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Politik

Bush möchte Reagans Enkel werden

Was hätten die USA und Europa zu erwarten, falls US-Präsident George W. Bush in eine zweite Amtszeit gewählt würde? Antworten auf diese Frage gibt Jackson Janes von der Johns Hopkins Universität in Washington.

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Helmut Kohl hat sich stets stolz als Enkel Konrad Adenauers bezeichnet. George W. Bush wollte beim Begräbnis von Ronald Reagan wohl eine ganz ähnliche Botschaft über seine Beziehung zu Reagan aussenden. Dieser Ansicht waren jedenfalls etliche Kommentatoren. Sie bewerteten Bushs Lobrede auf seinen verstorbenen Amtsvorgänger als Versuch, sich mit Reagan, dessen Stil und Politik in eine Reihe zu stellen. Allein dieser Versuch offenbarte eher einen großen Unterschied zwischen Bush und Reagan als Gemeinsamkeiten. Dennoch fordert die Aussicht auf eine zweite Amtszeit Bushs eine Analyse heraus, welche Auswirkungen seine Wiederwahl auf die US-Außenpolitik haben könnte.

Reagan hat den Kalten Krieg gewonnen, heißt es. Man darf dabei freilich nicht vergessen, dass ihm dieser Sieg durch einen starken Partner ermöglicht wurde: Michael Gorbatschow. Seit ihrem ersten Treffen im Jahr 1985 in Genf bis zum Ende des Kalten Kriegs stellten sich zunehmend gemeinsame Interessen und Ziele der beiden heraus.

Gleichgewicht des Schreckens

Sollte George W. Bush in eine zweite Amtszeit gewählt werden, wird er dann einen ähnlichen Pfad einschlagen wie Reagan? Das ist schwer vorstellbar. Erstens mangelt es Bush an einem mit Gorbatschow vergleichbaren Gegenspieler, mit dem er Frieden schließen könnte. Zweitens ist die Welt eine andere geworden. Obwohl wir damals unter der Bedrohung von 50.000 Nuklear-Waffen auf beiden Seiten leben mussten, sind die Gefahren, denen wir uns heute gegenüber sehen, ähnlich furchteinflößend. Es fehlt heute jedoch ein vergleichbares Gleichgewicht des Schreckens, das früher existierte und eine Verwendung der Waffen verhinderte. Die Erfahrungen des 11. Septembers und weitere terroristische Attentate auf der ganzen Welt haben dagegen unsere fortschreitende und weltumspannende Verletzbarkeit offenbart.

George W. Bush definiert sich selbst als Kriegs-Präsidenten. Diese Erbschaft habe er angetreten, und er müsse die Nation und die Welt gegen den Terrorismus verteidigen. Dieses Mandat ähnele dem, das bereits Ronald Reagan übernommen hatte, sagte Bush bei dessen Begräbnis. Reagan sei zuversichtlich gewesen, so Bush, "dass ein starkes Amerika den Frieden auf der Welt fördern kann; und er baute die Stärke auf, die diese Mission erforderte. Er war zuversichtlich, dass sich Freiheit überall dort entfallen wird, wo immer sie gepflanzt wird, und er verteidigte die Freiheit überall dort, wo sie bedroht war. (…) Wenn er das Böse am Horizont erblickte, dann nannte er es bei seinem Namen." Freilich betonte Reagan aber genau zu der Zeit, als er nach Moskau flog, dass die Sowjetunion nicht länger das Reich des Bösen sei.

Die Probleme bleiben

Präsident Bush würde in einer zweiten Amtszeit genau dieselben Probleme vor sich haben, die er heute als das Böse bezeichnet - sei es im Iran oder in Nordkorea. Würde er anders an diese Herausforderungen herangehen als in seiner ersten Amtszeit? Eine andere Politik machen? Partnern und internationalen Institutionen wie der UNO weniger feindlich begegnen? Das sollte man nicht von ihm erwarten. Hier liegen die Unterschiede zwischen Reagan und Bush. ...

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