ist, soll auf Sex ganz verzichten und Ehepaare müssen sich treu bleiben. Genaue Fakten zu AIDS fehlen aber. Und Kondome sollten nach Meinung der US-Regierung nur Risikogruppen wie Prostituierte oder HIV-infizierte Ehepaare benutzen. Damit diese Botschaft auch ankommt, gibt es ein spezielles Gesetz: Demnach muss ein Drittel aller amerikanischen Mittel, die in Vorbeugungskampagnen gegen AIDS fließen, für reine Enthaltsamkeits-Kampagnen ausgeben werden. Leonard Okello von der Hilfsorganisation ActionAid in Uganada, berichtet von Plakaten, die Mädchen dazu auffordern, enthaltsam zu bleiben: "Wenn die Mädchen bis zur Ehe enthaltsam bleiben, dann heiraten und die AIDS-Raten steigen dennoch, dann ist eines klar: Diese Botschaft funktioniert nicht", so seine Beobachtung.

Kritiker wie Okello hoffen nun auf die Präsidentschaftswahlen in den USA im November. Denn sowohl Hillary Clinton als auch Barack Obama haben versprochen, bei der AIDS-Vorbeugung andere Schwerpunkte setzen.

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