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Politik

Bush in Brasilien: Ethanol und Tränengas

US-Präsident Bush hat zu Beginn seiner Reise durch Lateinamerika in Brasilien Ethanol als Weg gegen die Öl-Abhängigkeit gepriesen. Dafür erntete er scharfe Kritik - nicht nur von Hugo Chávez.

Protestanten in São Paulo mit Bush-Bildern mit Hilter-Bart Quelle: AP

Persona non grata: Bush ist in São Paulo nicht willkommen

Im Mittelpunkt des Bush-Besuchs stand am Freitag (9.3.) ein unverbindliches Abkommen zur gemeinsamen Entwicklung von Ethanol als Benzin-Alternative. Die Regierung in Washington erhofft sich davon nicht nur eine Antwort auf die Gefahren des Klimawandels, sondern will so auch die Abhängigkeit von Ölexporten verringern und den Einfluss des venezolanischen Staatschefs Hugo Chávez eindämmen.

"Potenzial unserer Länder"

"Bioethanol und Biodiesel haben das Potenzial, unsere Länder zu verändern", sagte Bush nach der Besichtigung einer Ethanolanlage des brasilianischen Konzerns Petrobras. Sie könnten die Abhängigkeit von Rohölimporten verringern, die Wirtschaft ankurbeln und die Umwelt entlasten, fügte Bush in Anwesenheit seines brasilianischen Amtskollegen Luiz Inacio Lula da Silva hinzu. "Es liegt im Interesse der USA, dass die Länder der Region in Sachen Energie Selbstversorger werden und nicht von anderen abhängig bleiben."

In Brasilien wird Ethanol vor allem aus Zuckerrohr hergestellt, während in den USA dafür Mais zum Einsatz kommt. Zum Schutz der heimischen Produktion erheben die USA einen Zoll von 0,54 Dollar für jede Gallone (3,8 Liter) Ethanol aus Brasilien. Dort setzen bereits acht von zehn Neuwagen den alternativen Kraftstoff aus Zuckerrohr ein. Umweltschützer warnen allerdings auch vor negativen Folgen der Ethanolerzeugung aus Zuckerrohr durch Monokulturen, erhöhten Einsatz von Pestiziden, weiteren Rodungen des Regenwaldes, Beeinträchtigung des Grundwassers und Verdrängung der Kleinbauern.

"Das muss gestoppt werden"

In São Paulo demonstrierten etwa 30.000 Menschen im Bankenviertel der Stadt gegen den Bush-Besuch. Bei dem zunächst friedlichen Protestmarsch forderten sie unter Trommelklängen ein Ende des Irak-Krieges und bezeichneten den US-Präsidenten als Umweltverschmutzer. Einige Teilnehmer hielten auch Zuckerrohrstangen hoch, um so gegen die Vereinbarung mit den USA zu protestieren. "Bush und seine Leute versuchen, die Produktion von Ethanol in Brasilien unter Kontrolle zu bringen, und das muss gestoppt werden", sagte Suzanne Pereira dos Santos von der brasilianischen Landlosenbewegung MST. Bei Zusammenstößen mit der Polizei wurden mindestens 18 Menschen verletzt. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein.

Zuckerrohr - Rohstoff für Zucker und Ethanol

Zuckerrohr - Rohstoff für Zucker und Ethanol

Brasilien ist die erste Station von Bushs einwöchiger Lateinamerika-Reise. Anschließend wird er in Uruguay, Kolumbien, Guatemala und Mexiko erwartet. Auf seiner Reise will der US-Präsident Partner finden, um Venezuelas Präsident Hugo Chávez in seine Schranken zu weisen. Chávez hat bei seinem Besuch in Argentinien Bushs Lateinamerikareise scharf kritisiert. Bush wolle auf diese Weise "das Gesicht des Empires in Lateinamerika sauber waschen", sagte der linksgerichtete Politiker bei seiner Ankunft in Buenos Aires. "Aber das ist zu spät." Die Reise Bushs sei nur der Versuch, Lateinamerika zu spalten. Auf dem Programm von Chávez steht neben Gesprächen mit dem argentinischen Präsidenten Néstor Kirchner auch die Teilnahme an einer Protestkundgebung gegen Bush in einem Fußballstadion in Buenos Aires - 65 Kilometer von Montevideo entfernt, wo Bush mit dem uruguayischen Präsidenten Tabaré Vazquez zusammentreffen wird.

In Kolumbien warnte die Polizei davor, dass linksgerichtete Guerilla-Gruppen Anschläge und Sabotage-Akte während des Bush-Besuchs planen könnten. Auch in Kolumbien gab es bereits den zweiten Tag in Folge Zusammenstöße zwischen Studenten und der Polizei. (sams)

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