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Afrika

Burkina Faso: Abkehr von genveränderter Baumwolle

Schlechte Qualität, schlechte Preise: Burkina Faso will sich von genveränderten Baumwoll-Pflanzen verabschieden. Doch die Gen-Lobby bleibt hartnäckig und feiert in anderen afrikanischen Staaten Erfolge.

Burkina Fasos "weißes Gold" ist berühmt: Jahrzehntelang galt die Baumwolle des westafrikanischen Landes als die beste des Kontinents. Bis in den 90er Jahren Schädlinge und Dürren die Ernten vernichteten - und damit die Existenz tausender Baumwollbauern.

Inmitten der Krise versprach der US-amerikanische Saatguthersteller Monsanto die Lösung: Genveränderte Baumwollpflanzen sollten klimaresistent sein, den Pflanzenschutz vereinfachen und den Bauern zu Rekordernten verhelfen. 2003 schloss Burkina Fasos Regierung einen Vertrag unter anderem mit Monsanto. Knapp sechs Jahre später wurde das Saatgut an die Landwirte verteilt, bald waren 70 Prozent der Anbauflächen mit den genveränderten Samen bepflanzt.

Baumwollbauern sind wütend

Und jetzt die Kehrtwende: Im April kündigte Burkina Fasos Präsident Roch Marc Christian Kabore an, genmanipulierten Baumwollpflanzen ab 2018 die Zulassung zu entziehen.

Warum die Umkehr? Von Anfang an stand das Vorhaben bei Umweltschützern in der Kritik - und sie haben offenbar Recht behalten: Bauern klagen, dass sich die Baumwollfasern nicht mehr in voller Länge ausprägten, sondern zu kurz seien. Aus kurzen Fasern können keine glatten und stabilen Fäden gewonnen werden. Die sind aber für die Textilproduktion notwendig. Entsprechend niedrig sind die Preise, die die burkinischen Produzenten für ihre Ware auf dem Weltmarkt erzielen.

Burkina Faso Inspektor (Foto: ISSOUF SANOGO/AFP/Getty Images)

Weißes Gold oder minderwertige Ware? Baumwoll-Farm in Burkina Faso

Die drei größten Baumwollproduzenten und Bauernverbände des Landes sprechen von rund 82 Millionen Dollar (74 Millionen Euro) Verlusten zwischen den Jahren 2011 und 2016. Sie fordern von Monsanto eine Entschädigung.

Der US-Konzern sieht das anders: Die Saatgut habe bessere Ernten geliefert und einen geringeren Einsatz von Pestiziden ermöglicht, weist das Unternehmen die Vorwürfe gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP zurück.

Monsanto steht unter Druck: Der Marktführer im Saatgut- und Pestizidgeschäft könnte demnächst vom deutschen Pharma- und Chemiekonzern Bayer übernommen werden. Zudem muss es um seinen Unkrautvernichter Glyphosat bangen: In Brüssel berät die Europäische Kommission über die weitere Zulassung des Wirkstoffs in der Europäischen Union ab Ende Juni. Das Mittel steht im Verdacht, krebserregend zu sein.

Schreibt die Gentechniklobby an Gesetzen mit?

Doch die Entscheidung Burkina Fasos gegen die genmanipulierte Baumwolle dürfte derzeit kaum ins Gewicht fallen: Südafrika, Ägypten und Sudan bauen ebenfalls genveränderte Nutzpflanzen an. "In Malawi, Kenia, Uganda, Nigeria und Ghana gibt es Testläufe", sagt die Südafrikanerin Haidee Swanby vom Afrikanischen Zentrum für Biodiversität (ACB) im DW-Interview. Laut Greenpeace stammen fast 90 Prozent der weltweit angebauten Gen-Pflanzen von Monsanto.

Afrikanische Regierungen könnten Monsanto und der US-amerikanischen Gentechniklobby nur wenig entgegensetzen, so Swanby. Diese Länder stünden erst am Anfang, wenn es um einen restriktiveren Umgang mit genveränderten Nutzpflanzen gehe.

USA Monsanto Herbizid Roundup (Foto: picture-alliance/AP Photo/J. Roberson)

Im Monsanto-Herbizid Roundup steckt der Wirkstoff Glyphosat

Das liege nicht zuletzt am Einfluss der US-amerikanischen Forschung. "Experten aus den USA entwickeln die Gesetze in Afrika mit, und die entsprechen vor allem ihren Interessen", vermutet Swanby. In den USA sind genmanipulierte Lebensmittel fast ausnahmslos zugelassen. Die US-Regierung hätte viele afrikanische Wissenschaftler bei der Forschung unterstützt, sagt die Südafrikanerin Swanby.

Auch die Stiftung des US-amerikanischen Microsoft-Gründers Bill Gates und dessen Frau Melinda hätten in hohem Maße Gelder in landwirtschaftliche Projekte mit Gensaatgut in Afrika gepumpt, schreibt Swanby in einem Artikel für die unabhängige Nachrichten-Plattform Commondreams. Das Versprechen der Geldgeber: Gentechnologie könne den Hunger auf dem Kontinent besiegen.

Nigerias Umweltaktivisten warnen

Nach Burkina Fasos Entscheidung hatten sich Umweltaktivisten wie Swanby eine Signalwirkung auf andere afrikanische Länder erhofft - vergebens. Im April hat die nigerianische Behörde für Biosicherheit Monsanto-Tests mit genverändertem Mais und den Anbau von Gen-Baumwolle erlaubt. "Wir waren sehr überrascht, dass Nigeria genveränderte Baumwolle zugelassen hat, und das direkt nachdem Burkina Faso zurückgerudert hatte", sagt Swanby.

"Die Entscheidung fiel in aller Stille an einem Sonntag", kritisiert die Nigerianerin Mariann Bassey Orovwuje. Sei leitet das Programm für Ernährungsunabhängigkeit der Nichtregierungsorganisation "Freunde der Erde Nigeria" (FoEN).

"Der Aufschrei in Nigeria war groß", sagt sie im Gespräch mit der DW. Zuvor hatten etwa fünf Millionen nigerianische Bauern, Marktfrauen und Vertreter der Zivilgesellschaft eine Petition mit ihren Bedenken bei der Behörde eingereicht. "Wir sind sehr besorgt, dass sich Nigeria blind in diese Technologie stürzt. Wir haben nichts aus der Erfahrung unseres Nachbarn Burkina Faso gelernt", so Bassey Orovwuje.

Sie ist sicher: Kleinbauern könnten mit konventionellen Pflanzen den Bedarf sichern. "Wir wollen keine Gentechnologie in Nigeria. Unsere Bauern können auch so alles anbauen, was wir brauchen", sagt sie. Sie bräuchten dafür aber die Unterstützung der Regierung, so Bassey Orovwuje.

Monsanto bindet Bauern an eigenes Produkt

Das Afrikanische Zentrum für Biodiversität in Johannesburg schätzt, dass 80 Prozent der afrikanischen Nahrungsmittel von Kleinbauern produziert werden - sie sind im Geschäft mit genveränderten Nutzpflanzen die Verlierer. "Gentechnologie ist extrem teuer", sagt die Südafrikanerin Swanby. "Ein Bauer braucht mindestens 500 Hektar Land - oder 500 Fußballfelder - damit sich der Einsatz lohnt." Die meisten Kleinbauern besäßen jedoch viel weniger.

Gentech-Baumwollfelder in Kwatzulu-Natal Südafrika

Nahezu hundert Prozent der Baumwollpflanzen in Südafrika sind genverändert

In Südafrika müssten Bauern doppelt, manchmal sogar fünfmal so viel für Genmais bezahlen wie für herkömmlichen Mais. Dabei könnten sie die Saat nicht aus den eigenen Pflanzen gewinnen, sondern müssten es jedes Jahr neu kaufen, sagt Swanby. Hinzu kommen Dünge- und Spritzmittel - etwa Glyphosat, das Monsanto gleich mit an die Bauern verkauft.

Sollte die EU dem Pflanzenschutzmittel die Zulassung entziehen, würde für Umweltaktivistin Swanby aus Südafrika "ein Traum in Erfüllung gehen". Wenn es einen Beweis für mögliche Gesundheitsschäden durch das Mittel gäbe, würde Südafrika seinen exzessiven Einsatz von Glyphosat bei Mais, Soja, Wein und Zuckerrohr überdenken, hofft sie. Und vielleicht auch irgendwann die Zulassung für genveränderte Nutzpflanzen.

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