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Kultur

Bush, Kerry und die Wissenschaft

Gewöhnlich frönen Wissenschaft und Forschung im US-Wahlkampf ein Schattendasein. Diesmal aber stehen sie voll im Scheinwerferlicht: Neben dem Umweltschutz wird besonders um die Stammzellenforschung heftig gestritten.

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Muss immer alles, was machbar ist, auch gemacht werden?


Embryonale Stammzellen gelten für die Forschung als besonders wertvoll, da sie sich zu jeder Zelle des menschlichen Körpers weiterentwickeln können. Die nur wenige Tage alten Stammzellen sind für den streng gläubigen Präsidenten George W. Bush der Beginn eines menschlichen Lebens und deshalb nur ganz begrenzt für Forschung mit Steuergeldern zugelassen. Für seinen Gegner John Kerry dagegen beinhalten die Stammzellen das Versprechen auf Therapie-Möglichkeiten für Krankheiten wie Diabetes, Alzheimer und Parkinson.

Stammzellenstreit

Menschliche Stammzelle p178

Menschliche Stammzelle

Neuen Zündstoff erhielt die Stammzellen-Debatte durch den Tod des früheren US- Präsidenten Ronald Reagan sowie des querschnittsgelähmten "Superman"- Darstellers Christopher Reeve: Reagan litt an Alzheimer, einer Krankheit, gegen die es nach Überzeugung seiner Frau Nancy, seines Sohnes Ron und zahlreicher Experten nur eine Waffe gibt: Stammzellen.

Der beim Reiten verunglückte Reeve glaubte fest daran, dass Stammzellen ihm eines Tages helfen würden, wieder laufen zu können. Nur einen Tag vor seinem Tod bedankte sich der populäre Fürsprecher für Behinderte telefonisch bei Kerry dafür, dem Thema im Wahlkampf Aufmerksamkeit verschafft zu haben. Reeves Kollege, der Parkinson- Patient Michael J. Fox ("Hello, Mr. President"), warb mehrmals neben Kerry für die Stammzellenforschung.

Stammzellenforschung

Kulturen von embryonalen Stammzellen in einem Forschungslabor der Wiskonsin-Universität in Madison, USA (1998)

Kerry kündigte an, die Beschränkungen für die Stammzellenforschung aufheben zu wollen und die Forschungsgelder für diesen Bereich aufzustocken. "In Amerika opfern wir die Wissenschaft nicht einer Ideologie", ließ der Präsidentschaftskandidat wissen. Möglicherweise bahnbrechende Behandlungsmethoden könnten derzeit wegen der Beschränkungen bei der Forschung mit Stammzellen nicht genutzt werden. Bush hat im August 2001 die Forschung auf bereits bestehende Linien beschränkt. Derzeit ist die Verwendung von US-Bundesmitteln zur Stammzellenforschung untersagt.

Rekordsumme für Forschung

Generell kann sich Bush allerdings als Förderer von Forschung und Technologie brüsten. Seit seinem Amtsantritt stiegen die Zuschüsse aus dem Staatssäckel um 44 Prozent. Das Fachjournal "Science" (Bd. 306) bezifferte das Budget der Nationalen Gesundheitsinstitute (NIH) kürzlich auf 28 Milliarden Dollar (knapp 23,4 Milliarden Euro). Das sei mehr als die Gesamtsumme, die alle anderen Regierungen der Welt für die Biomedizin bereitstellen.

Zeichnung USA Programm zu Raketenabwehr

So könnte es aussehen, das Radarsystem zur Abwehr von Raketenangriffen

Für das Haushaltsjahr 2005 versucht die Regierung Bush gerade, eine Rekordsumme von 132 Milliarden Dollar zugunsten von Forschung und Entwicklung durchzudrücken. Das sind noch einmal 4,3 Prozent mehr als in diesem Jahr. Allerdings sollen wenigstens 57 Prozent davon in Technologien für das Militär und die Landessicherheit fließen. Allein für die als "Star Wars" bekannte Weltraumverteidigung hat das Pentagon unter Bush zehn Milliarden Dollar pro Jahr reserviert - ein Projekt, das Kerry ablehnt.

Wie auskommen ohne Öl?

Alaska-Pipeline

Die Alaska-Pipeline geht mitten durch ehemals unberührte Natur

Beide Präsidentschaftskandidaten wollen die USA unabhängiger von Ölimporten machen, verfolgen jedoch unterschiedliche Wege. Bush sieht nur einen Ausweg aus der steigenden Ölnachfrage: mehr Förderung. Dafür will er unter anderem Alaskas arktische Wildnis zum Bohren freigeben und gleichzeitig die Atomenergie ausbauen. Kerry will vor allem die Benzinsparvorschriften verschärfen und die erneuerbaren Energien stärker fördern. Er favorisiert unter anderem ein neues "Manhattan Project", das alternative Energien aufzeigen und "Amerika in zehn Jahren unabhängig machen soll vom Erdöl aus Nahost". Kerry will steuerliche Vergünstigungen für Autos mit Wasserstoffantrieb und sprach sich bereits vor zehn Jahren für eine Benzinsteuer von 50 Prozent aus, um den Verbrauch zu drosseln.

Abgas

Puh, es stinkt zum Himmel!

Bush revidierte etliche Umweltschutzmaßnahmen seines Vorgängers Bill Clinton und löste damit Stürme der Entrüstung aus. Seine Regierung will den zulässigen Wert für Arsen im Trinkwasser anheben und gab im Juli dieses Jahres 24 Millionen Hektar geschützte Waldfläche zum Straßenbau frei. Kerry dagegen initiierte oder unterstützte in den letzten 15 Jahren rund 40 neue Umweltschutzgesetze im Kongress. Er nahm 1997 persönlich am Klimagipfel in Kyoto teil, während die Bush-Regierung sich bald nach ihrem Amtsantritt in 2000 vom Kyoto-Klimaschutzprotokoll distanzierte. (arn)

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