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Aktuell Kultur

Burgtheater-Chef Hartmann gefeuert

Ein Finanzskandal stürzt das renommierte Wiener Burgtheater in die Krise. Intendant Hartmann ist fristlos entlassen und muss seinen Posten räumen. Er will gegen seine Kündigung klagen – es droht ein Rechtsstreit.

"Um weiteren Schaden für die Republik und das Burgtheater abzuwenden, musste dieser Schritt gesetzt werden", sagt der österreichische Kulturminister Josef Ostermayer. Zwei Rechtsgutachten hätten schwere Mängel im Rechnungswesen und im Kontrollsystem am Wiener Burgtheater gezeigt, die über mehrere Jahre nicht behoben worden seien.

Der Aufsichtsrat des Theaters hatte schon Ende Februar den Verdacht auf Urkunden- und Bilanzfälschung sowie Untreue geäußert. In der Spielzeit 2012/2013 rechnete das Haus mit einem Verlust von rund 8,3 Millionen Euro. Außerdem drohten Steuernachzahlungen in Millionenhöhe.

Der entlassene Theaterchef Hartmann (Foto: dpa)

Geschasst: Theaterchef Hartmann

Die Entscheidung Intendant Matthias Hartmann zu entlassen, fiel nicht einmal 24 Stunden nachdem dieser selbst angeboten hatte, seine Position als Geschäftsführer bis zur Klärung aller Vorwürfe ruhen zu lassen. Hartmann bestritt ein Fehlverhalten und kündigte rechtliche Schritte gegen seinen Rauswurf an. "Nun verlangt man, dass ich mehr weiß als die Controller und die Kaufleute. Das ist für jeden deutschsprachigen Theaterbetrieb absurd", erklärt er.

Die fristlose Entlassung Hartmanns ist nach Auffassung Ostermeyers unausweichlich. Als Geschäftsführer und künstlerischer Leiter habe Hartmann ebenso die Verantwortung für die finanzielle Situation des Hauses gehabt wie die bereits entlassene Vizedirektorin und ehemalige kaufmännische Geschäftsführerin Silvia Stantejsky. Die Auswertung von Gutachten habe ihm keine andere Wahl gelassen, als die sofortige Abberufung Hartmanns zu erwirken. Die Gutachten hätten "erhebliche Verletzungen der Sorgfaltspflicht eines Geschäftsführers" gezeigt, so der Minister.

Seit fünf Jahren in Wien

Seit 2009 ist Matthias Hartmann Intendant am Wiener Burgtheater. Seine Karriere begann der deutsche Theatermacher als Regieassistent von Heribert Sasse am Berliner Schillertheater, arbeitete unter anderem am Niedersächsischen Staatstheater Hannover und am Bayerischen Staatsschauspiel München und wurde im Jahr 2000 Intendant des Schauspielhauses Bochum. Fünf Jahre später wechselte er als Intendant an das Schauspielhaus Zürich. Immer wieder wurden seine Inszenierungen zum Publikumsrenner.

Das Burgtheater soll zunächst von einem interimistischen Geschäftsführer geleitet werden. Wer die Position besetzen könnte, ist aber noch unklar.

az/dö (dpa)