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Afrika

Burundische Flüchtlinge: Neuanfang im Kongo?

Auf der Flucht vor dem Krieg in ihrer Heimat, sehen sich viele burundische Flüchtlinge im Exil mit einer großen Perspektivlosigkeit konfrontiert. Eine Reportage aus einem Flüchtlingscamp im Kongo.

Das Trommeln und Singen gibt ihnen Trost. Es hilft ihnen, für einen kurzen Moment zu vergessen, was geschehen ist. Dicht gedrängt scharen sich die Menschen im Flüchtlingslager von Lusenda um ihren Vorsänger Dieudonné (Name von der Redaktion geändert). Lusenda liegt in der Provinz Südkivu im Osten der Demokratischen Republik Kongo, nur wenige Kilometer vom Tanganjika-See entfernt. Am anderen Ufer liegt der südliche Zipfel von Burundi, dem Heimatland, das sie alle überstürzt verlassen mussten.

Dieudonné

fürchtet um seine Sicherheit.

Deswegen möchte er seinen wahren Namen nicht verraten. Doch seine Geschichte erzählt er gerne: "Als ich aus Burundi floh, begegneten mir einige Polizisten. Sie folgten mir und sagten, sie würden mich umbringen. Gott hat mich bewahrt." Seine Angehörigen hätten nicht so viel Glück gehabt, berichtet der Mann: "Meine Frau wurde erschossen. Auch meine Mutter und meinen Vater habe ich verloren. Mein Cousin ist auf der Überfahrt ertrunken."

Kein einfaches Leben im Exil

Nun lebt Dieudonné in Lusenda - zusammen mit rund 15.000 anderen Burundern. Insgesamt sind laut dem UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) mehr als 230.000 in die Nachbarländer Kongo, Tansania, Ruanda und Uganda geflohen. Sie fürchten Repression und Verfolgung durch Sicherheitskräfte und Anhänger des Präsidenten Pierre Nkurunziza. Der Konflikt in Burundi war eskaliert, als bekannt wurde, dass

Nkurunziza für eine dritte Amtszeit kandidieren

würde - entgegen der Verfassung. Mehr als 400 Menschen starben.

Karte Burundi

Das Camp liegt 70 Kilometer von der burundischen Grenze im Bezirk Fizi

Das Camp können die Flüchtlinge aufatmen - aber sicher fühlen sie sich hier nicht. Zu nah sei die burundische Grenze, sagen sie. Und im Kongo gehe es nur ums bloße Überleben. "Die Vereinten Nationen sollen uns an einen sicheren Ort bringen", sagt eine Frau. "Hier leiden wir die größte Not. Ständig fallen Schüsse. Und wir haben Hunger. 15 Dollar bekommen wir im Monat. Wie soll man davon leben?"

Zukunft der Flüchtlinge ungewiss

Das UN-Flüchtlingswerk garantiert für die Sicherheit der Menschen. Zugleich gesteht einer der Mitarbeiter aber auch Fehler ein. "Am 8. Januar gab es Proteste, weil die Lebensmittelrationen nicht pünktlich ausgegeben werden konnten", erinnert sich Mahamat Nour Abdoullah an einen Zwischenfall, der für Unruhen unter den Flüchtlingen gesorgt hatte. "Zusammen mit der Welthungerhilfe haben wir eine Übergangslösung gefunden und konnten so die Wogen glätten."

Delegation von Politikern besucht das Camp, Foto: DW/John Kanyunyu

Abgeordnete Munembwe (dritte v.l.) besucht das Camp

Die Ausschreitungen hatten das Flüchtlingslager landesweit in die Diskussion gebracht. Eine Delegation aus der Hauptstadt Kinshasa besuchte daraufhin das Lager ab. Außerdem waren Fälle bekannt geworden, in denen Burunder versucht hätten mit gefälschten Wählerkarten eine kongolesische Staatsbürgerschaft zu beantragen, erzählt die Abgeordnete Elysée Munembwe. Dem müsse man jetzt nachgehen. Eine fehlende Zukunftsperspektive nimmt vielen Bewohnern im Camp den Mut.

Eigeninitiative hilft

Anders bei Manirakiza Bora: Sie wollte nicht warten, bis andere über ihre Zukunft entscheiden. Sie hat ihr Schicksal lieber selbst in die Hand genommen und im Camp ein Café aufgemacht. Dort gibt es Maniokbrei und Bohnen für 500 kongolesische Francs (rund 50 Cent), Reis und Fleisch gibt es für rund 1,50 Euro.

Manirakiza Bora muss allein für ihre Familie sorgen. Sie war aus Burundi geflohen, nachdem

regierungstreue Milizionäre

ihren Mann erstochen hatten. Mit dem Café sichert sich die Diabetikerin ein kleines Auskommen - und kann sich dadurch die für sie so wichtige ausgewogene Ernährung leisten. Ihr Ziel ist es, in besseren Zeiten wieder nach Burundi zurückzukehren.

Flüchtlingscamp in Uvira, Foto: DW/John Kanyunyu

Rund 15.000 Menschen leben in Lusenda auf engstem Raum zusammen

Immer wieder komme es zu Spannungen, erzählt sie über die Stimmung im Camp: "Wir sind Menschen, die nicht gut gehorchen können." Ihre Mitflüchtlinge im Lager würden die Anweisungen nicht immer befolgen, die ihnen gegeben würden. Aber auch die Sicherheitskräfte hätten Flüchtlinge provoziert. Viele Menschen auf engem Raum - das schürt Konflikte. Doch das Flüchlingslager in Lusenda könnte laut Behörden sogar noch mehr Menschen aufnehmen. Es sei für 20.000 Personen ausgelegt. Pläne, weitere Camps im Kongo einzurichten, gibt es vorerst nicht.

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